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Rieselfelder Münster – Europäisches Vogelreservat in Westfalen

Rieselfelder Münster – Europäisches Vogelreservat in Westfalen

Einst als Verrieselungsflächen für städtisches Abwasser angelegt, sind die Rieselfelder Münster heute ein Vogelschutzgebiet der Europäischen Union. Das Vogelreservat hat sich mittlerweile zum bedeutenden Rast- und Mauserplatz für Zugvögel sowie zur beliebten Heimat vieler bedrohter Vogelarten entwickelt.

Die Rieselfelder Münster liegen im Norden der westfälischen Stadt Münster – nahe des Stadtteils Coerde. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier begonnen, das städtische Abwasser auf Brachland zu verrieseln, das heißt kontrolliert versickern zu lassen. Mit der Zunahme der Bevölkerung wurde die genutzte Fläche immer mehr erweitert und viele Teile blieben bald das ganze Jahr unter Wasser. So entstand ein von Menschenhand geschaffenes Feuchtgebiet, das nicht nur über 130 Vogelarten einen geschützten Lebensraum bietet, sondern auch für Freunde der Vogelbeobachtung ein beliebtes Ausflugsziel geworden ist. Das Vogelschutzgebiet ist zudem Teil des Schutzgebietsnetzes NATURA 2000, das sich der Erhaltung des europäischen Naturerbes verpflichtet fühlt.

Verschiedene Lebensräume

Von oben betrachtet ähneln die Rieselfelder Münster einer großen Seenplatte aus mehr als hundert Einzelteichen und -flächen. Durch die frühere Parzellierung sind diese zum großen Teil schachbrettartig angeordnet und beherrbergen ganz verschiedene Lebensräume – von größeren Stauteichen über Feuchtwiesen und Feuchtbrachen bis zu Streuobstwiesen und Gehölzen. Rund ein Viertel der Fläche nehmen Flachwasserzonen mit 5 bis 20 Zentimetern Tiefe ein. Vor allem Gründelenten und Watvögel, wie der Grünschenkel und der Dunkle Wasserläufer haben hier ihr Zuhause. Viele der Teiche sind von Röhricht umgeben, wo ihr Vogelarten wie die Rohrweihe, der Teichrohrsänger oder die Rohrammer beobachten könnt. Streuobstwiesen geben euch dagegen die Chance, einen Blick auf Steinkäuze, Gartenrotschwänze oder Siebenschläfer zu erhaschen. Die aktuelle Artenliste führt aber beispielsweise auch Kormorane, Höckerschwäne, Graugänse, Kanadagänse, Blässrallen und verschiedene Entenarten auf.

Naturerlebnisgebiet

Von einem zwölf Meter hohen Beobachtungsturm lässt sich – mit und ohne Fernglas – ein guter Überblick über die verschiedenen Lebensräume gewinnen. Ein Netz von Rundwanderwegen führt euch zu weiteren Beobachtungshütten und Aussichtspunkten, von wo ihr die Bewohner des Naturreservats in aller Ruhe und Abgeschiedenheit beobachten könnt. Ihr solltet jedoch beachten, dass der nordwestliche Teil als Herzstück des Naturschutzgebiets nur begrenzt für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Für die kleinen Entdecker wurde nahe der Biologischen Station ein Naturlehrpfad angelegt, der Auskunft über die unterschiedlichen Lebensräume des Reservats und deren ökologischen Zusammenhänge gibt.

Biologische Station

Seit 1977 werden die Rieselfelder Münster von einer Biologischen Station betreut und gepflegt. Neben wissenschaftlichen Forschungs- und Erfassungsprogrammen übernehmen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter dort ganzjährig regelmäßig öffentliche Führungen.

Foto: Wolf&Marg / pixelio.de

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