Das Schnabeltier – Kuriosum aus Urzeiten?

Das Schnabeltier – Kuriosum aus Urzeiten?

„Es sind die entfernten Einöden der Welt, in welchen wir die hilflosen, deformierten und monströsen Werke der Natur zu suchen haben.“ Das schrieb der irische Schiffsarzt John Washington Price 1799 in sein Tagebuch, nachdem er die australische Tierwelt kennengelernt hatte. Eine der obskursten Entdeckungen, die er auf dem fremden Kontinent gemacht haben könnte, ist das Schnabeltier.

Ein seltsames Wesen

Die erste zoologische Beschreibung des Schnabeltiers führte der britische Zoologe George Shaw bereits 1799 durch, nachdem erste Exemplare des unerhört seltsamen Tieres nach Europa gelangt waren. Er nannte es Platypus anatinus oder entenartiger Plattfuß. Kurioserweise war dieser Name allerdings schon an eine Gruppe von Käfern vergeben, so dass sich die Forschung später auf den Namen Ornithorhynchus anatinus einigte. Doch im Englischen heißt das Schnabeltier noch heute „duckbilled Platypus“.

Auf den ersten Blick scheinen im Schnabeltier mehrere Tiere miteinander verschmolzen zu sein. Es hat den gedrungenen, flachen Körper eines Bibers, wozu auch der kräftige, platte Schwanz passt. Insgesamt werden Schnabeltiere etwa 50 Zentimeter lang. An den breiten Füßen finden sich Schwimmhäute. Die Männchen haben an den Knöcheln der Hinterbeine kurze Giftsporne, die wahrscheinlich in Rivalenkämpfen eingesetzt werden.

Der platte Schnabel ist biegsam und fühlt sich wie weiches Rindsleder an. Die Nasenlöcher des Schnabeltiers befinden sich recht weit vorn auf der Oberseite des Schnabels. So kann es im Wasser wie durch einen Schnorchel atmen. An Stelle von Zähnen besitzt es Hornplatten am Kiefer, mit denen die Nahrung zermahlen wird.

Das lebende Fossil

Wie aber kann es sein, dass das Schnabeltier gleichzeitig Eigenschaften von Fisch, Vogel und Säugetier aufweist? Zu welcher Klasse gehört es letztendlich? Zumindest diese Frage ist heute beantwortet. Das Schnabeltier ist ein so genanntes eierlegendes Säugetier. Nachdem das Männchen das Weibchen begattet hat, errichtet dieses eine Art unteriridischen Bau und legt dort ein weiches Nest an. Etwa zwei Wochen nach der Paarung legt das Weibchen drei große weiße Eier, die zehn weitere Tage bebrütet werden, bevor die Jungen zur Welt kommen. Das Weibchen ernährt sie mit Muttermilch, die aus Drüsen im Brustbereich läuft und von den Jungen aus dem Fell geleckt wird. Aufgrund dieser Kombination aus Brüten und Säugen wird das Schnabeltier auch als Ursäuger bezeichnet und gilt als lebendes Fossil.

Elektrisierter Schnabel

Aber die überraschende Fortpflanzung ist nur eine Besonderheit des Schnabeltiers. Es ist ein ausgezeichneter Schwimmer und verbringt sehr viel Zeit im Wasser, vor allem zur Nahrungssuche. Allerdings scheint das Schnabeltier nichts auf normale Weise zu erledigen, denn auf der Jagd verschließt es Augen, Ohren und Nase und verlässt sich – auf seinen Schnabel.

Dieser nämlich ist mit tausenden von feinen Elektrosensoren bestückt. Sie nehmen die winzigen Spannungsfelder wahr, die entstehen, wenn ein Beutetier seine Muskeln bewegt. Selbst minimale Bewegungen im Wasser, die etwa von Kaulquappen hervorgerufen werden, entgehen dem Schnabeltier nicht. Seine Beute bewahrt es zunächst in den Backentaschen auf, um sie nach dem Tauchgang zu zermahlen.

Schnabeltiere finden sich nur in Australien, dort allerdings recht häufig in den Regionen Victoria, Queensland, Tasmanien und New South Wales. Haltet euch an die Süßwassersysteme, wenn ihr einem Schnabeltier auf der Spur seid!

Foto: Klaus (Lizenz: CC BY-SA 2.0) / flickr.com

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