Beutelmeise – maskierte Baumeisterin

Beutelmeise – maskierte Baumeisterin

Der ungeübte Vogelbeobachter verwechselt die Beutelmeise leicht mit dem Neuntöter. Es sei denn, er bekommt ihr Nest zu Gesicht, denn das ist in vielen Hinsichten einzigartig.

Aussehen

Mit einer Körpergröße von 10 bis 12 Zentimetern gehört die Beutelmeise zu den kleineren Vögeln, die sich gut verbergen können. Ihr Körper ist bräunlich grau mit einem kräftig rostbraunen Rücken. An ihrem hellgrauen Kopf fällt die große, tiefschwarze Augenmaske besonders auf. Diese ist allerdings erst bei erwachsenen Vögeln zu erkennen, Jungvögel haben ein komplett helles Gesicht. Weitere Merkmale sind ein kurzer, spitzer, dunkler Schnabel und dunkle Farbverläufe in Richtung Schwanz. Bei den Beutelmeisen werden mehrere Unterarten unterschieden; außerdem sieht die Art dem Neuntöter sehr ähnlich.

Vorkommen

Die Art ist in großen Teilen Europas verbreitet. Sehr lückenhaft brütet die Beutelmeise in Frankreich, in Großbritannien kommt sie so gut wie gar nicht vor. Mit mehreren größeren Unterbrechungen reicht das Areal bis nach China.

Eine Beutelmeise hält sich am liebsten in halboffenen Feuchtgebieten auf. Ein stehendes oder fließendes Gewässer mit Röhricht, dazu vereinzelte Bäume und Büsche – perfekt. Sie hält sich auch gern in der Nähe älterer Brennesselbestände auf.

Verhalten und Besonderheiten

Ihren Namen hat die Beutelmeise von der besonderen Konstruktion ihres Nestes. Es ist ebenso kunstvoll wie unverwechselbar und wird an einzeln stehenden Bäumen gebaut, meistens Weiden oder Birken. Das Männchen schnappt sich Samenwolle und Pflanzenfasern und baut daraus gleich mehrere beutelförmige Nester, die wie flauschige Kugeln an den Ästen hängen.

Dann wird es ernst! Das Weibchen entscheidet, welches Exemplar am besten gelungen ist. Wenn die Wahl getroffen ist, bauen beide Partner das Nest fertig. Dort hinein legt das Weibchen dann fünf bis acht Eier, aus denen schon nach zwei Wochen die kleinen Beutelmeisen schlüpfen. Übrigens: In Osteuropa wurden die flauschigen Nestgebilde früher nicht an den Bäumen hängen gelassen, sondern als Kinderpantoffeln genutzt!

Ihren Speiseplan haben die Beutelmeisen ihrem Lebensraum angepasst. Sie ernähren sich von Insekten, Spinnen und Samen, die sie von der Baumrinde oder aus Büschen und Schilf herauspicken.

Wie alle Vögel, die am liebsten in Feuchtgebieten leben, ist die Beutelmeise einer Gefährdung durch den Menschen ausgesetzt. Immer mehr Verlandungszonen werden trocken gelegt oder bebaut, so dass die Vögel ihren Lebensraum verlieren. Allerdings arbeiten immer mehr Vogelschützer gegen diese Entwicklung, so dass die flauschigen Beutelnester hoffentlich noch lange an unseren Bäumen hängen werden.

 

Foto: Rob Zweers (Lizenz CC BY 2.0)

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