Blauracke – Wehrhafte Schönheit

Blauracke – Wehrhafte Schönheit

Die Blauracke ist ein ganz besonderer Vogel, aber nicht nur wegen ihres wunderschönen Gefieders. Die Art hat auch verblüffende Überlebenstricks auf Lager.

Aussehen

Die Blauracke ist ein wunderschöner, farbenfroher Vogel von der Größe einer Dohle (ca. 31-32 Zentimeter). Der große Kopf sitzt auf einem sehr kurzen Hals, die Beine sind im Vergleich zum Körper schwach gebaut. Der kräftige, leicht gebogene Schnabel erinnert an den einer Krähe. Es gibt aber keine Verwandtschaft mit den Krähenvögeln, denn die Blauracke gehört zur Ordnung der Rackenvögel.

Das Gefieder schillert überwiegend in verschiedenen Blautönen. Diese wirken in der Sonne kräftig blau, im Schatten eher türkisgrün. Der Rückenbereich ist rotbraun, an der Schwanzbasis findet sich ebenfalls eine dunkle Färbung. Stirn und Kinn sind eher grau-weiß, diese Bereiche sind allerdings klein und auf den ersten Blick sehr unauffällig. Auch die federlose schwarze Stelle am Auge wird erst bei genauerem Betrachten sichtbar.

Männchen und Weibchen tragen das gleiche Federkleid, allerdings sind die Weibchen etwas blasser gefärbt. Auch im Jugendkleid sind Blauracken noch nicht so kräftig gefärbt, außerdem tragen sie in diesem Alter eine braun gestrichelte Brust.

Vorkommen

Die Brutgebiete in Dänemark, Finnland, Tschechien und Deutschland sind schon seit Jahrzehnten verlassen. In den 60’er und 70’er Jahren wurde die Landwirtschaft dort so intensiv, dass die Blauracken nicht mehr ungestört brüten konnten. Heute gilt die Art bei uns als ausgestorben, Einzelsichtungen kommen nur sehr selten vor.

Die Blauracke brütet heute noch in Osteuropa, Ungarn, Italien, Spanien und Nordwestafrika. Ihr idealer Lebensraum besteht aus ruhigem Weideland, das ab und zu von Bäumen aufgelockert wird. Diese sind wichtig, weil Blauracken alte Spechthöhlen und verfaulte Astlöcher zum Brüten brauchen.

Als Weitstreckenzieher verlassen die schönen Vögel im Spätsommer ihre Brutgebiete und ziehen nach Südafrika, um dort den Winter zu verbringen. Leider werden sie dort und auch schon auf dem Zug illegal bejagt und getötet. Auch der Einsatz von Pestiziden auf den Weiden und Feldern macht ihnen zu schaffen. Aktuell gilt die Blauracke als „nahezu gefährdet“, doch der Bestand geht merklich zurück.

Verhalten und Wissenswertes

Unsere Vögel der Woche sind Ansitzjäger, das bedeutet, sie nehmen ihre Beute von Bäumen oder Überlandleitungen aus ins Visier. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Großinsekten (Heuschrecken, Grillen) sowie dicke Käfer und Schmetterlinge. Hat eine Blauracke einen Leckerbissen erspäht, schießt sie aus fünf bis 10 Metern darauf zu.

Wie bereits erwähnt, brüten Blauracken in alten Baumhöhlen. Sie zimmern keine eigenen Behausungen und sind daher in vielen Regionen auf künstliche Nisthilfen angewiesen. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, heißt es natürlich Futter, Futter, Futter! Damit es dabei gerecht zugeht, hat sich die Natur einen Trick einfallen lassen. Die Haut schlecht ernährter Jungvögel reflektiert nämlich mehr UV-Licht als die ihrer stärkeren Geschwister. So wissen die Eltern, wer noch eine zusätzliche Portion nötig hat.

Abgesehen von diesem Kniff können sich die Nestlinge auch gut verteidigen. Droht Gefahr, erbrechen sie eine übelriechende, orange Flüssigkeit. Sie enthält Pflanzengift, welches über die Heuschrecken in die Mägen der Jungvögel gerät. Die Jungen machen sich also als Mahlzeit für andere Tiere unattraktiv – indem sie stinken.

Der Ruf einer Blauracke klingt wie ein lautes, krächzendes „Rack“. Im Balzflug vollführen sie gaukelnde Flugmanöver und geben ein ratterndes „rrär-rrär“ von sich.

Foto: Francesco Veronesi (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

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