Brachpieper – Langbein in der Wüste

Brachpieper – Langbein in der Wüste

Der Brachpieper erinnert mit seinen langen Beinen an eine Stelze. Er fühlt sich in flachen, trockenen Gebieten wohl.

Aussehen

Es handelt sich um einen der größeren Pieper, denn mit einer Körperlänge von rund 17 Zentimetern überragt der Brachpieper seine bekannteren Artgenossen Wiesen-, Berg- und Baumpieper.

Dass der Brachpieper zu den Stelzenverwandten gehört, zeigen seine langen Beine sofort an. Auch der lange Schwanz ist ein wichtiges Merkmal. Ausgewachsene Brachpieper sind am Rücken sandig braungrau gefärbt, Brust und Bauch sind weiß. An den Brustseiten findet sich oft ein zartes Strichelmuster. An den Flügeln treten die mittleren Armdecken dunkler hervor. Auffällig ist auch der deutliche weiße Überaugenstreif. Direkt darunter fasst ein dunkler Zügelstreif die Augen ein und zieht sich vom Schnabel bis deutlich hinter das Auge. Er ist aber selten kräftig dunkel, seht also lieber zweimal hin.

Vorkommen

Im Norden wird das Verbreitungsgebiet der Brachpieper von der Atlantikküste sowie Südschweden und schließlich vom nördlichen Baltikum begrenzt. In Großbritannien kommen keine Brachpieper vor. In Richtung Süden endet das Gebiet im Nordwesten Afrikas. Die Ost-West-Achse verläuft von Portugal bis in die Steppen Mittelsibiriens.

Wie sein Name schon vermuten lässt, bewohnt der Brachpieper flache, karge Gebiete mit wenig Pflanzenwuchs. Solche Gebiete entstehen zum Beispiel, wenn eine Heide regelmäßig von Schafen abgeweidet wird. Aber auch große Sandflächen, Tagebaufelder, Truppenübungsplätze und Brandflächen kommen in Frage. In wärmeren Gebieten sind Steppen, Halbwüsten und Wüsten die erste Wahl.

Um dem agilen Vogel wieder mehr Lebensraum zu bieten, wurden unter anderem im Lausitzer Seenland und in der Nemitzer Heide landschaftliche Veränderungen bewirkt.

Verhalten und Wissenswertes

Als Langstreckenzieher entfliehen Brachpieper jedes Jahr dem Winter. Sie brechen ab Mitte August in ihre Überwinterungsgebiete auf, die südlich der Sahara, in Nordostafrika, in Arabien, im Süden des Iran sowie in Westindien liegen. Die Rückkehr nach Mitteleuropa erfolgt ab Ende Februar, Mitte Mai sind die meisten Brutgebiete dann wieder besetzt.

Brachpieper sind Bodenbrüter und knüpfen ihr Nest aus feinen Pflanzenfasern. Da die ersten Eier schon zwischen Mitte Mai und Anfang Juni gelegt werden, gibt es oft noch eine Zweitbrut. Das Weibchen übernimmt die Brut allein und wird auch später beim Füttern eher selten vom Männchen unterstützt. Die Jungen sind nach etwa 15 Tagen flügge, aber erst nach einem Monat ist ihr Gefieder voll ausgewachsen. Die Jungvögel könnt ihr an der stärker gestrichelten Brust erkennen.

Die Nahrung der Brachpieper besteht aus Insekten. Sie erbeuten am liebsten Käfer, Ameisen, Heuschrecken und Zweiflügler.

Ein singender Brachpieper reiht monotone Rufe aneinander, die etwa wie „tsir-li“ klingen. Der Gesang ist meist von den Männchen zu hören, Weibchen können aber auch singen. Der Kontaktruf erinnert an den eines Spatzes und klingt wie „tschilp“ oder „dieb“.

 

Foto: Michele Lamberti (Lizenz CC BY 2.0)

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