Löffelstrandläufer – bedrohter Charmebolzen

Löffelstrandläufer – bedrohter Charmebolzen

Obwohl oder gerade weil er so klein ist, besticht der hübsche Löffelstrandläufer durch seine ganz besondere Ausstrahlung. Doch seine hohen Ansprüche an Brut- und Rastplätze machen ihn zu einer der gefährdetsten Vogelarten der Welt.

Wenn man dem Löffelstrandläufer dabei zusieht, wie er mit seinem lustigen Schnabel und dem roten Köpfchen über karge Wiesen trippelt, möchte man ihn eigentlich nur füttern und beschützen. Und Schutz hat er durchaus nötig, denn der Bestand nahm in den letzten Jahren in dramatischem Tempo ab. In unserem Steckbrief stellen wir euch den kleinen Watvogel näher vor.

Aussehen

Wie bereits erwähnt, wird der Löffelstrandläufer nicht sehr groß, höchstens 15 cm. Im Prachtkleid ist der Bereich von Kopf, Hals und Brust orange bis kupferrot, in Richtung Bauch läuft diese Färbung in immer spärlicheren Sprenkeln aus, der Bauch selbst ist weiß. Die Rückenpartie dagegen ist schwarzbraun mit weißen und zimtfarbenen Tupfen, wird zum Schwanz hin allerdings immer dunkler, so dass die oberen Schwanzfedern schwarz sind, die unteren weiß. Auffällig ist der löffelartige Schnabel, der zur Spitze hin immer breiter wird.

Im Schlichtkleid fehlt die rote Färbung und der Vogel wirkt insgesamt unauffälliger.

Vorkommen

Der Löffelstrandläufer brütet auf den russischen Halbinseln Kamtschatka und Tschuktschen. Er benötigt eine karge Tundralandschaft mit angrenzendem Wat, daher liegen die allermeisten Brutgebiete in der Nähe des Meeres.

Um in ihr Winterquartier zu kommen, überwinden die Vögel rund 8000 Kilometer, denn sie überwintern in Südostasien. Sichtungen gibt es unter anderem in Indien, Sri Lanka, Thailand und auf den Philippinen.

Leider steht der Löffelstrandläufer mittlerweile vor dem Aussterben. Im Jahr 2000 gab es noch etwa 1000 Brutpaare, doch der Bestand ist bis heute alarmierend gesunken. Die Gründe dafür sind vor allem Eindeichungen von Watflächen, die auf dem Zugweg als Rastplätze lebenswichtig sind, sowie der Vogelfang in Myanmar, Bangladesh und China.

Im Jahr 2012 wurde von nicht mehr als 100 verbliebenen Brutpaaren ausgegangen. Doch schon im Herbst 2013 konnte ein Forscherteam eine kleine Sensation melden: 140 Exemplare entdeckten sie in der Nähe von Shanghai. Daraufhin erklärten sich mehrere Länder entlang der Zugküste bereit, die Rastgebiete der Löffelstrandläufer besser zu schützen.

2015 gab es ebenfalls gute Nachrichten. Ins Brutgebiet Chukotka kehrten 18 verschiedene beringte Vögel zurück, manche von ihnen hatten sogar erfolgreich gebrütet. Nahe dieses Gebietes wurde außerdem eine wilde Gruppe Löffelstrandläufer gesichtet, die etwa 25 Paare umfasste. Dennoch ist der Löffelstrandläufer weiterhin gefährdet und kann in den kommenden Jahren hoffentlich weiter stabilisiert werden.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Löffelstrandläufer sind Bodenbrüter, die ihre Nester in der russischen Tundra in Bodennischen oder andere geschütze Stellen bauen. Zur Nahrungssuche im schlammigen Wat benutzen sie ihren praktischen Schnabel, mit dem sie größere Insekten erbeuten und den Schlamm durchsuchen.

Wegen des löffelförmigen Schnabels wird der kleine Watvogel auch „Spoony“ genannt.

  • Der NABU hat es sich in Zusammenarbeit mit Naturschutzexperten zur Aufgabe gemacht, die erste Brut der Löffelstrandläufer einzusammeln und künstlich auszubrüten. So wachsen die Küken sicher auf. Mehr über dieses Projekt und wie ihr helfen könnt erfahrt ihr hier.

Foto: artvintage1800s.etsy.com (Lizenz: Public Domain Mark 1.0) / flickr.com

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