Misteldrossel – Geflügelter Druide

Misteldrossel – Geflügelter Druide

Ob Miraculix viele Drosseln kannte? Vielleicht, denn was der Druide aus Asterix für seinen Zaubertrank braucht, ist die Lieblingsspeise der Misteldrossel. Der getupfte Vogel braut aus Misteln zwar keinen Zaubertrank, sorgt aber beinahe magisch für das Überleben der Pflanze.

Aussehen

Drosselarten in Deutschland gibt es viele. Wenig überraschend zählen Singdrossel, Wacholderdrossel und Rotdrossel zu den Drosseln, aber auch die Amsel gehört zu dieser Familie. Von all diesen Drosselarten ist die Misteldrossel mit ihren 26 bis 29 Zentimetern die größte. Der 5 bis 10 cm kleineren Singdrossel und der Wacholderdrossel mit dem graublauen Kopf sieht sie dennoch ähnlich. Wie bei anderen Drosselarten ist bei der (männlichen wie weiblichen) Misteldrossel ist die Oberseite graubraun, und die Unterseite weiß mit dunklen Tupfen gefärbt.

Vorkommen

Die Misteldrossel ist über weite Teile Europas, Nordafrikas und Vorderasiens verbreitet. In Deutschland ist sie am häufigsten in der norddeutschen Tiefebene zwischen niederländischer und polnischer Grenze zu finden. Dort bevorzugt die Misteldrossel lichte hohe Wälder und kleine Gehölze. Wie andere Vogelarten auch, ist sie immer häufiger in Gärten und Parks von Siedlungen zu finden. Bis zum Winter zumindest: Zwischen November und Februar lebt der Kurzstreckenzieher gewöhnlich am Mittelmeer oder in Westeuropa. Glücklicherweise ist der europäische Bestand der Misteldrossel relativ ungefährdet. Abgesehen von plötzlichen Kälteeinbrüchen hat sie bei uns wenig zu fürchten. Dennoch müssen wir darauf achten, dass sie auch in Zukunft noch ungestörte Streuobstwiesen und Weiden zu Nahrungssuche finden wird.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Schön im Vorfrühling, besonders mittags, lässt die Misteldrossel ihrem amselähnlichen Ruf über Weiden und Wiesen erschallen. Ihr monotones trr oder zrr ist jedoch eintöniger als das der melodiösen Amsel. Wird die Misteldrossel gestört, so eilt sie im typische wellenförmigen Flug davon. Ihre Nahrung sucht die Misteldrossel aber nicht nur auf Wiesen, sondern gerne auch auf Bäumen. Ihr Hauptnahrungsmittel ist die Mistel, das parasitische Gewächs, das auch von den Druiden des Altertums hoch geschätzt wurde. Den Asterix-Leser unter euch wird das bekannt vorkommen. Die Druiden sind den Misteldrosseln sogar zu Dank verpflichtet: Durch ihre Nascherei verbreitet sich die Pflanze nämlich in der Landschaft. Und noch etwas hat die Misteldrossel mit Druiden gemeinsam: Sie ist mindestens genauso scheu und einzelgängerisch veranlagt.

Foto: Ómar Runólfsson (Lizenz: CC BY 2.0)

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