Nachtreiher – Verborgener Fischer

Nachtreiher – Verborgener Fischer

Der Nachtreiher fischt im Schutze der Nacht. Nicht nur deswegen ist er kaum noch an deutschen Gewässern zu sehen.

Aussehen

Mit seiner kompakten Gestalt sieht der Nachtreiher ein bisschen wie ein zu groß geratener Eisvogel oder eine Rohrdommel aus. Dank kurzem, dicken Schnabel, kaum Hals und wenig Beinen wirkt der Schreitvogel dicklicher als er eigentlich ist. Besonders gut zu erkennen ist der Kopf diesen Vogels: Die schwarze Haube, die roten Augen, das weiße Gesicht und der dünne, weiße Schopf während der Balz sind unverkennbar. Im Gegensatz dazu sind Rumpf und Flügel unscheinbar grau, Rücken und Schultern schwarz, Bauch und Hals hellgrau oder weiß. Mit nur etwa 65 Zentimentern ist er viel kleiner als der häufige Graureiher und nur schwer mit ihm zu verwechseln. Auch bei den braun-weiß gescheckten Jungvögeln besteht wenig Verwechslungsgefahr.

Vorkommen

Der Nachtreiher ist beinahe in der ganzen Welt zu Hause – noch. Der früher häufige Brutvogel Mitteleuropas ist heute in Deutschland und Nachbarländern vom Aussterben bedroht. Nicht viel mehr als zehn bis zwanzig Paare werden für das gesamte Bundesgebiet geschätzt. Der Nachtreiher braucht Gebiete mit Brackgewässern und Marschland, Auwälder, Flüsse, Sümpfe und Seeufer mit viel Bewuchs, denn er ernährt sich großteilig von Fisch und Amphibien. Solchen Lebensraum findet er hauptsächlich in Süddeutschland: In Bayern wurde er schon an der Donauaue bei Regensburg, bei Straubing und im Umweltschutzgebiet Unterer Inn an der österreichischen Grenze gesichtet, in Baden-Württemberg im Naturschutzgebiet Pleidelsheimer Wiesental. Vereinzelte Sichtungen gab es auch in der Lausitz. An diesen wenigen Brutplätzen verbringt der Nachtreiher die Zeit zwischen April und Oktober, bevor er sich auf den Weg in sein Winterquartier macht.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Für Vogelbeobachter ist der Nachtreiher eine harte Nuss: Da er hauptsächlich bei Dämmerung und Nacht aktiv ist, hält er sich tagsüber im Dickicht versteckt. Wer ihn dort erspähen will, muss die Augen schon gut offen halten! Erwischt ihr ihn abends, sind eure Chancen schon besser. Mit seinem schaukelnden, breiten Flugstil und dem rabenähnlichen Ruf ist der Nachtreiher nicht ganz unauffällig.

In Gesellschaft ist der Nachtreiher sehr sozial. Er lebt zusammen mit anderen Reihern seiner oder anderer Arten, Paare putzen sich mehrmals täglich gegenseitig das Gefieder und auch Brüten ist bei Nachtreihern gemeinsame Beschäftigung zwischen April und Juli. Doch wenn wir den europäischen Bestand des Nachtreihers nicht besser schützen, wird es für ihn bald keine Gelegenheit zum Beisammensein mehr geben.

>> Welche Arten Deutschlands sind sonst noch bedroht? Mehr dazu auf der Roten Liste der IUCN!

Foto: Ingrid Taylar (Lizenz: CC BY 2.0) / flickr.com

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