Ortolan – Bodenbrüter mit Dialekt

Ortolan – Bodenbrüter mit Dialekt

Der Ortolan ist ein kleiner Vogel, der mit seinem Gesang angeblich schon zu großer Kunst angeregt hat. Allerdings brütet er am liebsten in Getreidefeldern und macht damit sich und so manchem Landwirt das Leben schwer. Aber es gibt Hoffnung!

Aussehen

Der Ortolan erreicht etwa die Größe eines Haussperlings und ist damit ein kleiner, schlanker Vogel. Der Kopf der Männchen ist grün mit einem gräulichen Unterton und wird von der Kehle und den Augenringen in kräftigem Gelb ergänzt. Die Unterseite ist braun, wie auch die Flügel, die jedoch zusätzlich schwarz gestrichelt sind. Der kurze Schnabel und die Beine sind rot bis bräunlich, die Augen schwarz. Der Ortolan hat einen gerade abgeschnittenen Schwanz und recht lange, schmale Flügel.

Die Weibchen sind etwas matter gefärbt als die Männchen, vor allem am Kopf. Auch die Jungvögel haben noch ein eher unscheinbares Gefieder.

Vorkommen

Ortolane sind konsequente Zugvögel und verbringen die Wintermonate im subtropischen Afrika. Ab April kehren sie wieder in große Teile Europas zurück, in den nördlichen Gebieten (Island, Großbritannien, Norwegen) kommen sie allerdings kaum bis gar nicht vor. In Frankreich gelten sie sogar als Delikatesse und werden noch heute bejagt! Was Deutschland betrifft, befindet sich das größte Brutgebiet im Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen. Weitere Populationen befinden sich am Maindreieck in Unterfranken sowie in Tirol. Insgesamt gibt es in Deutschland noch zwischen 4.000 und 5.000 Brutpaaren und der Ortolan gilt schon länger als gefährdet.

Ortolane (manchmal werden sie auch Gartenammern genannt) lieben vor allem trockene und warme Gebiete. Trockenrasen, Felsensteppen und Weinberge sind daher Orte, an denen ihr einem Ortolan begegnen könntet. Auch Streuobstäcker sind gern genommene Reviere.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Allgemein bevorzugen Ortolane offene Landschaften mit verstreutem Busch- und Baumbestand, da sie diese Aussichtspunkte als Warten für ihren Gesang benötigen. Dieser ist hell und rhythmisch und kann auch im Flug ertönen. Jedes Männchen kann zwei bis vier verschiedene Strophen vortragen. Der Gesang des Ortolans soll übrigens Ludwig van Beethoven zu seiner Fünften Symphonie inspiriert haben. Darüber hinaus kann sich der Gesang je nach Region unterscheiden, so als würden die verschiedenen Ortolanbestände jeweils ihren eigenen Dialekt ausbilden!

Wie hoch der Ortolan beim Singen und Fliegen auch hinaus will, beim Brüten ist er bodenständig. Leider, denn die Kuhlen im Boden sind nicht nur bei starkem Regen in großer Gefahr. Oft brüten die Ortolanweibchen in hohen Getreidefeldern, wo sie und ihre Jungen den landwirtschaftlichen Maschinen ausgesetzt sind. Zumindest in Franken wurde deshalb die Bewirtschaftung bereits umgestellt. Die Landwirte sähen nicht mehr so eng und verzichten auf aggressive Düngemittel. Außerdem wurden „Fenster“ in den Feldern angelegt, kleine Bereiche, die bei der Saat ausgespart werden und dem Ortolan so mehr Platz zur Nahrungssuche bieten.

  • Im Fläming gibt es sogar einen ganzen Ortolan-Rundwanderweg, der durch das Brutgebiet des seltenen Vogels führt.
  • Dass der Konflikt zwischen Landwirten und Vogelschützern nicht immer problemlos abläuft und noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist, veranschaulicht auch dieser Artikel der Sächsischen Zeitung.

Foto: Sergey Pisarevskiy (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

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