Wachtelkönig – Nachtaktives Rufwunder

Wachtelkönig – Nachtaktives Rufwunder

Wie erkennt man einen Wachtelkönig? Am besten mit den Ohren. Die knarzenden Rufe der scheuen Vögel sind weithin hörbar.

Aussehen

Mit angelegten Flügeln gleicht er einem kleinen gefiederten Bowlingkegel. Der Wachtelkönig wird etwa 25 Zentimeter lang und ist damit so groß wie eine Amsel, allerdings etwas schwerer. Wenn man ihn mal außerhalb von Wiesen und Weiden zu Gesicht bekommt, fallen zuerst die kräftigen Beine und Füße auf. Der schlanke, abwärts breiter werdende Körper ist grau und bräunlich gefärbt, wobei vor allem Kehle und Brust bläulich grau auffallen. Zur Brutzeit sind auch die Wangen und Halsseiten der Männchen in dieser Farbe hervorgehoben. Die hellen Flanken sind braun gebändert, die Flügeldecken rostbraun.

Sein Name lässt zwar eine Verwandtschaft mit der Wachtel vermuten, doch tatsächlich gehört der Wachtelkönig zur Familie der Rallen. Woher also diese Bezeichnung? Weil die Art gern gemeinsam mit Wachteln unterwegs ist, setzte sich früher der Aberglaube durch, eine Gruppe Wachteln müsse stets von einem Oberhaupt oder eben König angeführt werden. Weitere deutsche Spitznamen für den lauten Nachtschreck sind „Grasrätscher“ oder „Wiesenknarrer“. Diese Bezeichnungen kennt heute kaum noch jemand – ein trauriger Nebeneffekt der starken Bestandsschwankungen des Wachtelkönigs.

Vorkommen

Vor allem in Osteuropa (europäischer Teil Russlands, Weißrussland) leben viele Wachtelkönige. Das gesamte Verbreitungsgebiet zieht sich in einem breiten Band von Frankreich bis in den Westen Chinas.

Der scheue Vogel hält sich am liebsten in höheren Feuchtwiesen, an Flussniederungen und – seltener – auf Getreidefeldern auf. Wichtig ist, dass die Vegetation nicht zu flach und nicht zu hoch steht. Es muss gerade genug vorhanden sein, damit sich der Wachtelkönig gut verstecken kann. Extensiv genutztes Grünland mit locker bewachsenen Rändern bietet zwar ideale Bedingungen, kommt aber gerade in Deutschland nur noch selten vor.

Wachtelkönige sind Langstreckenzieher. Sie nehmen jedes Jahr eine Strecke von etwa 7.000 Kilometern auf sich, um in die Überwinterungsgebiete in Ost- und Südafrika zu kommen.

Verhalten und Wissenswertes

Zur Lieblingsnahrung gehören Heuschrecken, Käfer, Ameisen, Libellen, Schnaken, Fliegen und Ohrwürmer. Aber auch Schnecken, Regenwürmer, kleine Frösche, Spinnen und Tausendfüßler kommen auf den Speiseplan. Wenn gerade keine tierische Nahrung zu finden ist, verschmäht der Wachtelkönig auch Samen und Getreidekörner nicht. Hauptsache satt werden!

Dieses Motto verfolgen auch die Jungvögel. Sie beginnen ab Ende Mai zu schlüpfen, aber aufgrund der vielen Verpaarungen und Gelege können auch im September noch junge Wachtelkönige nachkommen. Sie werden nur kurz von der Mutter mit Futter versorgt und sind schon im Alter von zwei Wochen fähig, sich selbstständig zu ernähren.

So schweigsam Wachtelkönige außerhalb der Brutzeit sind, so ruffreudig werden sie plötzlich zwischen Mai und Juni. Gerade wenn die Nacht hereinbricht, ertönt aus so mancher Wiese ein richtiges Konzert, denn die rufenden Männchen bilden häufig Gruppen. Auf diese Weise locken sie Weibchen an, die über die Wiesen fliegen.

Die IUCN stuft den Wachtelkönig als „nicht gefährdet“ ein, doch hierzu gibt es viele verschiedene Meinungen. Fakt ist, dass die frühe Mahd viele Bruten gewaltsam zerstört. Auf intensiv genutzten Grünflächen ist das Gras ohnehin meist zu kurz für den vorsichtigen Wachtelkönig. Er muss sich tagsüber komplett verstecken können und kommt euch am ehesten in der Dämmerung vor die Linse. Beobachtungen am Tag sind sehr selten, dafür aber umso schöner.

 

Foto: Ron Knight (Lizenz: CC BY 2.0)

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