Wiesenweihe – bodenständiger Bauernschreck

Wiesenweihe – bodenständiger Bauernschreck

„Ein Bett im Kornfeld, das ist immer frei!“ Nach diesem Motto errichtet die Wiesenweihe ihre Nester oft auf Äckern und Feldern. Doch um sie zu beobachten, müsst ihr euch nicht in die Ähren schlagen, denn im April vollführen die männlichen Wiesenweihen ihre halsbrecherischen Balzflüge. Gut sichtbar unter freiem Himmel.

Aussehen

Wiesenweihen können 40 bis 50 cm groß werden, erreichen ausgewachsen allerdings höchstens das Gewicht einer Straßentaube. Es handelt sich also um schlanke, leichte Greifvögel, die ebenso elegant wie schön sind.

Was das Aussehen betrifft, unterscheiden sich Männchen und Weibchen sehr stark voneinander (dieses Phänomen wird auch Geschlechtsdimorphismus genannt). Die adulten Männchen sind silbergrau mit einem bläulichen Schimmer, nur an den langen Flügeln finden sich schwarze Zeichnungen, die Flügelspitzen sind ebenfalls schwarz. Der untere Bauchbereich ist weiß mit rostroten Sprenkeln. Auffällig sind auch die stechenden Augen mit der gelben Iris. Beine und Füße sind bei sitzenden Vögeln gut zu sehen und kräftig orange. Erwachsene Weibchen sind an Kopf, Hals und Rücken einheitlich dunkelbraun, im Kontrast dazu steht der schneeweiße Bürzel. Brust und Bauch sind heller und braun gesprenkelt. Um die Augen findet sich eine weiße Einfassung.

Die Jungvögel sehen den Weibchen ähnlich, allerdings ist ihr Brustbereich rostrot gefärbt. Der Schnabel ist in jedem Alter und Geschlecht schwarz, klein und nach unten gebogen. Im folgenden Video seht ihr einen weiblichen Jungvogel.

Vorkommen

Das Brutgebiet der Wiesenweihe zieht sich durch große Teile Europas, von Portugal über Frankreich und Deutschland bis nach Osteuropa und Mittelsibirien. Auch im Süden Großbritanniens und Schwedens ist sie noch zu finden.

Wiesenweihen sind Langstreckenzieher, Mitte August brechen sie in ihre Überwinterungsgebiete in Asien und Afrika auf. Diese Züge konnten in den letzten Jahren mit Hilfe von Satellitensendern nachverfolgt werden, die zeigten, dass die Vögel ihre Winterquartiere nicht immer gezielt anfliegen, sondern oft noch einige Tage in südlicheren Gebieten Europas verweilen oder gar erst einmal in die „falsche“ Richtung fliegen.

Der Bestand der Wiesenweihe in Deutschland liegt bei etwa 400 Brutpaaren, wobei sich der Großteil in Bayern aufhält. In Brandenburg gibt es ebenfalls erwähnenswerte Bestände, die sich vor allem auf ehemalige Moore und Verlandungszonen konzentrieren. Aber auch im Wietingsmoor in Niedersachsen gibt es immer wieder eine beachtliche Zahl an Wiesenweihennestern, die von den dortigen Vogelschützern aufmerksam beobachtet werden. In Ostfriesland konnten 2015 vier Brutpaare gezählt werden.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Direkt nach ihrer Rückkehr im April beginnen die männlichen Wiesenweihen ihre großartigen Balztänze. Sie schrauben sich in spektakulären Loopings in die Luft oder lassen sich wie Blätter dem Boden entgegentreiben, um Weibchen anzulocken. Dabei geben sie keckernde, laute Rufe von sich.

Die Wiesenweihe ist überzeugter Bodenbrüter und hielt sich früher sehr gern in Mooren, offenen Grünflächen und Feuchtwiesen auf. Das tut sie heute natürlich immer noch, aber diese Landschaftstypen werden in Deutschland aufgrund intensiver Landwirtschaft immer seltener, weshalb Wiesenweihen immer öfter in Wintergetreidefelder ausweichen. Erstmal kein Problem: Einen besseren Sichtschutz könnten sie für ihre Nester kaum bekommen. Doch wenn der Sommer naht, spielen sich auf manchem Feld schreckliche Szenen ab. Denn wenn die Mähdrescher kommen, sind die meisten Jungtiere noch nicht flügge und fallen den Maschinen zum Opfer. Naturschützer helfen, indem sie die Nester finden und den Bereich absperren, damit die Landwirte einen Bogen um das wertvolle Versteck machen. Für den finanziellen Verlust werden sie übrigens in den meisten Fällen vom Staat entschädigt.

Foto: Donald Macauley (Lizenz: CC BY-SA 2.0) / flickr.com

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