Birdrace und Co. – Wettbewerbe für Vogelbeobachtung weltweit

Birdrace und Co. – Wettbewerbe für Vogelbeobachtung weltweit

Vogelbeobachtung als Wettbewerb? Das ist nicht so seltsam wie es klingt. Was dort geprüft wird und welche Wettbewerbe es gibt, verraten wir euch im folgenden Artikel.

Was sind Vogelbeobachtungs-Wettbewerbe?

Wie macht man aus Vogelbeobachtung einen Wettbewerb? Eigentlich fordert Birding so viel Geduld und Ruhe von den Vogelbeobachtern, dass es als Sport schwer vorstellbar ist. Doch der Schein trügt: Vogelbeobachter aus aller Welt veranstalten jedes Jahr unzählige Wettbewerbe für Vogelbeobachtung, immer öfter auch hierzulande. Bei diesen Wettbewerben geht es normalerweise darum, in einem bestimmten Gebiet und Zeitrahmen möglichst viele Vogelarten zu sichten. Offen sind die Wettbewerbe normalerweise für einzelne Vogelbeobachter und Teams mit der passenden Ausrüstung. In den anglo-amerikanischen Ursprungsländern der Vogelbeobachtung nennt man diese Wettbewerbe auch Twitching oder Spotting. Die bisher erfolgreichste Twitcherin der Welt ist übrigens eine gewisse Phoebe Snetsinger, die innerhalb von knapp 30 Jahren unglaubliche 8400 Vogelarten gesichtet hat.

Vogelbeobachtungs-Wettbewerbe in aller Welt

Die meisten und größten Vogelbeobachtungs-Wettbewerbe gibt es in den USA und in Großbritannien. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Wettbewerbs-Arten: Bei einem Big Day geht es darum, innerhalb von 24 Stunden so viele Vogelarten wie möglich zu identifizieren. Ein Big Year bezeichnet dasselbe, auf den Zeitraum eines Jahres ausgedehnt. Im Kontrast dazu ist ein Big Sit oder Big Stay auf einen bestimmten Beobachtungs-Umkreis beschränkt. Big Days werden unter anderem von der amerikanischen Vogelbeobachtungs-Organisation ABA veranstaltet. Diese Wettbewerbe sind mittlerweile derart beliebt, dass sie Titel und Thema eines aktuellen Hollywood-Films stellen. In Großbritannien ist es die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB), welche regelmäßig Vogelbeobachtungs-Wettbewerbe veranstaltet.

Auch der vermutlich berühmteste Vogelbeobachtungs-Wettbewerb, die World Series of Birding, findet in den USA statt. Vogelbeobachter aus aller Welt müssen hier innerhalb von 24 Stunden die Vogelwelt des Staates New Jerseys aufspüren. Gleichzeitig findet dabei eine Spendenaktion für die entdeckten Arten statt.

Vogelbeobachtungs-Wettbewerbe gibt es mittlerweile auch an exotischeren Orten. In Peru zum Beispiel, einem der vogelreichsten Länder überhaupt, wird jedes Jahr die World Birding Rally ausgetragen. Auf einer 1500 Kilometer langen Tour treten hier internationale Vogelbeobachter-Teams gegeneinander an. Außerdem findet in Israel seit kurzem der Wettbewerb Champions of the Flyway statt, ein 24-stündiger Teamwettbewerb, in den auch der euch schon bekannte Ornithologe Yossi Leshem involviert ist.

Birdrace: Vogelbeobachtungs-Wettbewerb in Deutschland

Seit die Birding-Welle aus dem anglo-amerikanischen Raum nach Deutschland geschwappt ist, gibt es auch hier Vogelbeobachtungs-Wettbewerbe. Einer der größten ist das Birdrace, welches jährlich vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) ausgetragen wird. Drei- bis fünfköpfige Teams listen beim Birdrace die Vogelarten eines bestimmten Landkreises. Besondere Unterstützung erhalten junge und CO2-neutrale Teams. Auch das Birdrace ist mit einer Spendenaktion verbunden und wurde bereits von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für seinen Beitrag zum Naturschutz ausgezeichnet. Für das Birdrace im Mai 2014 gab es 791 Teilnehmer aus 214 Teams. Wenn auch ihr Interesse habt, dann meldet euch ab 4. April 2015 beim DDA an.

Das Birdrace gibt es übrigens auch in Österreich, in der Schweiz und in Spanien.

Kritik an den Wettbewerben

Geht es bei solchen groß angelegten Vogelbeobachtungs-Wettbewerben überhaupt noch um den Naturschutz? Manche Umweltschützer bezweifeln das. Sicherlich muss bei allem Wettbewerbsgeist immer noch das Wohlergehen der Tiere im Vordergrund stehen. Solange das aber gesichert ist, ist gegen Vogelbeobachtungs-Wettbewerbe wie das Birdrace nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Aktionen wie diese bringen mehr Öffentlichkeit für die Vogelbeobachtung und den Naturschutz.

>> Das nächste Jahr soll auch euer Big Year werden? Dann nutzt doch diese praktische Artenliste zum Abhaken von der Website BirdingGermany!

Foto: Nicole Barker (Lizenz: CC BY-SA 2.0) / flickr.com

Diesen Artikel empfehlen

Diskutieren Sie über diesen Artikel