Vogelfotografie – Bildkomposition und Flugfotos

Vogelfotografie – Bildkomposition und Flugfotos

In der Vogelfotografie sind Sekundenbruchteile entscheidend. Die Motive laufen hin und her, schütteln die Flügel, fliegen auf. Da bleibt für eine gemütliche Bildeinstellung oft keine Zeit. Wie euch trotzdem tolle Bilder gelingen und was ein gutes Flugfoto ausmacht, lest ihr hier.

Vor einiger Zeit haben wir fünf grundlegende Tipps zur Vogelfotografie zusammengestellt. Das Wichtigste noch einmal: Eine hochwertige Ausrüstung ist für gute Vogelbilder natürlich notwendig, aber ebenso wichtig ist Grundwissen über den Vogel, den ihr ablichten wollt. Schließlich nützt es nichts, mit teurer Kamera und Riesen-Objektiv unterwegs zu sein, aber im völlig falschen Gebiet.

Ihr solltet also Lebensraum, Brutzeit, Nahrung und das allgemeine Verhalten eures Vogels kennen. Im Beobachtungsgebiet selbst ist es äußerst wichtig, Naturschutzbestimmungen einzuhalten und nicht von den vorgegebenen Wegen abzuweichen! Ihr solltet euch natürlich möglichst leise und unauffällig verhalten, um die Vögel nicht zu verscheuchen. Habt ihr den idealen Platz gefunden, euer Stativ und vielleicht ein Tarnzelt aufgebaut, heißt es: Warten! Geduld ist in der Vogelfotografie unerlässlich.

Harmonische Komposition

In diesem Artikel wollen wir uns etwas mehr mit dem Moment der eigentlichen Aufnahme beschäftigen. Es ist nicht immer von Vorteil, den Vogel exakt in die Mitte des Bildes zu rücken, das wirkt schnell künstlich. Grundsätzlich ist es ratsam, rund um das Motiv ausreichend Platz zu lassen. So können später noch Abzüge mit anderen Maßen gemacht oder das Bild am Computer zugeschnitten werden. Schaut ein Vogel in eine bestimmte Richtung oder will er dorthin losfliegen, lohnt es sich, in diese Richtung mehr Platz zu lassen. Schaut der Vogel also zum Beispiel nach links, rückt ihr ihn am besten in die rechte Bildhälfte.

Licht und Hintergrund

Außerdem wichtig für die Bildkomposition: Licht und Hintergrund. Ein beschatteter Vogel vor einem lichtdurchfluteten Hintergrund zur Mittagszeit kann ein frustrierendes Motiv sein. Viel leichter fällt ein Foto im zarten Licht der Morgen- und Abendstunden, wenn der Wind nicht mehr so stark ist (und zum Beispiel atmosphärische Spiegelbilder im Wasser zulässt). Gegenlicht wiederum ist nicht immer gleich ein Grund zum Aufgeben. In dieser Stimmung entstehen meist die schönsten Schattenrisse vor warmen Farbhintergründen.

Womit wir schon beim nächsten Thema wären. Der Hintergrund kann ein Foto entschieden aufwerten, aber auch schnell zum ärgerlichen Störfaktor werden. Ideal sind warme, natürliche Farben, die hinter dem anvisierten Vogel weich ineinander übergehen. Oft befinden sich aber störende Pflanzen oder Äste im Hintergrund, die den Blick des Betrachters auf sich lenken. In diesem Fall kann es ratsam sein, nach ein paar Aufnahmen den Standort zu wechseln. Das funktioniert bei der Handfotografie allerdings besser als mit einem Stativ oder Tarnzelt.

Herausforderung Flugbild

Flugbilder gehören zur hohen Schule der Vogelfotografie. Das Motiv bewegt sich ununterbrochen und muss mit der Kamera verfolgt werden. Hier hilft euch meist kein Stativ, ihr müsst die Kamera mitziehen und den Vogel möglichst immer im Fokus behalten. Folgende Einstellungen können bei Flugbildern nützlich sein:

  • Kontinuierlichen Autofokus mit Auslösepriorität (AF-C) einstellen. Der Autofokus kann so auch sich schnell bewegenden Zielen gut folgen und sie scharf stellen.
  • Entferungsbereich am Objektiv anpassen. Zum Beispiel auf „10 Meter bis unendlich“ einstellen, damit das Objektiv auch und vor allem weit entfernte Objekte fokussiert.
  • Auf kurze Verschlusszeiten achten. So können die Flügelbewegungen möglichst genau eingefangen werden, ohne „Wischeffekte“.
  • Serienbild-Modus einstellen. Er sorgt für eine große Auswahl an Fotos. Achtet darauf, dass eure Speicherkarte schnell genug ist.

Übrigens solltet ihr im Hinterkopf behalten, dass sich größere Ziele immer besser fotografieren lassen als kleine. Versucht euch also zunächst an majestätisch segelnden Greifvögeln, bevor ihr die Lufteskapaden von Mauerseglern oder Wanderfalken festhaltet. Und lasst euch von Misserfolgen nicht entmutigen! Vogelfotografie lebt von Ausrüstung, Artenkenntnis – aber vor allem viel Geduld und Übung. Und wenn ihr dann ein einzigartiges Foto, eine kostbare Sekunde in Bildform auf der Speicherkarte habt, war das die Wartezeit wert. Versprochen.

  • Persönliche Erfahrungen zum Thema Vogelfotografie hat zum Beispiel Patrick Pohlmann auf seinem Blog veröffentlicht.
  • Wollt ihr euch erst einmal im eigenen Garten als Vogelfotografen ausprobieren, findet ihr beim LBV passende Tipps.

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1 Kommentar

  1. Andreas 11. Juli 2017 um 21:56

    Hallo zusammen! Das sind wertvolle Tips wie ich finde. Gerade wenn man ganz am Anfang ist. Ich habe zum Beispiel mit einem Telobjektiv ohne Bildstabilisator angefangen – ohne Stativ. Ich wollte soviel und bekam so wenig gute Aufnahmen. Aber mit der Zeit hat sich nicht nur mein Sinn für einen guten Bildausschnitt sondern dann auch die Ausrüstung verbessert. Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten – die Bilder wurden besser. Gerade der Serienbild-Modus ist ein wertvoller Hinweis.

    Weiterhin gute Bilder, schöner Artikel! Andreas

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