Misteldrossel – die Beeren-Liebhaberin

Misteldrossel – die Beeren-Liebhaberin

Ihrer Vorliebe für die klebrigen Beeren der Mistel verdankt die Misteldrossel ihren Namen. Im Winter verteidigt sie die Mistel tragenden Bäume sogar vehement gegen Artgenossen.

Aussehen

Auch wenn die aus der Drossel-Familie verwandte Singdrossel bekannter ist, gegen die Größe der Misteldrossel kommt sie nicht an: Mit bis zu 28 Zentimetern hat sie den 22 Zentimetern der Singdrossel Einiges voraus. Das Gefieder der Misteldrossel ist an der Oberseite graubraun, die Unterseite besticht durch eine weiße Färbung mit dunkelbraunen Flecken. Auch die Unterflügel sind weiß gefärbt. Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht in der Farbe.

Ihrem Namen gerecht werdend, gehören die Früchte der Mistel zur Leibspeise der Misteldrossel. Der Vogel trägt die Kerne der weißen, klebrigen Beeren mit seinem Kot von einem Baum zum nächsten. Begünstigt durch den Verdauungseffekt setzt der Halbschmarotzer an Obstbäumen, Eichen und anderen Laubgehölzen an und beschert uns den zu Weihnachten beliebten Mistelzweig. Auch andere Beeren, Obst, Weichtiere, Insekten und Insektenlarven finden den Weg auf den Speiseplan der Misteldrossel.

Vorkommen

Über Europa und Nordwestafrika, die Hochgebirge Vorderasiens und über Westsibirien bis zum Baikalsee verteilen sich die Angehörige dieser Drosselart. In ihrem Zugverhalten sind sich die Tiere nicht ganz einig: Viele suchen wärmere Gefilde auf und überwintern etwa im nahen Südfrankreich; andere bleiben ihrer angestammten Brutheimat treu und ziehen über die Wintermonate nicht fort.

Bereits im Februar kehren die ersten Vögel von ihrer Winterreise zurück und begründen ihr Revier zur nahenden Balz. Auf steigende Temperaturen reagieren sie viel schneller als Amsel oder Singdrossel. In lichten, hochstämmigen Wäldern und parkartigen Landschaften mit Gehölzen, Alleen und Hecken fühlt sich die Misteldrossel heimisch. Ihr Nest baut sie in den Astgabeln hoch oben in den Bäumen, in dem sie in der Regel vier bis sechs Eier bebrütet. Die zeitige Paarbildung setzt den jungen Nachwuchs einer großen Gefahr aus: Im Gegensatz zu den Altvögeln sind sie für tiefe Temperaturen und starke Schneefälle noch nicht gewappnet. Verluste im Gelege sind nicht selten.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Dank ihrer zeitigen Rückkehr erfreuen sich heimische Vogelbeobachter schon früh im Jahr an dem klaren, flötenden Gesang der Misteldrossel. Als erste Stimme im Vogelkonzert läutet sie den Vorfrühling ein. Selbst vom allgegenwärtigen Amselgesang hebt sie sich ab: Ihr schwermütig klagender Gesang weist kaum Schwankungen in der Tonhöhe auf. Von den Spitzen hoher Bäume in Wäldern und Parkanlagen trägt die Misteldrossel ihre Strophen vor. Halten Sie also bereits im Februar Augen und Ohren offen!

Foto: © Edwyn Anderton / flickr.com (CC Lizenz)

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