Federbälle im Schnee –
So überleben Vögel den Winter

Federbälle im Schnee –<br/> So überleben Vögel den Winter

Ganz klar: Wenn es draußen frostig wird, ziehen wir uns ins gemütliche Wohnzimmer zurück. Aber was tun Meisen, Amseln und Rotkehlchen, um der Kälte zu trotzen?

Wie überleben Vögel den Winter? – Federkugeln und Vogelfüße

Meisen, Finken und Sperlinge begegnen uns in der winterlichen Vogelwelt recht häufig. Aber auch Rotkehlchen, Heckenbraunellen, Amseln, Wacholderdrosseln oder Zaunkönige bleiben bei uns. Sie alle haben etwas gemeinsam, wenn es um die Kälte geht. Vögel sind nämlich gleichwarme Tiere (genau wie wir Menschen) und müssen daher ihre Körpertemperatur aufrechterhalten. Die liegt normalerweise bei 38 bis 42 Grad Celsius. Um sich so warm zu halten, plustern die Vögel ihr Gefieder auf, bis sie wie kleine Federkugeln aussehen. Auf diese Weise können sie warme Luft zwischen den Federschichten speichern. Außerdem verringern sie mithilfe der Kugelform ihre Körperoberfläche, so dass weniger Wärme verlorengeht.

Die aufmerksamen Beobachter unter euch werden jetzt fragen, wie das mit den Vogelbeinen funktioniert. Diese sind schließlich nicht von Federn bedeckt. Hier wenden die Vögel aber ein raffiniertes Wärmetauschsystem an. Die Blutgefäße in den Beinen liegen sehr nah beieinander. Deshalb kann das warme Blut, das gerade vom Körper kommt, seine Wärme an das kalte Blut in den Füßen abgeben. So wird die Temperatur immer wieder ausgeglichen.

Ein weiterer Trick: Vögel können richtige Sonnenbäder nehmen. Denn die dunklen Stellen ihres Gefieders nehmen etwa 80 Prozent der Sonnenwärme in den Körper auf, statt sie zu reflektieren. Und wenn die Kälte mal richtig extrem wird, können Vögel auch in eine Art Starre verfallen. In diesem Zustand fahren sie ihren Stoffwechsel herunter und verbrauchen so weniger Energie.

Wie überleben Vögel den Winter? – Vegetarier und Teilzieher

Manche Arten wie Meisen oder Kleiber, die sich im Sommer von Insekten ernähren, müssen sich im Winter umgewöhnen. Sie nehmen in der kalten Jahreszeit vor allem Samen, Nüsse und Körner zu sich. Die enthalten viel Fett und sind damit eine gute Energiequelle. Auch die Beeren und Früchte, die im Herbst an den Bäumen und Büschen gewachsen sind, kommen jetzt zum Einsatz. Manche Vögel (zum Beispiel Eichelhäher oder Sumpfmeisen) machen es wie die Eichhörnchen und legen Nahrungsspeicher an. Da werden Eicheln im Boden verscharrt oder Samen in die Ritzen der Baumrinde gesteckt. Hauptsache, man findet am Ende alles wieder!

Nun gibt es beim Vogelzug ja nicht nur die Standvögel und die Langstreckenzieher. Manche wählen den Mittelweg und ziehen nur kleine Strecken, um schlechtem Wetter und Minusgraden auszuweichen. Dazu gehören zum Beispiel Enten, Meisen und Finken. Durch die Erderwärmung ziehen manche Arten wiederum immer kürzere Strecken oder werden gar zu Standvögeln. So macher Kranich überwintert bereits in Frankreich und spart sich den Weg nach Südspanien. Und Hausrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Singdrossel, Zilpzalp und andere Zugvögel machen sich teilweise schon gar nicht mehr auf den Weg.

Wie überleben Vögel den Winter? – Es lebe die Stadt!

Im Winter zieht es so manchen Vogel in unsere nächste Nähe. Klar, in der Stadt ist es immer ein paar Grad wärmer als im Umland, die Gewässer frieren nicht so schnell zu und Futter gibt es auch. Der richtigen Winterfütterung haben wir übrigens schon einen Artikel gewidmet. Im Hamburg wurden Berghänflinge aus Norwegen beobachtet, die es sich jeden Winter in der Fassade des Rathauses gemütlich machen. Und auch unsere Enten und Amseln vom Land kommen gern in die Städte. Spätestens, wenn dann am Silvesterabend die Raketen losböllern, dürfte aber so mancher Vogel wieder die Flucht ergreifen.

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