Vogel des Jahres 2020: Die Turteltaube

Vogel des Jahres 2020: Die Turteltaube

Die Turteltaube ist Vogel des Jahres 2020. Hier erfahrt ihr, was die elegante Fernreisende auszeichnet und warum sie so stark gefährdet ist.

Jetzt wird geturtelt

Habt ihr schon mal Turteltauben gesehen? Nein, wir meinen keine frisch verliebten Pärchen, sondern die Vogelart. Sie ist eine von vier Taubenarten, die wild in Deutschland leben – und außerdem die kleinste und seltenste. Ihr wissenschaftlicher Name lautet „Streptopelia turtur“. Der berühmte Naturforscher Carl von Linné gab ihr diesen Namen wegen ihres monotonen „turr turr turr“-Rufes. Sie wird etwa 26 Zentimeter groß und hat eine schwarz-weiße Zeichnung am Hals, die ein bisschen an Kiemen erinnert. Ihre Flügel sind schuppenartig braun und schwarz gefleckt.

Bei ihrem Verhalten ist es kein Wunder, dass die Turteltauben mit der Liebe in Verbindung gebracht werden. Zur Balz berühren sich die Partner gegenseitig zärtlich am Hals und am Schnabel. Häufig schließen sie dabei die Augen und lassen einen sanften Gesang ertönen. Und: Viele Paare bleiben ein Leben lang zusammen.

Vom Alltagsphänomen zur Seltenheit

Die anmutigen Vögel waren bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts weit verbreitet, auch in Mittel- und Süddeutschland. Dann ging der Bestand Schritt für Schritt zurück, erst schleichend, doch mittlerweile ist es nicht mehr von der Hand zu weisen: Die Turteltauben verschwinden. Mittlerweile ist klar, dass wir es in Deutschland mit einem Rückgang von knapp 90 Prozent zu tun haben – seit 1980. Deshalb wurde die Art auf der Roten Liste der bedrohten Vogelarten in Deutschland in die Kategorie „stark gefährdet“ hochgestuft. Großbritannien meldet einen Rückgang von 93 Prozent zwischen 1970 und 2010.

Angesichts dieser traurigen Bilanz wurde die Turteltaube zum Vogel des Jahres 2020 erklärt. Es ist Zeit, dass wir ihren Lebensbedingungen und den Problemen, mit denen sie zu kämpfen hat, mehr Aufmerksamkeit schenken. Und das kommt nicht nur der kleinen Taube zugute, denn was sie belastet, macht auch vielen anderen Vögeln das Leben schwer.

Vogel des Jahres 2020: Auf Futtersuche

Ihre Brutgebiete hat die Turteltaube in Europa, Asien und Nordafrika. Als Zugvogel legt sie jedes Jahr viele Kilometer zurück und steuert die Sahara an, um dort den Winter zu verbringen. Das heißt, dass sie nicht nur von Missständen in ihrem Brutgebiet betroffen ist. Stattdessen begegnen ihr überall Probleme, unterwegs und auch im Winterquartier. Eines davon heißt Nahrungsknappheit.

Die Turteltaube ist Vegetarierin, sie ernährt sich von Samen und Körnern. Die Samen stammen oft von Wildkräutern wie Klee, Vogelwicke, Erdrauch, Wolfsmilch und Leimkraut. Für solche Pflanzen ist aber auf modernen Feldern kein Platz. Die intensive Landwirtschaft lässt keine Brachen und Ackersäume, auf denen die Kräuter wachsen könnten. Was doch wächst, wird häufig mit Herbiziden ausgerottet. Deshalb fressen viele Turteltauben nun Sonnenblumenkerne, Raps- und Weizensamen. Doch die stehen nur für kurze Zeit zur Verfügung und können den Nahrungsmangel nicht ausgleichen.

Vogel des Jahres 2020: Lebensraum gesucht

Auch die Lebensräume der zarten Taube schrumpfen immer mehr. Sie liebt kleine Gewässer, Feldgehölze und Auwälder mit reichlich Wasser in der Nähe. Solche Strukturen werden aber immer seltener. Ältere Menschen können noch erzählen, dass man das Gurren der Turteltaube früher an jedem Waldrand und an jeder Lichtung hören konnte. Auch die Flussufer und Wasserstellen aller Art waren gute Beobachtungsstellen, weil Turteltauben sehr regelmäßig trinken müssen. Doch die bunte Abwechslung aus Wald, Ackersaum und Bach ist in unserer heutigen Landschaft kaum noch zu finden.

Vogel des Jahres 2020: Unrechtmäßig gejagt

Ein dritter Faktor, der die Bestände zurückgehen lässt, ist die Jagd. In zehn EU-Ländern dürfen Turteltauben noch legal geschossen werden. Dabei legt die EU-Vogelschutzrichtlinie fest, dass nicht mehr gejagt werden darf, sobald eine Art gefährdet ist. Jedes Jahr sterben rund zwei Millionen Turteltauben in der EU, die meisten in Griechenland, Spanien und Italien. Der NABU sammelt Unterschriften, damit die Jagd auf Turteltauben eingestellt wird. Auf den Seiten des NABU findet ihr eine Zusammenstellung weiterer Projekte, die dem Vogel des Jahres helfen sollen.

 

Foto: Tórtola común (Streptopelia turtur) (CC BY-SA 2.0)

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