Rohrammer – Wer schimpft denn da?

Rohrammer – Wer schimpft denn da?

Die Rohrammer ist ein Vogel der Feuchtgebiete und Gewässer, der sich vor allem über seinen Gesang einen Namen gemacht hat.

Aussehen

Rohrammern sind zarte Vögel mit einer Körpergröße von etwa 16 Zentimetern. Männchen fallen vor allem in ihrem sommerlichen Prachtkleid auf. Sie tragen dann ein breites, weißes Nackenband am schwarzen Kopf, das durch weiße Bartstreifen ergänzt wird. Die Kehle ist schwarz und setzt sich deutlich von der weißen Unterseite ab. Am Rücken sind die Männchen braun-schwarz gestreift, der Bürzel ist eher grau.

Weibchen sind im Prachtkleid nicht so kontrastreich gefärbt, tragen aber ebenfalls einen hellen Nackenring und Bartstreifen am bräunlichen Kopf.

Wenn sich die Vögel im Herbst mausern, kommt das Winterfederkleid mit grauen Federsäumen zum Vorschein. Diese Säume werden mit der Zeit abgenutzt, so dass pünktlich zur nächsten Brutzeit wieder das Prachtkleid zum Vorschein kommt. Praktisch, oder?

Vorkommen

Es gibt verschiedene Unterarten der Rohrammer. In Deutschland werdet ihr aber vor allem der Nominatform („schoeniclus“) begegnen, die sich durch den recht dünnen Schnabel auszeichnet. In Europa sind Rohrammern in fast allen Ländern verbreitet, lediglich auf Island fehlen sie. Im Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis nach Japan und Kamtschatka, im Süden wird es durch Israel, den Irak, Nordiran und Mittelasien begrenzt.

Unsere Rohrammern sind Teilzieher. Das heißt, einige von ihnen bleiben über den Winter bei uns, andere brechen im Oktober und November in den Mittelmeerraum auf.

Rohrammern könnt ihr vor allem in Feuchtgebieten und an Gewässern begegnen. Am liebsten verbergen sie sich in Dickichten aus Röhricht (daher der erste Teil des Namens) oder Schilf, aber auch Büsche an Gewässern sowie bewachsene Sumpfwiesen sind gefragt.

Verhalten und Wissenswertes

Sicher kennt ihr die Redewendung „Schimpfen wie ein Rohrspatz“. Das ist nämlich der Zweitname der Rohrammer. Mit ihrem lauten, aber recht monotonen Gezwitscher kann sie schon mal ziemlich aufgebracht klingen. Wenn diese hektischen Rufe früher aus dem Dickicht eines Gewässers drangen, konnten sie einen Jäger durchaus bei der Arbeit stören. Heute schimpft jemand „wie ein Rohrspatz“, der sich laut und wortgewaltig aufregt. Häufig hält sich die Rohrammer mit den Krallen schräg an einem Halm fest, spreizt den Schwanz und lässt ihren durchdringenden Ruf ertönen.

Auf Weiden und im Grasland suchen die Rohrammern den Boden nach Grassamen und anderer Nahrung ab. In der Brutzeit wird tierische Nahrung wichtig, dann sind eher Würmer, Schnecken und kleine Insekten gefragt.

Das Liebesspiel der Rohrammern ist eher rau als zärtlich: in wilden Verfolgungsjagden und Balgereien zwischen Männchen und Weibchen wird gebalzt, bis sich ein Paar gefunden hat. Das Nest ähnelt einem Napf und wird am Rande von Schilfflächen oder in Ufergebüschen versteckt. Das Weibchen baut sein Nest allein und kümmert sich auch um die Brut, während es vom Männchen betreut wird. Nähert sich ein Fressfeind, wenden die Rohrammern einen Trick an: ein Elternteil tut so, als wäre es flügellahm und schleppt sich über den Boden, weg vom Nest. Dieses Ablenken des Feindes wird auch „verleiten“ genannt.

 

Foto: Luciano 95 (Lizenz: CC BY 2.0)

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