Steinkauz – Keine Hipster-Eule

Steinkauz – Keine Hipster-Eule

Eulen sind angesagt. Die glubschäugigen Vögel schmücken derzeit alles von Smartphone-Hüllen über Mützen bis hin zu Schmuck. Hat auch der Steinkauz, diese kleine, unscheinbare Eule, das Zeug zum Hipster-Tier? Wir finden es heraus in unserem Steinkauz-Steckbrief.

Aussehen

Der Steinkauz ist eine kleine, kurzschwänzige Eule mit sepia-braunem Gefieder. Die braunen Federn sind von helleren weißen Flecken durchbrochen, auf der Unterseite der Armschwingen bilden dunkelbraune Flecken fünf bis sechs Querbinden. Der Steinkauz wird nur etwa 23 Zentimeter groß und somit nicht größer als eine Drossel. Der flache Kopf und die dick umrandeten, gelben Augen verleihen der kleinen Eule ein nachdenkliches Aussehen. Vielleicht liegt es daran, dass der Steinkauz in der griechischen Mythologie als Vogel der Weisheitsgöttin Athene gilt. Daher stammt auch der lateinische Name des Steinkauz, athene noctua, also „nächtliche Athene“. Vielleicht erinnern sich manche von euch auch an die daran angelehnte mechanische Eule in der Sagenverfilmung „Kampf der Titanen“ aus den 80ern. Damals wie heute ist der Steinkauz auf den griechischen Münzen verewigt.

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Steinkauzes erstreckt sich fast über ganz Eurasien und Nordafrika. Sein bevorzugter Lebensraum ist die Baumsteppe mit spärlicher oder niedriger Vegetation. Dringend braucht er Hohlräume in Bäumen oder ähnliche Plätze, die er als Bruthöhle nutzen kann. Da dieser Lebensraum nach und nach verschwindet, ist der Bestand des Steinkauzes in Deutschland stark gefährdet. Derzeit leben hier etwa 6000 bis 7000 Brutpaare, mehr als die Hälfte davon in Nordrhein-Westfalen, z.B. am Niederrhein und im Münsterland. Eine weitere Population findet man in Schleswig-Holstein. Neben dem schwindenden Lebensraum ist der Steinkauz auch von einigen Fressfeinden wie anderen Eulen, Mardern und streunenden Hauskatzen gefährdet.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Der Steinkauz ist leichter zu beobachten als die meisten anderen Eulen. Das liegt auch daran, dass er teils nah am Menschen in Parks, Dörfern oder Steinbrüchen, manchmal sogar in Scheunen, Kapellen und Weinkellern brütet. Am aktivsten ist der Steinkauz kurz nach Sonnenuntergang und kurz vor Sonnenaufgang, besonders bei Vollmond.

Ein Glück für Vogelbeobachter ist es, dass der Steinkauz nicht zu den lautlosen Jägern der Nacht zählt. Gerade beim Anflug ist die kleine Eule aus entsprechender Nähe gut für den Menschen zu hören. Zudem fliegt sie meist nah am Erdboden. Der Erde noch näher kommt der Steinkauz bei der Jagd zu Fuß. Erstaunlicherweise kann der flinke Vogel dabei sogar eine flüchtende Feldmaus erlegen. Noch besser zu beobachten ist der Steinkauz, wenn er tagsüber auf Schornsteinen, Masten, Zäunen und anderen Vorsprüngen ruht. Aufgeplustert kugelförmig sitzt er dann da und beäugt den menschlichen Vogelbeobachter mit ruckhaften Bewegungen.

Ein komischer Kauz ist die zurückgezogene Eule vielleicht schon, mit ihrer skurrilen Jagdtechnik, ihrem exzentrischen Aussehen und ihrem melancholischem Gesang (ein lang gezogenes guhg oder guuig). Das alles macht sie aber interessanter als jede verblasste Hipster-Eule.

Foto: © Gary Robinson / pixelio.de

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