Zwergschnäpper – Winziger Rothals

Zwergschnäpper – Winziger Rothals

Zwergschnäpper besiedeln einen weiten Lebensraum und erfüllen die verschiedensten Wälder mit ihrem wohlklingenden Gesang. Manchmal sorgt die orange-rote Brust der Männchen für Verwechslungen mit dem Rotkehlchen.

Aussehen

Der Zwergschnäpper gehört zur Familie der Fliegenschnäpper und ist mit gut 11 Zentimetern Körpergröße einer der kleinsten Vertreter. Männchen ab dem zweiten Lebensjahr kann man leicht mit dem Rotkehlchen verwechseln. Sie haben nämlich eine rötlich-orangefarbene Kehle und einen grauen Kopf; der Rücken ist matt braun und die Unterseite hell mit einem leichten Anflug von Gelb. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist die Färbung des Schwanzes. Dieser ist grundsätzlich schwarz, hat aber eine weiße Wurzel.

Jüngere Männchen sowie Weibchen haben keine orangefarbene Brust und sind insgesamt blasser gefärbt als die Männchen im Prachtkleid. Die Schwanzzeichnung ist jedoch unabhängig von Alter und Geschlecht immer erkennbar. Außerdem fallen bei dieser Art die relativ großen, dunklen Augen auf, welche von einem hellen Ring betont werden.

Um Verwechslungen mit dem Rotkehlchen zu vermeiden, könnt ihr euch merken, dass die rote Farbe beim Zwergschnäpper meist auf die Kehle beschränkt ist. Beim Rotkehlchen dagegen ist auch das Gesicht und die Brust so auffällig gefärbt.

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet nimmt in Mittel- beziehungsweise Osteuropa seinen Anfang und zieht sich in einem breiten Gürtel durch Russland bis an die Pazifikküste. Nordwärts erreicht das Brutgebiet teilweise sogar den Polarkreis, im Süden wird es vom mittleren Balkan und den Ostkarpaten begrenzt. In Finnland ist der Zwergschnäpper ein recht häufiger Brutvogel, in Dänemark wiederum wird er nur hin und wieder beobachtet. In Deutschland finden sich die stärksten Bestände im Osten, nah an der Grenze zu Polen.

Da sich unsere Vögel der Woche in so vielen Regionen wohlfühlen, sind auch ihre Lebensräume vielfältig. Meist handelt es sich jedoch um relativ dichte Wälder mit alten, hohen Bäumen. Laubmischwälder kommen dabei ebenso in Betracht wie alte Eichenbestände, Buchenwälder oder auch die nordrussische Fichtentaiga. Dabei muss der Wald keinesfalls besonders ordentlich sein, sondern kann auch einen gewissen Anteil an beschädigten oder toten Bäumen enthalten. Auch ein Flusslauf oder andere Gewässer in der Nähe locken Zwergschnäpper an.

Verhalten und Wissenswertes

An seinem lauten, weit in die Ferne tönenden Reviergesang kann man einen Zwergschnäpper meist gut erkennen. Das singende Männchen sucht sich für den Vortrag einen unbelaubten Ast in der Mitte eines Baumstammes, der dann als Singwarte dient. Die Strophen können sehr unterschiedlich klingen, werden aber fast immer durch leise, etwas unterdrückt klingende „ziiit!“-Laute eingeleitet.

Zur Nahrungssuche inspizieren Zwergschnäpper oft die Ränder und Unterseiten von Blättern oder sie schnappen ihre Beute bei kurzen Jagdflügen aus der Luft. Auf dem Speisezettel stehen vor allem Insekten wie Ameisen, kleine Käfer, verschiedene Fliegen, Schmetterlinge und kleine Spinnentiere.

Nach ihrer Ankunft im Brutgebiet verlieren die Männchen keine Zeit und besetzen so schnell wie möglich ein Revier. Die ansonsten eher zurückhaltenden Vögel werden dann zu regelrechten Schreihälsen und versuchen, sich gegenseitig mit ihrem Gesang in den Schatten zu stellen. Zeigt sich ein Weibchen im Revier, vergisst das Männchen seine Rivalen und zeigt der potenziellen Braut geeignete Niststellen. Dazu gehören bei den Zwergschnäppern kleine Lücken und Nischen in Baumstämmen sowie alte Nisthöhlen anderer Arten. Seltener werden auch freistehende Nester in Astgabeln oder Felsspalten gefunden.

Das Männchen schafft in den ersten Tagen vor allem Nistmaterial heran, um den tatsächlichen Bau kümmert sich das Weibchen. Sie übernimmt auch die Brut und bekommt dabei Futter vom Männchen, welches sich ganz schön ins Zeug legen muss und zwei bis drei Mal in der Stunde ein Menü vorbeibringt. Nach etwa 15 Tagen schlüpfen die Jungen und werden zunächst gemeinsam mit ihrer Mutter vom Vater versorgt. Später füttern beide Eltern, bis die Kleinen nach weiteren 16 Tagen flügge werden und die Umgebung erkunden.

Beitragsbild: Francesco Veronesi (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

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