Konkurrenz im Luftraum: Drohnen vs. Vögel

Konkurrenz im Luftraum: Drohnen vs. Vögel

Am Boden mussten Vögel schon große Teile ihres Lebensraums aufgeben, nun bekommen sie auch in der Luft Konkurrenz. Denn: Drohnen werden immer beliebter und nehmen zahlenmäßig zu.

Das seltsame Ding reflektiert das Sonnenlicht, während es mit leisem Surren durch die Luft fliegt. Die Weißstörche haben es schon längst bemerkt und sind alarmiert, sie warten aber noch ab. Das Fluggerät nähert sich ihnen von oben, es scheint einen ganz bestimmten Storch ins Visier zu nehmen. Gerade, als die Vögel ihrem Fluchtimpuls nachgeben wollen, dreht das Ding wieder ab und fliegt über den angrenzenden Wald davon. Glück gehabt! Langsam entspannen sich die Störche wieder.

Elektronische Vielflieger

Solche Situationen könnten bald zum Regelfall werden. Drohnen sind nicht mehr nur eine Spielerei für Hobbypiloten, sondern kommen in vielen Bereichen des Alltags zum Einsatz. Gerade für Versand und Logistik könnten sie eine kleine Revolution bedeuten. Und auch Fotografen und Forscher steuern die kleinen Flugkörper an Orte, die sie selbst kaum erreichen könnten.

So haben sie zum Beispiel die Möglichkeit, verlassene Adlerhorste zu kontrollieren oder große Seevogelkolonien zu überwachen. Drohnen können also durchaus ein wertvoller Bestandteil des Naturschutzes sein – bei richtigem Gebrauch. Bisher unterschätzen die meisten Menschen leider die Wirkung, die solche fremden Fluggeräte auf Vögel haben können.

Freund oder Feind?

Anders als wir können Tiere nicht einschätzen, wie viel Gefahr von einer anfliegenden Drohne ausgeht. Bei einem Experiment mit Schwarzbären stellten amerikanische Forscher fest, dass sich ihre Herzfrequenz angesichts einer Drohne stark erhöhte. Auch wenn sie also nach außen hin keine Reaktion zeigten – innerlich litten sie unter starkem Stress.

Solche „ausbleibenden“ Reaktionen können auch bei Vögeln problematisch sein. Brütende oder eiertragende Weibchen zum Beispiel zögern die Flucht möglichst weit hinaus. Schließlich wollen sie ihren Nachwuchs weder verlassen noch gefährden. Ein unerfahrener Drohnen-Pilot könnte das mit Zutraulichkeit verwechseln und noch näher heranfliegen – mit möglicherweise schlimmen Folgen. Brütende Greifvögel reagierten oft aggressiv auf Drohnen, weil sie sich und ihre Familie bedroht sahen.

Erst denken, dann steuern

Solche Konflikte zwischen Vögeln und Drohnen lassen sich vermeiden, wenn die Piloten ein paar Regeln beachten. Die wichtigste erklärt sich eigentlich von selbst: Vertikal anfliegende Drohnen werden von Vögeln eher als Bedrohung wahrgenommen als solche, die sich horizontal nähern. Das liegt daran, dass sie steil anfliegende Drohnen für einen angreifenden Prädator halten, beispielsweise einen jagenden Greifvogel. Wer sich also mit einer Drohne Vögeln (oder anderen Tieren) nähern will, sollte sie indirekt, horizontal und vor allem behutsam anfliegen lassen. Auch die folgenden Regeln sollten unbedingt eingehalten werden:

  • Die Drohne nicht in der Nähe von Vögeln starten oder landen.
  • Keine plötzlichen Richtungswechsel in der Nähe von Vögeln fliegen.
  • Vögel nie direkt anfliegen.
  • Bei Reaktionen von Vögeln (egal welcher Art) sofort umkehren und die Drohne entfernen.
  • Keine Flüge zu Brutplätzen unternehmen.
  • Zu Naturschutzgebieten mindestens 200 Meter Abstand halten.

In diesem Video wird schnell klar, wie sehr ein direkter und aggressiver Anflug Vögel stresst:

Noch mehr Informationen zu Drohnen und ihrem vogelfreundlichen Einsatz findet ihr zum Beispiel auf den Seiten der Schweizerischen Vogelwarte.

In der Drohnenverordnung der Bundesregierung findet ihr alle Vorgaben zum Umgang mit Drohnen.

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