Der Fahlkauz-Komplex

Alexandra Huth 11. November 2015 Keine Kommentare zu Der Fahlkauz-Komplex
Der Fahlkauz-Komplex

In den kargen Felswüsten des Nahen Ostens können schon seit längerer Zeit seltsame Prozessionen beobachtet werden. Es handelt sich um Touristen, die den seltenen Fahlkauz zu Gesicht bekommen wollen. Doch ein genetisches Rätsel wirft jetzt die Frage auf, ob es sich bei dem geheimnisvollen Vogel wirklich um die Art „Fahlkauz“ handelt.

Der Fahlkauz wird auch „Hume’s Tawny Owl“ genannt, denn der schottische Ornithologe Allan O. Hume beschrieb die kleine, cremefarbene Eule bereits 1878. Im heutigen Pakistan erhielt Hume ein Exemplar von seinem Freund Offizier Butler und nannte den Vogel ihm zu Ehren Strix butleri. Da Hume in Pakistan auf den Fahlkauz gestoßen war, nahm er automatisch an, dass dieser seinen Lebensraum im Nahen und Mittleren Osten hat. Doch damals florierten die Handelswege, die kreuz und quer über den Golf von Oman führten. Und die Spur, die das Fahlkauz-Exemplar zu Offizier Butler und schließlich zu Hume führte, verliert sich im Strudel der Geschichte. Wäre es also möglich, dass dieser eine Fahlkauz lediglich ein Irrgast von der Arabischen Halbinsel war, den Hume fälschlich als heimischen Vogel identifizierte?

Der Fahlkauz-Komplex: Ergebnis eines Irrtums?

Diese Theorie verfolgt auch der Vogelforscher Hadoram Shirihai. Er ist es, der ausländische Ornithologen regelmäßig durch die Dämmerung der Wüste führt, damit diese den Fahlkauz beobachten können. Den vermeintlichen Fahlkauz. Denn zwischen dem Vogel, den Shirihai regelmäßig sah und dem, den Hume damals beschrieben hatte, gibt es durchaus Unterschiede, etwa die Brustzeichnung und die Muster an den Schwanzfedern. Einem Team von Wissenschaftlern aus den USA und der Schweiz gelang schließlich ein genetischer Abgleich. Das Ergebnis: In Israel und Saudi-Arabien lebt eine Vogelart, bei der es sich nicht um den Hume’schen Fahlkauz handelt. Sie wurde nach Hadoram Shirihai, der den Anstoß für diese Untersuchung gegeben hatte, Strix hadorami genannt.

Keine weitere neue Art

Das Ornithologen-Team „The Sound Approach“ hatte im März 2013 geglaubt, eine neue Vogelart im Oman (Arabische Halbinsel) entdeckt zu haben, die sie Strix omanesis nannten (Omanfahlkauz). Unter Berücksichtigung der bereits genannten Vermutungen hatten sie sich aber geirrt. Denn wenn Hume’s Fahlkauzexemplar tatsächlich eine Ausnahme war, stammt der Fahlkauz in Wahrheit unter anderem aus dem Oman. Der vermeintlich neu entdeckte Omanfahlkauz wäre somit nichts anderes als ein herkömmlicher Fahlkauz.

Da der geheimnisvolle Vogel aber nachtaktiv in großer Höhe lebt und sich scheu in Felsspalten versteckt, war es bisher nicht möglich, den Fahlkauz-Komplex vollständig aus der Welt zu schaffen.

Foto: Miriam Mezzera (Lizenz: CC BY 2.0) / flickr.com

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