Gynandromorphismus bei Vögeln – Weder Hahn noch Henne

Gynandromorphismus bei Vögeln – Weder Hahn noch Henne

Ein zweigeteilter Vogel? Was eher nach einer Sagengestalt klingt, existiert wirklich: Das Phänomen nennt sich Gynandromorphismus beschreibt das Auftreten männlicher und weiblicher Merkmale bei einem Tier. Was bedeutet das merkwürdige Phänomen?

Gynandromorphismus – was ist das?

Gynandromorphismus, das ist zunächst einmal ein Zungenbrecher. Lasst uns also das Wort zuerst in seine Bestandteile zerlegen. Der Ursprung ist griechisch: gyne bedeutet weiblich, andro männlich. Und schon kommen wir der Bedeutung näher: Gynandromorphe Lebewesen oder Gynander zeigen sowohl weibliche als auch männliche Merkmale. In der Frühentwicklung dieser Tiere kommt es zu einem Fehler bei der Zellteilung, sodass Zellen beiderlei Geschlechts entwickelt werden. Gynandromorphe Tiere sind jedoch keine Zwitter! Im Gegensatz zu diesen sind Gynander in der Regel unfruchtbar und haben missgebildete Geschlechtsorgane. Besonders häufig tritt Gynandromorphismus bei Insekten auf, vor allem bei Schmetterlingen, Käfern und Fliegen.

Doch woran erkennt man Gynander? Die Ausprägung der unterschiedlichen Geschlechtsmerkmale verläuft bei manchen Gynandern entlang einer geraden Achse, dann spricht man vom bilateralen Gynandromorphismus. Bei Schmetterlingen macht sich das besonders deutlich bemerkbar, denn sie entwickeln zwei unterschiedliche Flügel. Häufiger sind Mosaikgynander, bei denen sich die verschieden Merkmale über den gesamten Körper streuen. Bei Menschen (und anderen Säugern) kann Gynandromorphismus übrigens nicht auftreten, da die äußerlichen Geschlechtsmerkmale von Hormonen bestimmt werden.

Gynandromorphe Vögel

Texanische Vogelbeobachter schreckten im Januar 2011 auf: Ein zweigeteilter Vogel zeigte sich am Futterhäuschen. Eine neue Art? Eigentlich sah er aus wie der verbreitete Rotkardinal, zeigte jedoch sowohl das knallrote Gefieder der Männchen als auch das graue der Weibchen. Was zunächst ein Mysterium war, gilt heute als eine von vielen Beobachtungen, die Gynandromorphismus bei Vögeln belegen.

Aufgrund ihrer Vererbungsform ist Gynandromorphismus bei Vögeln eigentlich eher unwahrscheinlich. Forscher vermuten, dass schon ein Fehler in der Eizelle der Vogelmutter vorliegen muss, um diesen Defekt beim Küken zu produzieren. Neben den erwähnten Rotkardinalen ist Gynandromorphismus auch schon bei Hühnern und Finken beobachtet worden. Für die Forschung ist Gynandromorphismus bei Vögeln deswegen interessant, weil so deren geschlechtliche Entwicklung näher untersucht werden kann. Daraus könnten sich auch Erkenntnisse über andere genetische Defekte ergeben.

Weitere Informationen und Bilder

Foto: © Andrew Reding / flickr.com (CC Lizenz)

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1 Kommentar

  1. Hartmut Ebert 11. Oktober 2018 um 19:56 Uhr

    Habe ein Gynander zu Hause. Hat jemand Interesse dieses Tier näher kennen zu lernen.
    Tier wurde als Huhn gekauft.

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