Heimische Vögel – Opfer der Windkraft

Heimische Vögel – Opfer der Windkraft

Der Untergang des früher durchaus häufig vertretenen Schreiadlers in Deutschland scheint fast besiegelt. Denn Regeln zu seinem Schutz sind oft nicht vorhanden oder werden einfach umgangen – nicht zuletzt von Windpark-Besitzern.

Die still rotierende Gefahr

Wenn wir Menschen in der Ferne Windräder sehen, sagen wir vielleicht, dass sie „eigentlich gar nicht in die Landschaft passen“ oder fragen uns, „ob wir denn wirklich so viele davon brauchen“. Aber sie beeinträchtigen uns meist nicht direkt und liefern uns ja schließlich auch Strom.

Wenn aber ein Vogel direkt auf einen Rotor einer Windkraftanlage zufliegt, kann er in den meisten Fällen gar nichts mehr denken, da dies auch das letzte ist was er sieht. Genaue Kollisionsraten gibt es meist nicht, weil auf vielen Anlagen gar nicht nach Schlagopfern gesucht wird oder diese nicht gefunden werden können. Aber wenn das Bild eines Weißstorches, dem bei der Kollision mit einem Windrad glatt der Schnabel abgehackt wurde, keine klare Sprache sprechen kann, kann es wohl gar nichts.

Eine Art, die in Deutschland ganz besonders von den Windkraftanlagen bedroht wird, ist der Schreiadler. Die Zeiten, in denen diese Art ein sehr häufiger Anblick in Deutschland war, sind lange vorbei. Heute behaupten sich die letzten Bestände in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. In letzterem Bundesland leben ganze 80% der kompletten deutschen Schreiadlerpopulation. Doch es ist eine besonders bittere Form der Ironie, dass gerade diese beiden Bundesländer eine unnachgiebige Windkraftpolitik betreiben.

Schutz für Schreiadler nur auf dem Papier

Auf der Liste der Bundesländer mit den meisten Windrädern liegt Brandenburg (3463 Anlagen) auf dem zweiten Platz, Mecklenburg-Vorpommern (1788 Windräder) auf dem sechsten. Das allein wäre vielleicht noch gar kein Problem. Doch da der Platz für neue Windanlagen immer knapper wird, Unternehmer in diesem Segment aber noch immer das große Geld wittern, werden die Schreiadler immer mehr in die Enge gedrängt. Es gibt natürlich gesetzliche Abstandsvorgaben, die genug Fläche zwischen Schreiadlerhorsten und rotierenden Windrädern gewährleisten sollen. Der Abstand soll eigentlich 6000 Meter betragen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern halten aber 3000 Meter für ausreichend und unterschreiten selbst diesen Wert in vielen Fällen.

Die Dunkelziffer der Kollisionen von Schreiadlern und Rotoren mit tödlicher Folge wird von Vogelschützern als hoch eingeschätzt. Doch es bleibt eine Dunkelziffer, denn die Betreiber von Windparkanlagen wären die letzten, die einen toten Schreiadler auf ihrem Gebiet an die große Glocke hängen würden.

Kritischer Faktor Landwirtschaft

Dass die Intensivierung der Landwirtschaft unserer Tier- und Pflanzenwelt keinen Gefallen tut – sie vielmehr dramatisch schädigt – ist kein Geheimnis. Aber für die deutschen Schreiadler ist sie zudem ein Faktor, der ihnen eine erfolgreiche Brut noch mehr erschwert. Immer mehr Grünland muss Feldern und Monokulturen weichen, die auch noch mit Herbiziden (Unkrautbekämpfungsmittel) behandelt werden. Die Folge: Das Nahrungsangebot der Schreiadler geht zur Neige und sie müssen sich immer weiter vom Nest entfernen, um beispielsweise Amphibien zu erbeuten. Und je länger sie fort sind, desto leichteres Spiel haben Nesträuber wie Waschbären.

Wir können nur hoffen, dass der Schreiadler in Zukunft von mehr Menschen als das erkannt und geschätzt wird, was er ist: der beste Beweis dafür, dass die Natur sich im Einklang befindet. Denn zumindest wo er mit seinen hohen Ansprüchen noch erfolgreich lebt und brütet, muss die Welt noch in Ordnung sein.

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1 Kommentar

  1. Mattes 1. September 2016 um 20:56 Uhr

    Man könnte nun sagen bzw. fragen, „was ist das kleinere Übel?“.
    Aber Gut das wäre eine Grundsatzdiskussion.
    Leider gibt es bisher auch keine wirklichen Zahlen, weder belegbare noch wirkliche dunkelzifferzahlen.
    Leider gibt es nur dramatische Berichte von Kollisionen mit Vögeln.
    Diese Kollisionen beherrschen aber den ganzen Alltag von uns bzw. der Vögel. Wie oft fliegen Vögel vor Glasfassaden und Glasscheiben. Verenden dann qualvoll denn nicht jeder Genickbruch ist sofort tödlich.
    Brechen sich den Schnabel oder was auch immer.
    Möchte hier nichts schön reden und jedes Opfer ist auch eins Zuviel. Aber Rabenaufkleber auf den Rotorblattern werden wohl eher wenig bringen.
    Netze wohl auch nicht und wirkliche Fernhaltung von Naturschutzgebieten wird wohl auch nicht viel bringen. Vögel fliegen (Zugvögel usw.).
    Die Windkrafträder werden bestimmt zu einer Ausrottung einer Tierart alleine wohl eher nicht verantwortlich sein.
    Und da sind wir eigentlich bei der Frage: „Was ist das kleinere Übel“
    Oder wir verzichten einfach auf Energie. 😉

    Grüße
    Mattes

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