Schwarzstirnwürger – Maskierter Stimmenimitator

Schwarzstirnwürger – Maskierter Stimmenimitator

Der Schwarzstirnwürger bewohnt vor allem Süd- und Osteuropa und lässt dort seinen abwechslungsreichen Gesang ertönen. Doch die intensive Landwirtschaft macht ihm das Leben immer schwerer.

Aussehen

Der Schwarzstirnwürger wird etwa 20 Zentimeter groß, wirkt aufgrund seiner schlanken, langschwänzigen Gestalt aber etwas kleiner. Er ähnelt sehr seinem Verwandten, dem Raubwürger. Ähnlich wie er hat der Schwarzstirnwürger eine hellgraue Oberseite sowie schwarze Flügel. Sind sie ausgebreitet, erkennt man die weißen Flecken darauf. Die Unterseite ist hell und leicht rosa überhaucht, der Bürzel weiß. Beim sitzenden Vogel ragen die angelegten Flügel über die Wurzel des dunklen Schwanzes hinaus; beim Raubwürger enden sie vorher. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Kopfzeichnung. Beide Arten tragen eine schwarze „Maske“ im Augenbereich. Beim Schwarzstirnwürger reicht die dunkle Färbung (wie der Name schon sagt) allerdings bis auf die Stirn. Diese Zeichnung ist besonders bei Männchen deutlich ausgeprägt, bei den Weibchen fällt sie etwas dezenter aus.

Vorkommen

Unser Vogel der Woche besiedelt vor allem Südost- und Osteuropa – im Westen berührt er noch Südfrankreich. Bis in die 1970er Jahre war er auch in Mitteleuropa ein relativ häufiger Brutvogel. Doch weil die Menschen immer intensiver Landwirtschaft betrieben und auch Pestizide gegen Insekten einsetzten, starb der Schwarzstirnwürger mit dramatischer Geschwindigkeit aus. Auch dort, wo er aktuell noch zu finden ist, schwindet sein Lebensraum und die Aussichten der Art sind insgesamt eher schlecht.

Der kleine Singvogel fühlt sich in offenen, abwechslungsreichen Landschaften wohl. Dazu gehören Obstgärten, Alleen und Wiesen mit Hecken und Gehölzen. Auch am Waldrand ist er zu finden. Wichtig sind erhöhte Aussichtspunkte, auf denen er sitzen und Nahrung erspähen kann.

Den Winter verbringt die Art in Afrika, südlich des Äquators. Die lange Reise nimmt zwischen acht und zehn Wochen in Anspruch, wobei verschiedene Populationen verschiedenen Routen folgen.

Verhalten und Wissenswertes

Der Schwarzstirnwürger hat es auf größere Insekten wie Heuschrecken, Käfer und Raupen abgesehen. Seinen flinken Augen entgeht kaum eine Bewegung. Hat er ein Beutetier gesichtet, fliegt er zielsicher darauf zu und verspeist es meist noch am Boden. Seltener werden auch Fluginsekten aus der Luft geschnappt.

Besonders gut kann der Schwarzstirnwürger auch mit seiner Stimme umgehen. Neben einem Repertoire aus verschiedensten Rufen und dem schwatzenden Gesang beherrscht er auch die Kunst der Imitation. Er kann nicht nur andere Vogelarten nachahmen, sondern auch landwirtschaftliche Geräte oder Hundegebell.

Unsere Vögel der Woche verpaaren sich jedes Jahr neu und brüten auch nur einmal im Jahr. Männchen, die noch keine Partnerin gefunden haben, sind schwer zu übersehen. Sie vollführen einen flachen, langsam kreisenden Balzflug. Zeigt sich ein Weibchen, setzen sie sich neben die Angebetete und verbeugen sich unter Flügelzittern und mit gespreiztem Schwanz vor ihr. Auch Geschenke in Form von Futter bekommt das Weibchen, diese nimmt es anfangs aber meist nicht an. Erst nach einer gewissen Zeit erwählt ein Weibchen seinen Partner und sucht mit ihm gemeinsam den Niststandort aus.

Die meisten Elternpaare bauen ihr Nest in Bäumen. Es ist ein fester Napf aus Pflanzenfasern. Auch Kräuter wie Kamille, Salbei oder Beifuß benutzen die Vögel gern für ihre Nester – sie duften aromatisch und helfen gegen Schädlinge. Zwischen Mai und Juli legt das Weibchen fünf bis sieben Eier, die anschließend gut zwei Wochen lang gewärmt werden müssen. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungen weitere zwei Wochen im Nest. Manchmal teilen die Eltern die Schar der Jungvögel unter sich auf und versorgen sie in zwei getrennten Gruppen.

 

Foto: Andy Morffew (Lizenz CC BY 2.0)

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