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Neu Vogelwelt

Seltene Besucher: Pestvogel in Deutschland gesichtet

Seltene Besucher: Pestvogel in Deutschland gesichtet

Im Landkreis Celle erleben Naturfreunde derzeit eine kleine Sensation: Dort wurde eine Gruppe von Seidenschwänzen entdeckt, Vögel, die man in Deutschland normalerweise nur selten zu Gesicht bekommt. 

Wenn der Norden nicht genug Nahrung bietet

Die Heimat der Seidenschwänze liegt weit im Norden, in der russischen Tundra und anderen nordischen Regionen. Normalerweise bleiben sie dort. Doch wenn in ihren Brutgebieten im Winter die Beeren knapp werden, machen sich die Tiere auf den Weg nach Süden. In sogenannten Invasionsjahren ziehen dann teils Tausende Seidenschwänze bis nach Mitteleuropa. Ein vergleichbares Auftreten gab es zuletzt im Winter 2008/2009. 

Warum heißt der Seidenschwanz auch „Pestvogel“?

Der ungewöhnliche Beiname „Pestvogel“ geht auf alte Überlieferungen zurück. Als die Seidenschwänze in großen Schwärmen aus dem Norden nach Mitteleuropa zogen, konnten sich die Menschen ihr plötzliches Auftreten nicht erklären. Ihre Einflüge wurden daher nicht selten mit schlechten Zeiten, Hungersnöten oder sogar Seuchen in Verbindung gebracht. So entstand der Aberglaube, die Vögel würden Unglück oder Krankheiten ankündigen.

Mit der Realität hat das jedoch nichts zu tun. Der Seidenschwanz ist weder Überträger von Seuchen noch eine invasive Art. Sein Erscheinen ist vielmehr ein natürliches Phänomen, das mit Nahrungsmangel in seinen nördlichen Brutgebieten zusammenhängt. 

Praktische Tipps zur Beobachtung

Für Vogelliebhaber und Naturfotografen ist der Besuch der Seidenschwänze eine seltene Gelegenheit, ein besonderes Naturschauspiel mitzuerleben. Wer den Seidenschwanz in Deutschland entdecken möchte, braucht vor allem Geduld. Mit ein paar einfachen Hinweisen steigerst du die Chancen deutlich:

  • Gegenden mit vielen beerentragenden Bäumen wie Eberesche, Weißdorn oder Mistel aufsuchen
  • Auf hohe, feine Triller-Rufe achten, die oft schon von Weitem zu hören sind
  • Ein Fernglas mitnehmen, da die Vögel häufig in Baumwipfeln sitzen
  • Ruhig verhalten und ausreichend Abstand halten, um die Tiere nicht zu stören
  • Sichtungen bei lokalen Naturschutzgruppen oder auf Meldeplattformen eintragen

Titelfoto: iStockphoto.com/ElenaBelozorova