Von Sachsen in die Welt – Interview mit dem Ornithologen Jens Hering

Von Sachsen in die Welt – Interview mit dem Ornithologen Jens Hering

Vogelbeobachter haben in Deutschland viel zu entdecken, aber was die ganze Welt ihnen zu bieten hat ist quasi unbeschreiblich. Einer von ihnen weiß das ganz genau: Der Ornithologe Jens Hering hat schon die ganze Welt auf der Suche nach seltenen Vögeln bereist. Wir haben ihn interviewt.

Vogelbeobachter Jens Hering hat es auf seinen ornithologischen Reisen schon an alle Ecken des Globus verschlagen, vom ostafrikanischen Dschibuti bis ins pazifische Hawaii. Auf den Reisen mit seiner Frau setzt er sich für den Naturschutz ein und hat auch schon selbst bisher unbekannte Vorkommensgebiete von sehr seltenen Vogelarten entdeckt. Doch trotz allem ist ihm bei der Beobachtung der exotischen Vögel die Begeisterung für die heimischen Arten nicht verloren gegangen. Als NABU-Mitglied engagiert er sich nach wie vor für die europäischen Vögel und deren Schutz. Im Interview erzählte uns der sächsische Ornithologe von seiner Bindung zur Natur und seiner Begeisterung für die versteckt lebende Zwergschnepfe.

Vogel und Natur: Herr Hering, Sie kommen aus der Kreisstadt Limbach-Oberfrohna und arbeiten derzeit in der Naturschutzbehörde im Landesratsamt Zwickau. Gereist sind Sie hingegen schon auf allen fünf Kontinenten (abgesehen von der Antarktis). Was führt einen Vogelbeobachter aus Sachsen in die weite Welt?

Jens Hering: Die Reise- und Entdeckerlust, in der Regel zusammen mit meiner Frau Heidi. Vor allem der afrikanische Kontinent lässt auch heute noch hinsichtlich der ornithologischen Erforschung viele „weiße Flecken“ erkennen. Neben vogelkundlichen Zielen vergessen wir allerdings auch nie die landeskulturellen Höhepunkte.

Vogel und Natur: Ihre Reisen haben Sie schon an entlegene Orte geführt, aber auch Urlaubsparadiese wie Hawaii haben Sie erforscht. Schließen sich Tourismus und Vogelschutz Ihrer Meinung nach aus?

Jens Hering: Keinesfalls. Gerade Hawaii bietet für ein Zusammenwirken von Tourismus und Vogelschutz beste Möglichkeiten. Teils wird das dort in Nationalparks vorbildlich umgesetzt, auch wenn die Aussichten für einen nachhaltigen Erfolg, z. B. der Erhalt der seltenen hawaiianischen Kleidervogelarten, eher düster sind.

Vogel und Natur: Der große britische Tierfilmer David Attenborough hat einmal gesagt, an Vögeln interessiere ihn – genau wie bei Affen oder Spinnen – was sie täten und warum sie es täten. („What I am interested in with birds, just as I am with spiders or monkeys, is what they do and why they do it.“). Was fasziniert Sie an Vögeln? Welche Arten begeistern Sie besonders?

Jens Hering: Mich interessieren insbesondere kryptische und im Freiland schwer bestimmbare Arten. In meiner sächsischen Heimat ist es die versteckt lebende Zwergschnepfe, an der ich zusammen mit einem Freund nun schon seit Jahrzehnten arbeite. Über diese kaum untersuchte Limikole [Watvogel-Art] sammle ich dann natürlich auch Daten im afrikanischen Überwinterungsgebiet. Zudem gilt meine Liebe den unscheinbaren Rohrsängern. Seit Jahren läuft hierzu ein Projekt in Nordafrika, das taxonomische, also Klassifizierungs-Fragen zum Inhalt hat.

Vogel und Natur: Sie selbst sind NABU-Mitglied und setzen sich stark für den Naturschutz ein. Was kann man als Vogelbeobachter für den Naturschutz tun?

Jens Hering: Aufklärungsarbeit durch fachlich fundierte Veröffentlichungen und Vorträge halte ich für sehr wichtig.

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