Plastik: Die Henkersmahlzeit der Seevögel

Plastik: Die Henkersmahlzeit der Seevögel

Die Natur ertrinkt in unserem Plastikmüll. Die großen Vorteile dieses Materials, die anfangs für Begeisterung sorgten, werden uns nun zum Verhängnis. Es ist leicht, stabil – und extrem langlebig.

Müllkippe Meer

Ein Großteil unseres Plastikmülls landet in den Meeren. Jedes Jahr müssen die Ozeane circa acht Millionen Tonnen davon schlucken. Anders als natürliche Materialien löst es sich nicht nach einer gewissen Zeit auf und kann auch nicht von Bakterien zersetzt werden. Menschen werfen den Müll achtlos weg, so dass er ins Meer geweht oder von den Flüssen hineingeschwemmt wird. Als im März 2014 Flug 370 der Malaysia Airlines verschwunden war, lief die Suche auch über Satellitenbilder. Jedes Mal, wenn sich Ansammlungen von Objekten auf der Wasseroberfläche zeigten, glaubte man, Teile des vermissten Flugzeugs gefunden zu haben. Doch es war Müll. Fischernetze und –leinen, Teile von Schiffscontainern, unzählige Plastiktüten.

So eine Plastiktüte wird im Durchschnitt 15 Minuten benutzt und landet danach im Müll. In Deutschland wird sie dann im besten Fall recycelt, aber viele andere Länder haben kein Recyclingsystem. Oder sie kommen mit der schieren Masse des Mülls nicht zurecht. Derzeit wird weniger als ein Fünftel des weltweiten Plastikmülls recycelt.

Plastik: Bunte Todesfalle für Vögel

Was hat all das nun mit den Seevögeln zu tun? Genau wie Seehunde oder Meeresschildkröten verwechseln sie kleinere Plastikteile mit Nahrung und verschlucken sie. Amerikanische Forscher fanden 2016 heraus, dass auch der Geruch des Plastiks anziehend auf Vögel wirkt. Arten wie Albatrosse, Sturmvögel und Sturmtaucher gehören zu den Röhrennasen-Vögeln, die sich stark auf ihren Geruchssinn verlassen. Zu ihrer Hauptnahrung gehören Fische, Tintenfische und Krebstiere. Diese wiederum ernähren sich von verschiedenen Planktonarten.

Manche von ihnen verströmen den Geruch einer schwefelhaltigen Verbindung namens Dimethylsulfid. Die Vögel folgen diesem Geruch, denn wo Plankton ist, ist auch für sie die nächste Mahlzeit nicht weit. Das Problem: Wenn Plastik lange genug im Wasser treibt, nimmt es denselben Geruch an wie Plankton, weil sich Algen darauf absetzen.

Ist das Plastik einmal im Magen der Vögel angekommen, kann es nicht von ihnen verdaut werden. Nährstoffe gibt es natürlich auch keine ab, im schlimmsten Fall nehmen die Tiere sogar Giftstoffe aus dem Plastik auf. So verhungern sie, werden vergiftet oder erleiden vielleicht sogar beides gleichzeitig. 97 Prozent der Eissturmvögel, die an der deutschen Nordseeküste aufgefunden wurden, hatten Plastik im Magen. Insgesamt sterben jedes Jahr rund eine Million Seevögel am Plastikmüll.

Ein Nest aus Plastik

Auch Vögeln entgeht nicht, wie stabil Plastik ist. Basstölpel, Dreizehenmöwen, Trottellummen und andere Vogelarten auf Helgoland sammeln Plastikfasern, um damit ihre Nester zu bauen. Oft sind Reste weggeworfener Fischernetze mit dabei, aber auchPlastiktüten und andere Verpackungen. In einem fertigen Nest stecken dann schon mal um die zehn Kilogramm Plastik.

Leider passiert es sehr schnell, dass sich Küken oder auch Altvögel in den Plastikfasern verheddern und nicht mehr frei kommen. Sie können dann natürlich auch nicht mehr nach Nahrung suchen und müssen qualvoll verhungern.

Foto: National Marine Sanctuaries (Lizenz: Public Domain Mark 1.0)

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