Eissturmvogel – Vulgärer Hitzkopf

Eissturmvogel – Vulgärer Hitzkopf

Selbstverteidigung zählt viel in der Natur. Dabei haben sich einige außergewöhnliche Techniken entwickelt. Direkt gesagt: Der Eissturmvogel kotzt seine Feinde an, um sich zu verteidigen. Doch nicht nur das unterscheidet ihn von der herkömmlichen Möwe.

Aussehen

Obwohl der Eissturmvogel der Möwe ähnlich sieht, ist er nur entfernt mit ihr verwandt. Der zu den Sturmvögeln zählende Eissturmvogel kann nämlich Salzwasser trinken und dadurch wesentlich weiter auf das Meer hinaus fliegen. Das überschüssige Salz scheidet er durch seine röhrenförmigen Nasenlöcher wieder aus. Mit einer Größe von 45 – 50 cm und einer Flügelspannweite von bis zu 1,20 m ist der Eissturmvogel etwas größer als die meisten Möwen. Bei ausgewachsenen Männchen und Weibchen sind Kopf, Hals und Unterseite grau oder weiß, die Oberseite des Gefieders graublau gefärbt. Seine Beine sind kurz und grüngelb, der Schnabel ist kräftig und an der Spitze hakenförmig. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zu Möwen sind die weißen Flecken auf den Flügeln: Bei den meisten Möwenarten würde man eher schwarze Flügelspitzen finden.

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Eissturmvogels zieht sich über den Norden des Atlantik und des Pazifik. In Europa brütet er auf den britischen Inseln, in Skandinavien und auf Nordseeinseln wie Helgoland. Seit der Eissturmvogel sich in den 1970ern auf Helgoland angesiedelt hat, ist der Bestand auf eine Brutkolonie mit circa 120 Paaren angewachsen. In dieser und anderen Brutkolonien nistet der Seevogel auf Felseninseln und an Steilküsten. Auch anderswo wächst der Bestand des Eissturmvogels stetig: Insgesamt schätzt man eine Million Exemplare weltweit. Grund hierfür ist das vermehrte Vorkommen von Fischereiabfällen in der Nordsee, welche der Eissturmvogel als Nahrungsquelle für sich entdeckt hat.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Den tagaktiven Eissturmvogel kann man sowohl an Land beim Brüten oder auf Nahrungssuche in der Nordsee beobachten. Während er nach Futter Ausschau hält, fliegt er mit starr ausgebreiteten Flügeln dicht über der Wasseroberfläche. Da er sich als Allesfresser sowohl von Aas als auch von Fischen oder Krebsen ernährt, kann man ihn manchmal bei Tauchmanövern mit bis zu vier Metern Tiefe sehen.
An Land werdet ihr den Eissturmvogel oft in Gruppen oder größeren Schwärmen beobachten. Das Zusammenleben verläuft nicht immer friedlich. Gegen Rivalen oder Feinde setzt der Eissturmvogel dann seine Geheimwaffe ein: Magenöl. Diese gelbe Flüssigkeit aus Triglyceriden und ungesättigten Fettsäuren vertreibt Feinde durch ihren unangenehm süßlich-fischigen Geruch und verklebt ihre Flügel. Nicht selten sterben die Angreifer als Folge der Magenöl-Attacke. Vorsicht also, Vogelbeobachter! Auch wenn der Eissturmvogel beim Angriff nur ein harmlos klingendes hühnerartiges Gackern ausstößt, spuckt er die giftgelbe Magensäure bis zu zwei Meter weit. Deckung!

Foto: © Ian Kirk / www.flickr.com/photos/thekrankis/

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