Alpenstrandläufer – Reisewütiger Langschnabel

Alpenstrandläufer – Reisewütiger Langschnabel

Alpenstrandläufer sind eigentlich in der nordischen Tundra zu Hause, kommen aber auf ihrem Zug auch regelmäßig an unsere Küsten.

Aussehen

Seine langen Beine und der imposante Schnabel lassen ihn zwar größer wirken, aber der Alpenstrandläufer wird tatsächlich nur so groß wie ein Star (17 bis 21 Zentimeter). Er gehört zu den Watvögeln und ist außerdem der häufigste Strandläufer. Man unterscheidet mehrere Unterartengruppen, wir beschränken uns hier aber auf die europäische.

Vor allem im Brutkleid ist ein ausgewachsener Strandläufer unverwechselbar. An der grundsätzlich weißen Unterseite befindet sich dann ein großer, schwarzer Bauchfleck. Die Oberseite ist dagegen rostbraun mit schwarzen Tupfen und auch die Scheitelfedern sind rötlich braun gefärbt. Die weiße Brust ist fein schwarz oder braun gestrichelt, ein Muster, das sich bis zum Schnabelansatz fortsetzt.

Im Schlichtkleid sind die Vögel um einiges unauffälliger. Der schwarze Bauchfleck verschwindet und weicht einer komplett hellen Unterseite. Auch das Rostrot auf Rücken und Kopf wird durch ein verwaschenes Grau ersetzt.

Im Flug ist ein zarter, weißer Flügelstreif zu sehen, auch der von einem schwarzen Längsstrich geteilte, weiße Bürzel fällt dann auf. Der lange Schnabel ist an der Spitze ein wenig nach unten gebogen und stets dunkel gefärbt.

Vorkommen

Der Alpenstrandläufer brütet in den Tundren und Mooren der Nordhalbkugel. Dort kann er es sich aber kaum einmal gemütlich machen, denn den Großteil seines Lebens verbringt er auf dem Zug oder im Überwinterungsgebiet. Letzteres umfasst die Atlantikküsten von Irland über Frankreich bis zum Nordwesten Afrikas. Der Herbstzug beginnt bereits Ende Juni. Im April und Mai kehren die Vögel dann für kurze Zeit in ihre Brutgebiete zurück.

Gerade im Frühling und Herbst haben wir die größten Chancen, den Alpenstrandläufern zu begegnen. Dann rasten sie nämlich an unseren Küsten und vor allem im Wattenmeer. Manchmal suchen sie aber auch Wasser- oder Schlammflächen im Binnenland auf, es lohnt sich also immer, die Augen offen zu halten.

Verhalten und Wissenswertes

Wer jetzt gut aufgepasst hat, wird sich vielleicht fragen, was diese Vögel denn mit den Alpen zu tun haben. Der irreführende Name „Alpenstrandläufer“ könnte aus dem 19. Jahrhundert stammen. Damals kannten ihn die deutschsprachigen Ornithologen nämlich vor allem als Brutvogel der lappländischen Alpen.

Im Brutgebiet ernährt sich unser Vogel der Woche vor allem von Insekten. Daher wird man seine Nester immer in der Nähe von Feuchtgebieten finden, weil es dort reichlich Mücken gibt. Bei der Rast im Watt ist der lange Schnabel besonders nützlich. Mit ihm kann der Alpenstrandläufer allerlei Insekten und Larven, aber auch Krebstiere, Schnecken und Würmer aufpicken.

Für den Nestbau stürzen sich die Vögel nicht in unnötige Anstrengung. Es genügt eine kleine Mulde im Boden, die sie mit Gräsern und Blättern etwas kuschliger machen. Im Juni legt das Weibchen vier Eier. Diese werden etwa drei Wochen lang von beiden Elternteilen ausgebrütet. Die Jungen sind Nestflüchter, suchen also schon bald nach dem Schlüpfen eigenständig nach Futter.

Foto: Mike Prince (Lizenz: CC BY 2.0)

Diesen Artikel empfehlen

Diskutieren Sie über diesen Artikel