Heringsmöwe – Gelbschnäbliger Koloniebrüter

Heringsmöwe – Gelbschnäbliger Koloniebrüter

Die Heringsmöwe bildet erst nach drei Jahren ihr endgültiges Gefieder aus und ist vorher eher schwer zu erkennen. Sie brütet in großen Kolonien von Westeuropa bis Sibirien.

Aussehen

Mit einer Körpergröße von rund 50 Zentimetern wird die Heringsmöwe etwa so groß wie die Silbermöwe. Sie hat allerdings einen schlankeren Körper und längere, spitzere Flügel. Bei erwachsenen Vögeln hebt sich die Oberseite schiefergrau bis samtschwarz vom weißen Rest ab. Durch die weißen Schwingenspitzen könnt ihr an den dunklen Flügeln einen weißen Flügelhinterrand sehen. Der Schnabel sowie die Iris und die Beine sind kräftig gelb. Grundsätzlich unterscheiden sich Männchen und Weibchen nicht, doch wer genau hinsieht, erkennt bei den Männchen einen größeren, kräftigeren Schnabel. Jungvögel hingegen sind insgesamt dunkel bräunlich. Schnabel und Auge sind noch schwarz und die Füße unauffällig fleischfarben.

Vorkommen

Die Heringsmöwe ist vom Westen Europas bis nach Sibirien verbreitet. Südwärts kommt sie auch noch im Norden der Iberischen Halbinsel vor. Ihre Brutgebiete liegen an Nord- und Ostsee vor allem in Dünen, an reich bewachsenen Flachküsten sowie auf Inseln nahe der Küste. Auch im Binnenland brüten Heringsmöwen. Diese bevorzugen Moore oder Inseln in größeren Seen. Wenn nicht gerade gebrütet wird, suchen Heringsmöwen am liebsten auf dem offenen Meer nach Nahrung oder ziehen für den Winter Richtung Süden. Die meisten landen in Ostafrika und am Indischen Ozean.

Verhalten und Wissenswertes

Auf dem offenen Meer erbeutet die Heringsmöwe gern Fischereiabfälle von Schiffen und Kuttern. Für diese Mischung aus Fischen und Krebsen fliegt sie täglich etwa 50 bis 80 Kilometer auf das Meer hinaus, manchmal sogar über 100 Kilometer. Natürlich werden auch wild lebende Fische erbeutet. Dazu stößt die Möwe plötzlich aus dem Suchflug in die Tiefe hinab und taucht komplett unter Wasser. Besonders der Atlantische Hering hat es ihr angetan.

An der Küste konzentriert sich unser Vogel der Woche dagegen eher auf Regenwürmer und Insekten. Manchmal steht auch Aas oder Abfall von Mülldeponien auf dem Speiseplan, aber längst nicht so oft wie bei anderen Möwen.

Heringsmöwen sind Koloniebrüter und finden sich im April und Mai zu diesen großen Gruppen zusammen. Jedes Brutpaar baut gemeinsam ein Nest aus Pflanzenteilen. Auch das Bebrüten der zwei bis drei Eier geschieht in Teamarbeit. In so einer Brutkolonie herrscht ein rauer Umgangston und die Eltern müssen aufpassen, dass ihr Nachwuchs nicht dem nachbarschaftlichen Kannibalismus zum Opfer fällt. Obwohl so etwas vorkommt, ist es für die Vögel insgesamt noch immer günstiger, im Gruppenverband zu brüten – denn so schützen sie sich gemeinsam vor größeren Beutegreifern. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, dauert es noch über einen Monat bis zu ihrem ersten Flugversuch.

Seit fast 100 Jahren verzeichnen die Heringsmöwen (wie auch andere Möwenarten) einen Bestandszuwachs in Mitteleuropa. Heute gibt es etwa 90.000 Brutpaare, der europäische Gesamtbestand liegt bei etwa 325.000 Paaren. Dass die Möwen sich so gut entwickeln, liegt unter anderem an einem erhöhten Schutz der Brutplätze, einer geringeren Bejagung und dem besseren Nahrungsangebot in den Brut- und Überwinterungsgebieten.

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