Gift für Menschen, Futter für Vögel: Die Eibe

Gift für Menschen, Futter für Vögel: Die Eibe

Für über 25 Vogelarten ist die immergrüne Eibe ein toller Nahrungslieferant. Viele unter ihnen tragen beim Fressen sogar zur Verbreitung des seltenen Baumes bei.

Heutzutage sieht man sie vor allem auf Friedhöfen sowie in Parks und Gärten: die Eibe. Ursprünglich war der immergrüne Nadelbaum auch in den europäischen Laubmischwäldern weit verbreitet. Doch der Mensch sorgte durch häufige Abholzung dafür, dass der Baum heute eher zu den Seltenheiten im Wald gehört. Er wird euch deshalb eher als zurückgeschnittene Hecke denn als stattlicher Baum begegnen. An seinen sonstigen Eigenschaften ändert das jedoch nichts: Die Eibe blüht zwischen März und Mai. Anschließend, zwischen Juli und Oktober, reifen die länglichen Samen. Um sie herum entsteht, zuerst in Grün und später leuchtend rot, der fleischige Mantel, der den Samen wie ein Becher umschließt. Dieser Samenmantel führte zum umgangssprachlichen Begriff Eibenbeere, obwohl es sich eigentlich um eine Scheinbeere handelt.

Wir Menschen können der Eibe nicht viel abgewinnen, denn ihre Rinde, Nadeln und Samen sind für uns giftig. Sie enthalten den Stoff Taxin, der zum Herzstillstand führen kann. Vielen einheimischen Vogelarten macht das jedoch nichts aus und sie nutzen die Eibe als Nahrungsquelle. Dabei unterscheiden wir zwischen frucht- und samenfressenden Vogelarten: Die einen finden den roten Mantel interessant, der vor allem aus Wasser und Zucker besteht. Die anderen wollen an die Nährstoffe des Samens selbst.

Futterbaum Eibe: Die Fruchtfresser

Zu den fruchtfressenden Vogelarten zählen unter anderem Star, Eichelhäher, Rotkehlchen, Amsel sowie Sing-, Mistel-, Rot– und Wacholderdrossel. Sie sind gleichzeitig Samenverbreiter, da sie die Frucht oft im Ganzen vertilgen und den Samen unbeschädigt wieder ausscheiden. So gelangen die Eibensamen auch an weiter entfernte oder schwer erreichbare Stellen und können dort keimen.

Hat eine Misteldrossel eine Eibe für sich entdeckt, versteht sie keinen Spaß mehr. Allein oder mit einem Verbündeten verteidigt sie den Baum gegen andere Vögel. Dabei kommt es häufig zu heftigen Flugattacken. Solche „besetzten“ Bäume behalten ihren Fruchtbesatz insgesamt länger als andere Eiben. In besonders kalten Wintern kann aber auch die entschlossenste Misteldrossel dem Druck von außen nicht standhalten. Nach ein paar Tagen gibt sie die Verteidigungshaltung dann auf und erntet den Baum gemeinsam mit den Eindringlingen ab.

Futterbaum Eibe: Die Samenfresser

Der fleißigste Samenfresser ist der Grünfink. Hinter ihm reihen sich Gimpel, Kohlmeise, Kernbeißer, Kleiber, Grünspecht, Buntspecht, Sumpf– und Tannenmeise ein. Die Finken zerteilen die klebrige Masse des Mantels, um den an den Samen zu kommen und wischen zwischendurch immer wieder den Schnabel am nächsten Ast ab. Dann zerteilen sie die Schale des Samens und verschlucken ihn im Ganzen. Kernbeißer knacken den Samen mit dem Schnabel und Kleiber reiben den roten Mantel an der Baumrinde ab, um den Samen freizulegen. Danach klemmen sie ihn in eine Felsspalte oder Mauerfuge, um ihn mit dem Schnabel aufzuhämmern. Werden sie vorher gestört, kommt es manchmal zu kleinen Eiben, die aus den unwahrscheinlichsten Stellen emporwachsen.

Zur Beobachtung ist die Eibe sehr gut geeignet, weil sie über einen langen Zeitraum Futter bietet. Im Juli könnt ihr schon Singdrosseln, Gartenrotschwänze und verschiedene Grasmücken beobachten. Im Oktober kommen rastende Stare und Drosseln hinzu und im Dezember fallen viele Samen zu Boden, die noch bis in den Februar von verschiedenen Finken gefressen werden.

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