Rothalsgans – Arktische Schönheit

Rothalsgans – Arktische Schönheit

Eine Rothalsgans sieht von weitem eher schlicht aus, doch aus der Nähe lässt sich ihr bunt gemustertes Gefieder gut erkennen. Wer sie beobachten will, muss sich auf eine Reise in den hohen Norden begeben.

Aussehen

Die Rothalsgans gehört zur Gattung der Meergänse und ist eine der Buntesten unter ihnen. Die eher gedrungen wirkende Gans wird zwischen 50 und 60 Zentimeter lang, hat einen kurzen Schnabel und einen sehr dicken Hals. Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich.

Aus größerer Entfernung und bei schlechtem Licht wirkt die Rothalsgans größtenteils dunkel. Tatsächlich sind aber nur der Rücken und der Bauch schwarz und werden von weißen Linien begrenzt. Dazu gehören auch die auffälligen Flankenstreifen. Ober- und Unterschwanz heben sich ebenfalls in Weiß vom schwarzen Gefieder ab. Wie der Name schon vermuten lässt, hat unser Vogel der Woche einen rotbraunen Hals- und Brustbereich. Auch dieser ist durch eine weiße Linie begrenzt. Am schönsten ist das Kopfgefieder: Auf den Wangen finden sich rotbraune, weiß umrandete Flächen. Oberkopf und Nacken sind schwarz, werden jedoch von einem weißen Fleck zwischen Auge und Schnabel unterbrochen. Malereien aus dem alten Ägypten belegen, dass die Menschen schon damals von der Schönheit der Rothalsgans fasziniert waren.

Vorkommen

Rothalsgänse brüten in der arktischen Tundra von Russland und Mittelsibirien. Ein bekanntes Brutgebiet ist beispielsweise die Halbinsel Taimyr. Von dort brechen sie jedes Jahr in ihre wenigen Überwinterungsgebiete auf. Sie sind recht anspruchsvoll und brauchen sowohl Weideplätze als auch Süßwasser und ruhige Schlafplätze. Die meisten peilen Kasachstan, Aserbaidschan, den Südirak und vor allem die Westküste des Schwarzen Meeres an. Weil sich so viele Rothalsgänse an derselben Stelle aufhalten, ist oft ihre ganze Art gefährdet. Gefahren wie Ölunfälle oder intensive Jagd betreffen dann nämlich gleich einen Großteil der Vögel.

Verhalten und Wissenswertes

Bei den Rothalsgänsen gibt es die Liebe fürs Leben: Haben sich zwei Partner gefunden, bleiben sie oft ein Leben lang zusammen. Außerdem machen sich die kleinen Gänsekolonien die Stärke ihrer Brutnachbarn zunutze. Sie brüten nämlich sehr gern in der Nähe von Wanderfalken, Raufußbussarden und anderen Greifvögeln. Das schützt die Jungen einerseits vor den Greifvögeln selbst, weil diese nie in der Nähe ihrer eigenen Nester jagen. Andererseits vertreiben sie auch Feinde wie den Polarfuchs aus ihrem Brutgebiet und verteidigen gleichzeitig (wenn auch nicht ganz freiwillig) die schlauen Rothalsgänse.

Im Juni legt das Weibchen seine hellgrünen Eier in einer möglichst geschützten Bodenmulde ab. Das Männchen beteiligt sich kaum an der Brut, verteidigt seine Familie aber gegen Fressfeinde oder aufdringliche Artgenossen. Nach knapp 25 Tagen schlüpfen die Jungen und gehen bald schon selbstständig auf Nahrungssuche. Anfangs fressen sie auch noch Insekten, später vor allem Gras oder Getreide.

 

Foto: cuatrok77 (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Diesen Artikel empfehlen

Diskutieren Sie über diesen Artikel