Teichrohrsänger – Schilfverliebter Schnellflieger

Teichrohrsänger – Schilfverliebter Schnellflieger

Was der Teichrohrsänger tut, das tut er schnell. Im Schilf herumklettern, fliegen oder ein Nest bauen – alles wird mit geschickter Präzision erledigt.

Aussehen

Mit einer Körperlänge von 13 Zentimetern wird der Teichrohrsänger so groß wie sein nächster Verwandter, der Sumpfrohrsänger. Auch was das Aussehen betrifft, sind die beiden Arten nur schwer voneinander zu unterscheiden.

Beim Teichrohrsänger ist die Oberseite rötlich braun, die Unterseite dagegen bräunlich weiß. Am hellsten ist das Gefieder an der Kehle gefärbt. Der flache, spitze Kopf mündet in einen langen Schnabel. Über dem Auge findet sich ein ganz schwacher, heller Streif, der auch nicht bis hinter das Auge reicht. Männchen und Weibchen unterscheiden sich bei den Teichrohrsängern nicht.

Vorkommen

Teichrohrsänger sind in ganz Mitteleuropa verbreitet, hier wird der Bestand auf etwa drei Millionen Brutpaare geschätzt. Schwerpunkte liegen in Deutschland, Schweden, Russland und Rumänien. Ein weiteres Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Asien und reicht dort vom Nordosten Kasachstans bis in die nordwestliche Mongolei. Den Winter verbringen die Langstreckenzieher in Afrika, südlich der Sahara.

Wie ihr anhand seines Namens sicher schon ahnt, lebt der Teichrohrsänger in den Schilfdickichten und Ufergebüschen von Gewässern. Große Seen kommen dabei ebenso infrage wie der kleinste See oder Tümpel. Hauptsache, es gibt senkrecht wachsende Röhrichtpflanzen.

Verhalten und Wissenswertes

Nirgends ist der Teichrohrsänger so in seinem Element wie im Schilf, denn dort muss er nicht mal fliegen, um sich fortzubewegen. Geschickt hüpft und klettert er von Halm zu Halm, nur mit Hilfe seiner kräftigen Beine. Sie ermöglichen es ihm auch, an einem einzelnen Stängel hoch- und runterzurutschen. Auf diese Weise erbeutet der kleine Vogel auch seine Nahrung, die aus Weichtieren, Spinnen, Insekten und deren Larven besteht. Dabei ist kaum ein Beutetier größer als zehn Millimeter.

Im Schutz des Röhrichts muss der Teichrohrsänger zwar keinen Flügel rühren, das bedeutet aber nicht, dass er nicht fliegen kann. Vielmehr ist er ein richtiger Luftsportler, denn seine Fluggeschwindigkeit beträgt etwa zehn Meter pro Sekunde!

Auch bei der Fortpflanzung spielt Schilf eine entscheidende Rolle. Das filigrane und doch sehr stabile Nest wird nämlich aus Gräsern und Schilfrohr gefertigt und zwischen mehreren Halmen über dem Wasser aufgehängt. Das Weibchen legt anschließend drei bis fünf Eier, die etwa zwei Wochen lang von beiden Eltern bebrütet werden. Nachdem sie geschlüpft sind, bleiben die Jungen noch weitere zwei Wochen im Nest.

Häufig kommt es vor, dass ein Kuckuck sein Ei in das Nest eines Teichrohrsängers legt. Die unfreiwilligen Adoptiveltern ziehen den fremden (und viel größeren!) Nestling mit auf, was oft große Nachteile für ihre eigenen Jungen bedeutet.

Der Teichrohrsänger war Vogel des Jahres 1989. Schon damals sorgte man sich um Pflanzen und Tiere, die an Schilf und andere Röhrichte gebunden sind. Ihre Lebensräume leiden unter Entwässerung, Uferverbauung und überschüssigen Nährstoffen im Wasser.

Bild: Ron Knight (Lizenz: CC BY 2.0)

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