Die Zukunft des „Grasrätschers“: Wachtelkönige in Europa

Die Zukunft des „Grasrätschers“: Wachtelkönige in Europa

 

Ein König ohne Königreich? Es sind die hohen, extensiv genutzten Grünflächen, die der Wachtelkönig zum Überleben braucht. Doch gerade diese Landschaften werden in Europa immer seltener.

Wir stellen vor: Crex Crex

Sein Name lässt uns zwar an die Familie der Hühnervögel denken, doch tatsächlich gehört der 25 Zentimeter kleine Wachtelkönig (Crex Crex) zu den Rallen. Früher ließen sich die kleinen Vögel oft gemeinsam mit Wachteln beobachten, was die Menschen zu dem Schluss führte, dass eine Gruppe Wachteln stets einen Anführer braucht – sozusagen einen König. Doch seine Ansprüche sind weit weniger aristokratisch. Eigentlich benötigt der Wachtelkönig nur extensiv genutzte Äcker und Grünflächen, in denen er sich verstecken kann. Nachts und in der Dämmerung ertönen dann die krächzenden Rufe der Männchen, welche im Sommer zu richtigen Konzerten anschwellen.

Wenn ihr mehr allgemeine Informationen zu Aussehen und Lebensweise des Wachtelkönigs sucht, werft doch mal einen Blick in unseren Arten-Steckbrief.

Aktuell: Wachtelkönige in Europa

Wenn ihr euch das europäische Verbreitungsgebiet des Wachtelkönigs anschaut, werdet ihr wohl erst einmal aufatmen. Es sieht ja eigentlich auch ganz gut aus: Von Frankreich bis Russland verläuft ein breites Band, das auch Großbritannien, Skandinavien und Bulgarien noch berührt. Doch die Populationen stehen und fallen mit dem richtigen Lebensraum.

Gerade die Länder, die der EU ab dem Jahr 2000 beigetreten sind (beispielsweise Estland, Lettland und Litauen sowie Polen, Tschechien oder die Slowakei) beherbergen gemeinsam mit Russland und der Ukraine die meisten Wachtelkönige. Es sind aber auch genau diese Länder, die sich an die Agrarpolitik der EU anpassen und somit vieles verändern müssen. Sie wandeln Grünland entweder in Äcker um oder geben die Bewirtschaftung ganz auf. Beides bedeutet Lebensraumverlust für den Wachtelkönig.

Ein gesunder Mittelweg ist in Teilen der ehemaligen Sowjetunion zu beobachten. Dort sind feuchte Grünflächen, die nur noch halb so intensiv genutzt werden wie vorher, bei den Wachtelkönigen äußerst beliebt. Auch auf Inseln nordwestlich vor Schottland fühlen sich die „Grasrätscher“ wohl, denn dort werden die Weiden traditionell extensiv genutzt. Außerdem setzen sich die Bewohner schon seit über 20 Jahren für den Wachtelkönig und seine Lebensräume ein. Den aktuellen negativen Bestandstrend für ganz Schottland können aber auch sie nicht aufhalten.

Rätselhafte Schwankungen

Wachtelkönige in Europa scheinen permanentes Fernweh zu haben. Anhand von Sendern und Beringungen fanden Forscher heraus, dass die Männchen innerhalb einer Brutsaison bis zu 1.500 Kilometer auf dem Kontinent zurücklegen. Das könnte damit zusammenhängen, dass Wachtelkönige mehr als eine Jahresbrut benötigen, um ihre Art zu erhalten. Und wer den Ort wechselt, hat bessere Chancen auf neue Brutplätze und –partner. Aber auch außerhalb der Brutzeit überwinden sie beachtliche Entfernungen. Auch Faktoren wie das Wetter in bestimmten Regionen beeinflussen die Populationen. Außerdem kommen wandern immer wieder größere Gruppen aus Osteuropa weiter in den Westen. Somit wären auch in Deutschland wieder Ansiedlungen möglich. Doch welche Bedingungen müssten dafür erfüllt sein?

Schutzmaßnahmen und Forschung der Zukunft

Zum einen müssten die Landwirte ihre Mahdtermine verschieben und so die brütenden Wachtelkönige entlasten. Denn gerade dann brauchen die Vögel natürlich besonders viel Schutz und Ruhe. Da sie allerdings so mobil sind und selten mehrmals am selben Ort brüten, könnten diese Vorgaben immer wieder flexibel angepasst werden.

Zum anderen könnten mit nicht gemähten Schutzstreifen sichere Neststandorte entstehen. In Sachsen-Anhalt wird dies bereits erfolgreich umgesetzt. Außerdem wäre es sinnvoll, manche Teilflächen von Feldern und Wiesen fortan extensiv zu bewirtschaften. Denn wie bereits festgestellt, nutzt es dem Wachtelkönig nicht viel, wenn eine Landschaft komplett sich selbst überlassen wird. Welch schöne Inspiration für eine sanfte Bewirtschaftung im Einklang mit der Natur!

 

Foto: Ron Knight (Lizenz CC BY 2.0)

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