Trauerente – Quirliger Meeresvogel

Trauerente – Quirliger Meeresvogel

Besonders schwermütig wirkt die Trauerente nicht. Stattdessen wird nach Herzenslust getaucht, geschwommen und gejagt, denn die Trauerente ist ein typischer Meeresvogel, der nur zur Brut einen Fuß auf trockenes Land setzt.

Aussehen

Unser Vogel der Woche ist ein kleinerer Entenvogel und wird etwa 50 Zentimeter lang. Die Trauerenten sind nicht trübseliger als andere Vögel, sondern tragen ihren Namen wegen des tiefschwarzen Gefieders der Männchen. Ihr einziger Farbfleck befindet sich auf dem kräftigen Schnabel mit dem dicken Höcker. Dort leuchtet ein gelber Fleck, manchmal noch von Orange oder Rot begleitet.

Die Weibchen sind zarter und viel leichter als die Männchen. Ihr Gefieder ist mittelbraun, mit kaum sichtbaren weißen Tupfen auf dem Rücken. An den Wangen sind sie hellbraun, so dass man den nach oben gebogenen Winkel des Schnabels besser sehen kann – fast scheint es, als würden sie lächeln. Die Weibchen tragen keinen Höcker auf dem Schnabel, bei ihnen sind außerdem nur die Atemlöcher leicht gelb. Beide Geschlechter haben braunschwarze bis schwarze Füße, natürlich mit kräftigen Schwimmhäuten.

Vorkommen

Eine Trauerente sieht man eigentlich nur dann an Land, wenn sie brütet oder in Not ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Öl ins Meer gerät und den Vögeln das Gefieder verklebt. Sie können sich dann nicht mehr richtig bewegen und kommen geschwächt ans Ufer. Meist enden solche Fälle mit dem Tod der Ente.

Das Brutgebiet der Trauerente liegt im nördlichen Eurasien und reicht bis in den Osten Sibiriens. Vor allem in Island, Norwegen und auf den Britischen Inseln liegen Schwerpunkte. Den Winter verbringen sehr viele Trauerenten vor den Küsten der Nord- und Ostsee. Allein im niedersächsischen Teil des Küstenmeeres sind es bis zu 57.000 pro Jahr. Weil die Vögel so viel Zeit auf dem Wasser verbringen, bekommt man sie recht selten zu Gesicht – typische Meeresenten eben. Trotzdem gehören sie zu den häufigsten Seevögeln an der deutschen Nordseeküste. Für die Zugvogeltage 2019 wurde die Trauerente sogar als Titelvogel ausgewählt.

Verhalten und Wissenswertes

Zum Brüten suchen Trauerenten am liebsten Seen und Flüsse auf, in der arktischen Tundra kommen auch Moore in Frage. Das Nest ist eine flache Mulde am Ufer und wird mit Daunen gepolstert. Im Mai legt das Weibchen sieben bis zehn Eier. Eine ganze Menge, die sie allein behüten muss, denn das Männchen beteiligt sich nicht an der Brut. Nach einem Monat schlüpfen die Jungen und verlassen bald darauf das Nest. Als Nestflüchter können sie schon früh selbst nach Nahrung suchen. Trotzdem bleiben die Kleinen als Grüppchen bei ihrer Mutter und folgen ihr auf Schritt und Tritt.

An Land frisst die Trauerente wirbellose Tiere, aber auch Beeren. Auf See ist das Nahrungsangebot natürlich ganz anders. Dort zeigt sich das enorme Tauchtalent der Enten. Mehrere Tiere schießen dann gemeinsam ins Wasser hinab, Tiefen bis zu 30 Meter sind kein Problem. Die Vögel schnappen sich Muscheln und Schnecken. Ihr muskulöser „Kaumagen“ ist auf so harte Nahrung ausgelegt und kann die Schalen einfach knacken.

 

Foto: Jason Thompson (CC BY 2.0)

Diesen Artikel empfehlen

Diskutieren Sie über diesen Artikel