Waldlaubsänger – Stimmwunder der Baumkronen

Waldlaubsänger – Stimmwunder der Baumkronen

Der Waldlaubsänger ist ein wahres Multitalent. Als Langstreckenzieher, vielseitiger Sänger und Nestbaumeister trotzt er allen Herausforderungen, die das Vogelleben so mit sich bringt.

Aussehen

Mit seinen 7 bis 12 Gramm (bei einer Länge von circa 12 Zentimetern) ist der Waldlaubsänger ein zartes Fliegengewicht. Er hat eine zitronengelbe Kehle, die über die Brust in einen weißen Bauch übergeht. Der Rücken ist gelbgrün, am Kopf fällt ein gelber Überaugenstreif auf. Der Schnabel ist recht kurz und gerade. An den Flügeln finden sich dunkle Akzente. Männchen und Weibchen sehen gleich aus, im Herbst wird ihre Färbung aber immer etwas matter.

Vorkommen

Der Waldlaubsänger ist ein Singvogel Mitteleuropas. Sein Verbreitungsgebiet nimmt in Großbritannien seinen Anfang und verläuft über Skandinavien bis nach Westsibirien. Im Süden berührt die Verbreitungsgrenze Frankreich, Bulgarien, Moldawien und die Ukraine.

Die kleinen Vögel fühlen sich in dichten, feuchten Wäldern wohl. Vor allem Laubwälder mit vielen Buchen beherbergen oft große Waldlaubsänger-Bestände. Ihr könnt ihnen aber auch in Mischwäldern und Parkanlagen mit dichtem Baumbestand begegnen.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Ein wesentliches Merkmal des Waldlaubsängers ist sein durchdringender Gesang. Er besteht aus zwei Strophen. Die erste klingt ein bisschen wie eine anlaufende Nähmaschine oder ein stotternder Motor. Die zweite ist monotoner und besteht aus lauten, wehmütigen „djüh“-Tönen. Die beiden Strophen können nacheinander, aber auch getrennt vorgetragen werden. Meist ertönt der Gesang im Flug, wenn der Waldlaubsänger einen anderen Sitzplatz anfliegt.

Auch bei der Balz spielt der laute Gesang eine wichtige Rolle. Er erklingt von hoch oben aus den lichten Baumkronen, wo sich die Vögel auch sonst oft verbergen. Wenn sich ein Paar gefunden hat, beginnt die große Kunst des Nestbaus. Bei den Waldlaubsängern hat es die Form einer Kugel und eine runde Öffnung. Es wird allerdings nicht in den Bäumen, sondern im Bodengestrüpp verankert. Das Weibchen legt 6 bis 7 Eier, während das Männchen sich schon wieder nach einem zweiten Weibchen umsieht. Nach etwa zwei Wochen Brutzeit schlüpfen die Jungen und bleiben noch 12 bis 13 Tage im Nest.

Waldlaubsänger erfreuen uns Europäer nur von April bis September mit ihrem Gesang. Für den Winter brechen sie ins tropische Afrika auf und sind auf dieser langen Reise meist nachts unterwegs.

Foto: Frank Vassen (Lizenz: CC BY 2.0)

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