Seltene Prominenz – Sumpfohreulen in Deutschland

Seltene Prominenz – Sumpfohreulen in Deutschland

Die schönen Sumpfohreulen sind in Deutschland leider schon zur Rarität geworden. Umso größer ist die Begeisterung, wenn sich gleich mehrere von ihnen zeigen –etwa auf einer Hundewiese in Cuxhaven.

Bis zu 50 Fotografen auf einmal, auf einer verwilderten Hundewiese im Cuxhavener Hafengebiet. Für so viel Furore sorgte nicht der beste Freund des Menschen, sondern eine kleine Ansammlung von Sumpfohreulen. Zwischen Dezember 2015 und März 2016 hielten sich etwa sechs Exemplare dort auf, zwischen Jachten, Wohnwagen, dem Deich – und immer mehr Menschen. Dabei zeigten sie allerdings kaum Scheu, ließen sich in Ruhe fotografieren und duldeten sogar Hunde in nächster Nähe.

Die Cuxhavener Eulenwiese

Immer wieder zeigten die Vögel ihren eindrucksvollen Jagdflug und „rüttelten“ ein paar Meter über dem Boden durch die Luft. Um eine Maus aufzuspüren, benutzen sie vor allem ihre Ohren. Das sind allerdings nicht die kleinen Federbüschel oben auf dem Kopf! Tatsächlich liegen die Ohren an den Seiten des Kopfes, neben den Augen. So betrachtet erfüllen die halbkreisförmig angeordneten Federn am Kopf auch einen Zweck. Sie funktionieren wie Schalltrichter und leiten jedes noch so kleine Geräusch an die Ohren weiter. Aber selbst wenn die Mäuse keinen Mucks von sich gäben, würde ihr Urin sie verraten. Dieser leuchtet für die Eulen wie ein Signal am Boden, weil er UV-Licht reflektiert.

Der Grund für das Cuxhavener Naturschauspiel ist einfach. Der Besitzer des Grundstücks ließ die Wiese nicht mehr mähen, sie wurde nach und nach zu einem Paradies für Mäuse. Und so einen reich gedeckten Tisch wollen sich Sumpfohreulen nicht entgehen lassen. Deshalb konnten auch Hunde und Menschen sie nicht vertreiben, außer wenn die Schaulustigen querfeldein auf die Eulen zugingen.

Sumpfohreulen in Deutschland stark gefährdet

Solche tollen Erlebnisse wie das in Cuxhaven können leicht über die traurige Realität der Sumpfohreulen in Deutschland hinwegtäuschen. Fakt ist jedoch, dass der Brutbestand nur noch zwischen 50 und 180 Paaren liegt. Der Schwerpunkt liegt an der Nordsee. Dort leben die Eulen in den Dünen und auf den Heiden und Salzwiesen. Im deutschen Binnenland sind sie seltener anzutreffen, dort werden Moore und Grünland mit dichter Vegetation angeflogen. Während der kleine Bestand an der Küste recht konstant ist, stehen und fallen die Binnenland-Populationen mit den Mäusen. Ein gutes Mäusejahr ist immer ein Segen für die Sumpfohreulen.

Gibt es allerdings weniger Nager, wird es auch für die lautlosen Jäger sehr schnell eng. Im Winter schließen sie sich deshalb gerne zu größeren Gruppen zusammen und suchen gemeinsam nach Nahrung. In Cuxhaven wurde auch beobachtet, wie die Eulen Stunden vor einem kräftigen Wintereinbruch bereits Vorräte anlegten. Sie erbeuteten Mäuse und trugen sie zu bestimmten Stellen auf der Wiese. Als dann der Schnee gefallen war, konnte sich die ganze Gruppe immer wieder an den Nahrungsdepots bedienen.

Allein solche Beobachtungen machen uns klar, wie faszinierend und schützenswert die Eulen mit den falschen Federohren sind. Wir Menschen sollten Moorlandschaften und Feuchtwiesen aktiv schützen – und manchmal vielleicht auch einfach die Rasenmäher stehen lassen.

Aktuelle Beobachtungen der Sumpfohreule könnt ihr zum Beispiel beim Naturgucker, dem Beobachtungsnetzwerk vom NABU, verfolgen.

 

Foto: U.S. Fish and Wildlife Service Headquarters (Lizenz: CC BY 2.0)

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