Wiesenpieper – Vogel des Offenlandes

Wiesenpieper – Vogel des Offenlandes

Der Wiesenpieper ist ein Vogel, der seinem Namen durchaus gerecht wird: er liebt feuchte Wiesen und andere offene Landschaften und wenn er den Schnabel auftut, hört das Fiepen und Piepen gar nicht mehr auf.

Aussehen

Wiesenpieper werden etwa 15 cm groß (erreichen daher die Größe eines Sperlings), wirken aber durch ihren schlanken Körperbau größer. Sie sind auf den ersten Blick recht unauffällig, ihre Oberseite ist olivgrün bis braun mit dunkelbraunem Streifenmuster, Brust und Bauch dagegen weiß mit einem ebensolchen Muster, das sich auf dem hellen Grund gut erkennen lässt. Der Kopf trägt einen zarten, weißen Überaugenstreif, der Schnabel ist dunkel, gerade und recht dünn, die Beine zartrosa. Auffällig ist auch die lange Hinterzehe am Fuß, sie fällt allerdings nicht sofort ins Auge. Einen sichtbaren Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt es nicht.

Viele Menschen verwechseln den Wiesen- mit dem Baumpieper, was aber kein Wunder ist, da die beiden Arten sich äußerst ähnlich sehen. Der Baumpieper ist

  • etwas größer als der Wiesenpieper
  • hat einen kräftigeren Schnabel
  • eine gelblichere Brust
  • und hält sich eher auf Ästen auf.

Vorkommen

Der Wiesenpieper verfügt über ein recht großes Brutgebiet, das sich vor allem über den Norden Europas und Asiens erstreckt. Es reicht von der Region um Grönland und Island bis West-Sibirien, im Westen begrenzt von den Britischen Inseln und Nordfrankreich. In Richtung Süden gibt es auch in der Ukraine, der Slowakei und Polen noch Bruten.

Wiesenpieper sind Kurz- und Mittelstreckenzieher, das heißt, sie verbringen die kalten Monate in relativ geringer Entfernung zu ihren Brutgebieten. Manche bleiben gleich in den nördlicheren Regionen von Europa, der Großteil begibt sich jedoch zum Mittelmeer.

In Deutschland haben die Bestände des Wiesenpiepers leider eine negative Tendenz, da seine Lebensräume immer mehr verloren gehen. Grund dafür ist unter anderem die intensive Landwirtschaft (Grünlandumbruch usw.). Ein gutes Wiesenpieper-Gebiet ist zum Beispiel die bayerische Rhön.

Was den Lebensraum im Brutgebiet angeht, mögen Wiesenpieper am liebsten Dauergrünländer, Moore und Heiden – also Flächen mit genug Bodenvegetation, die sie trotzdem noch gut überblicken können. Zu diesem Zweck sitzen sie gern auf höheren Sträuchern oder Weidezäunen. Meist befindet sich ein Gewässer in der Nähe ihrer Reviere.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Die kleinen Pieper rufen ein hektisches, scharfes „iiiht-iht-iht“. Ihr Flug kann als „hüpfend“ beschrieben werden, er wirkt etwas flatterhaft und unsicher.

Im Sommer ernähren sich Wiesenpieper vor allem von Insekten und Spinnentieren, im Winter kommen noch Sämereien und kleine Schnecken hinzu.

Den Zug in den Süden unternehmen diese Vögel meist in größeren Trupps, sind dabei aber recht vorsichtig, so dass sie nicht gleich auffallen. Sie halten sich dann auf Feldern und an den Rändern kleinerer Teiche auf, meist in hohem Gras.

Im März und April treffen Wiesenpieper in ihren Brutgebieten ein. In gut geschützten Mulden der offenen Landschaften bauen sie ihre Bodennester, die gut von der umliegenden Pflanzenschicht geschützt werden. Nach dem Schlüpfen bleiben die Nestlinge noch etwa zwei Wochen im Nest und tragen dabei ein bräunlich-graues Dunenkleid und gelbe Schnäbel.

  • Um dem Wiesenpieper wieder einen attraktiven Lebensraum zu geben und den bestehenden zu schützen, gibt es verschiedene Projekte, etwa ein Artenhilfskonzept für Hessen.

Foto: Kev Chapman (Lizenz: CC BY 2.0)

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