Zwergohreule – wandelbarer Winzling

Zwergohreule – wandelbarer Winzling

Dass sie so klein ist, macht sich die niedliche Zwergohreule geschickt zunutze und wird in ihren Baumhöhlen nahezu unsichtbar. Sie liebt warme Gefielde und macht sich dennoch nichts aus Sonnenbädern. Porträt einer faszinierenden Art.

Aussehen

Den Titel der kleinsten Eulenart trägt zwar nach wie vor der Sperlingskauz, aber direkt nach ihm reiht sich die Zwergohreule ein. Ihr könnt sie euch etwa so groß wie eine Amsel vorstellen. Allerdings ergibt sich hier bereits eine Besonderheit. Denn die Zwergohreule kann ihre großen fedrigen Ohren sehr wirksam einsetzen. Legt sie sie flach an den Kopf, wirkt sie eher klein und gedrungen. Stellt sie die Ohren allerdings auf, ist ihre Erscheinung gleich viel imposanter und sie wirkt größer und bei Bedarf auch bedrohlicher.

Das Gefieder der Zwergohreule ist grau-braun und mit weißen Tupfen und Mustern gezeichnet, die je nach Exemplar natürlich variieren. Auf der Unterseite des Körpers sind schwarze Längsstreifen zu sehen. Die Augen sind gelb-orange. Der Schnabel ist dunkel und spitz und unterstützt bei aufgestellten Ohren die dreieckige Gesichtsform der Eule.

Vorkommen

Die Zwergohreule liebt vor allem warme, trockene Landschaften. Es ist also nicht verwunderlich, dass sie in Spanien, Kroatien, Griechenland, Italien und der Türkei vorkommt. Dort bewohnt sie Oliven- und Pinienbestände, aber auch lichte Wälder und Parks können zu ihrem Lebensraum werden. Auch in Südrussland gibt es beachtliche Bestände. Ihre Verbreitung in der Schweiz und in Österreich ist in den letzten Jahren leider stark zurück gegangen, in Deutschland werden jedes Jahr Zwergohreulen in Bayern beobachtet. Hier fehlt es allerdings meist an Brutnachweisen.

Im Winterhalbjahr macht sich die Zwergohreule in die Savannen Afrikas auf.

Der weltweite Bestand wird auf etwa 90 000 Paare geschätzt. In vielen Ländern macht jedoch eine intensivere Landwirtschaft der Zwergohreule das Leben schwer. Ihr Lebensraum wird immer kleiner und der Einsatz von Bioziden nimmt ihr die Nahrung.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Wie wir bereits festgestellt haben, ist die Zwergohreule eine Meisterin der Tarnung und Verwandlung. Die holzähnliche Färbung ihres Gefieders ermöglicht es ihr, vor Baumstämmen und in lichten Wäldern optisch zu verschwinden. Auch die langen Ohren können ihr zwei sehr verschiedene Erscheinungen verleihen, denn wenn sie angelegt sind, scheint die Eule gar keine Ohren mehr zu haben.

Der Ruf der Zwergohreule tarnt sie dagegen nicht, sondern ist charakteristisch und auffällig. Ihr könnt ihn euch als eintöniges „Diü“ vorstellen, das oft stundenlang wiederholt wird, immer mit dem gleichen Abstand. Verwechseln kann man diesen Ruf höchstens mit dem Piepen eines Peilsenders – und kurioserweise mit dem Ruf der Geburtshelferkröte.

Zwergohreulen verhalten sich durchgehend nachtaktiv und verbringen den Tag meist regungslos in ihrem Unterschlupf, wobei jede Eule ihre eigene Höhle bewohnt. In der Nacht bricht sie schließlich zur Jagd auf und erbeutet vor allem Insekten wie Heuschrecken, verschiedene Käfer, Zikaden und Nachtschmetterlinge. Zwergohreulen beobachten von einem niedrigen Sitz aus aufmerksam ihre Umgebung, bis sie ein Beutetier erspäht haben und im Flug mit den Fängen ergreifen.

Foto: heymeadow (Lizenz: CC BY-SA 2.0) / flickr.com

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