Vogelgesang in der Stadt: Wer zwitschert im „City Slang“?

Vogelgesang in der Stadt: Wer zwitschert im „City Slang“?

Vogelgesang in der Stadt unterscheidet sich von den Gesängen im natürlichen Lebensraum. Stadtvögel müssen ihr Gezwitscher der lauten Umgebung anpassen. Wie sie das genau machen, lest ihr hier.

Wenn Singvögel ihre Strophen vortragen, klingt das nicht nur hübsch. Der Gesang hat viele verschiedene Funktionen: Er dient zur Revierabgrenzung, hilft bei der Verteidigung gegen Artgenossen und ist ein wichtiges Lockmittel in der Paarungszeit. Die Männchen geben sich alle Mühe in ihren Gesangswettbewerben, um den Weibchen wichtige Informationen zukommen zu lassen: „Ich singe laut und schön, also bin ich besonders fit! Ich bringe Vaterqualitäten und gute Gene mit!“

Vogelgesang in der Stadt: Eine Frage der Frequenz

In der freien Natur müssen sich Singvögel vor allem gegeneinander behaupten. Bei einem Waldspaziergang kommt man daher oft in ein vielstimmiges Vogelkonzert hinein. Aber wie hört sich das in der Stadt an?

Dort ist die Lärmbelastung aus der Umgebung viel höher: Autos Züge, Straßenbahnen und Baustellen übertönen so einiges. Diese Art von Lärm findet meist in eher niedrigen Frequenzbereichen statt. Deshalb sind vor allem Vogelarten betroffen, die ebenfalls in diesen niedrigen Frequenzen singen, zum Beispiel Amsel und Kohlmeise. Diese beiden, aber auch andere Singvögel, wurden schon häufiger untersucht. Es zeigte sich, dass die Vögel an lauten Standorten die Minimalfrequenz ihres Gesangs erhöhen.

Lauter, länger, früher

Doch die Frequenz zu verändern, reicht den Vögeln offensichtlich nicht aus, um sich Gehör zu verschaffen. Sie zeigen außerdem ein Verhalten, das wir auch von uns Menschen kennen. Wenn wir uns unterhalten und dann ein lauter Zug vorbeirattert, sprechen wir automatisch lauter. Auch Vögel passen sich so an ihre Umgebung an. Dieses Verhalten konnte man sogar schon bei Nestlingen beobachten.

Eine weitere Anpassung betrifft die Dauer der Strophe. Hier gibt es verschiedene Strategien: Manche Vögel tragen in der Stadt kürzere Strophen vor als in der Natur. Diese Sänger passen Lärmpausen (wie zum Beispiel Ampelphasen) ab, um in der kurzen Ruhe zu singen. Es gibt auch Arten, denen diese Vorgehensweise wohl zu riskant ist. Sie singen lieber länger und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit, gehört zu werden.

Neben all diesen Tricks haben Vögel wie Amsel, Kohlmeise, Blaumeise und Rotkehlchen auch einfach gelernt, sehr früh aktiv zu werden. Sie entgehen den Hauptlärmzeiten (zum Beispiel durch den Berufsverkehr), indem sie schon in der Nacht oder in den sehr frühen Morgenstunden singen.

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