Deutsche Brutvögel weiter in Gefahr

Alexandra Huth 26. Oktober 2016 1 Kommentar zu Deutsche Brutvögel weiter in Gefahr
Deutsche Brutvögel weiter in Gefahr

Zwar geben sich Vogel- und Naturschützer aus Bevölkerung und Regierung viel Mühe, um unsere Vogelwelt zu schützen, doch der Weg ist noch lang und viele Schutzmaßnahmen bestehen noch immer nur auf dem Papier. Eine Bilanz für das Jahr 2014 beleuchtet die Ursachen der negativen Trends.

Zwischen Grünlandumbruch und Pestiziden

Deutsche Brutvögel werden nach wie vor stark von der immer intensiver werdenden Landwirtschaft bedroht. Immer mehr Felder werden mit Monokulturen bepflanzt, mechanisch abgeerntet und mit Pestiziden belastet. Darunter leiden sehr viele Arten, zum Beispiel der Ortolan oder die Grauammer. Auch der Umbruch von Grünland und Entwässerungen durch abgesenktes Grundwasser verändern die Landschaft so, dass sie für Brutvögel immer ungeeigneter wird, etwa für Kiebitz und Uferschnepfe.

Vor allem wenn sich die Art oder die Intensität der Landwirtschaft auf einer Fläche kurzfristig ändert, haben die Vögel und auch alle anderen Tiere kaum Zeit, sich darauf einzustellen. Daher gehören solche Umstellungen zu den schwerwiegenden Einflüssen für deutsche Brutvögel, gefolgt von Entwässerung, plötzlicher Nutzungsaufgabe, Störungen durch Sport und Freizeit sowie Konkurrenz mit anderen Arten.

Eine ganz spezielle negative Entwicklung, die durch die intensive Landwirtschaft zustande kommt, ist der Rückgang von Insekten. Denn wo mit Insektiziden gearbeitet wird, ist Nahrung für die Vögel bald Mangelware. Langzeitstudien konnten nachweisen, dass die Biomasse in Deutschland seit den 1950er Jahren um unglaubliche 90% zurückging!

Das bekommen zum Beispiel Feldlerche, Gartenrotschwanz oder auch Rauch- und Mehlschwalbe zu spüren, die sich gern von Kleininsekten und Spinnen ernähren. Größere Insekten wie Heuschrecken und Tagfalter sind in Deutschland schon seit Jahrzehnten Mangelware. Dass nun aber auch die Bestände an Kleininsekten langsam zusammenbrechen, lässt die Lage immer kritischer werden.

Auch Wasservögel bedroht

Je nach dem, an welcher Küste sie sich aufhalten, sind auch die Wasservögel, die bei uns überwintern, bedroht. An erster Stelle steht für viele die Fischerei, denn Arten wie Sterntaucher, Eisente und Mittelsäger verfangen sich oft in den Netzen. Basstölpel und Trottellumme haben vor allem unter der Verschmutzung des Meerwassers zu leiden, meist verursacht durch Öl.

Die Produktion erneuerbarer Energien wird früher oder später ebenfalls ein besorgniserregender Faktor für Wasservögel werden, da die entsprechende Technik immer weiter ausgebaut wird. Zur Gefährdung von  Vögeln durch Windkraft findet ihr auch einen Artikel auf Vogel und Natur.

Vogelschutz nur auf dem Papier?

742 Europäische Vogelschutzgebiete gibt es in Deutschland. Das klingt erst einmal ganz gut, aber viele dieser Gebiete bekommen nicht mehr als diesen hochtrabenden Namen. Denn für nur 19% von ihnen gibt es bisher konkrete Schutzpläne, und selbst die werden nicht immer umgesetzt. Dabei gibt es durchaus Beispiele, die zeigen, wie positiv tatsächlich durchgeführte Schutzmaßnahmen wirken können. Doch damit das keine Einzelfälle bleiben, muss in vielen Gebieten „Schutz“ vom bloßen Wort zur Tat werden.

Foto: Frank Vassen (Lizenz: CC BY 2.0)

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1 Kommentar

  1. Toni Kuen 27. Oktober 2016 um 13:16 Uhr

    Zudem werden jedes Jahr Millionen Vögel im Mittelmeerraum illegal abgeschossen Viele dieser armen Geschöpfe geraten auch in Leimruten oder ausgelegten. Netzen. Die Strafen sind meist so gering, dass die illegale Jagd nach unserer Vogelwelt munter weitergeht. Vergehen gegen die FFH Richtlinien sollen massiv bestraft werden.
    Die Nahrung für die Vögel wird immer weniger. Intensive Landwirtschaft und Monokultur lässt viele Arten verschwinden. Pestizide setzen den Insekten und anderen Tieren zu. Dadurch wird die Nahrung für die Vögel immer weniger. Unser Garten ist giftfrei und so gestaltet, dass sich Vögel und Insekten darin wohlfühlen. Dafür haben wir das ganze Jahr eine schöne Artenvielfalt. Trotzdem merke ich nach Zählungen einen Rückgang im Garten. Beste Grüße und Danke für Eure wertvolle Arbeit !!!

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