Europäische Wildkatze – Die scheue Jägerin
| Name | Europäische Wildkatze oder Waldkatze (Felis silvestris) |
| Größe | ca. 47 bis 65 cm |
| Verbreitung | Iberischen Halbinsel, Frankreich, Deutschland, Italien, Südosteuropa, Italien Anatolien und Kaukasus |
| Lebensraum | naturnahe Misch- und Laubwälder |
| Nahrung | Samen, selten auch Insekten |
Die Europäische Wildkatze ist eine begnadete Jägerin, die wenig mit unserer Hauskatze gemein hat. Sie ist äußerst scheu, bleibt gern verborgen und jagt meist in der Dunkelheit, wodurch sie leider nur selten zu beobachten ist. In diesem Artikel lernst du sie (dennoch) genauer kennen und erfährst, wie sie von der Hauskatze zu unterscheiden ist, wo sie lebt und wie sie sich in ihrem Lebensraum verhält.
Aussehen
Mit einem flüchtigen, ungeübten Blick kann man eine Europäische Wildkatze schon mal für eine Hauskatze halten. Doch beim genauen Hinsehen sind beide gut zu unterscheiden. Die Wildkatze erscheint im Allgemeinen massiger und kraftvoller als eine Hauskatze – besonders im langen Winterfell. Deutlich zu erkennen, ist sie auch an ihrem dicken, buschigen Schwanz, der mehrere schwarze Ringe und ein stumpfes, schwarzes Ende aufweist.
Das Fell der Wildkatze variiert von gelblich-braun über rötlich-grau bis silber-grau. Auf dem Rücken und an den Seiten hat sie eine Streifenmusterung, die im westlichen Verbreitungsgebiet Europas in der Regel deutlicher ausgeprägt ist als im östlichen. Die meisten Wildkatzen haben auf dem Rücken zudem eine durchgehende schwarze Linie, die an der Schwanzwurzel endet.
Vorkommen
Die Europäische Wildkatze ist in Europa weit verbreitet. Bei uns ist sie beispielsweise in einem breiten Streifen von der Mitte Deutschlands (Leine-Weser, Harz, Hainich) bis in den Westen (Eifel, Hunsrück) zuhause. Darüber hinaus erstreckt sich ihr Vorkommen weiter südwestlich über Luxemburg und Ostbelgien bis nach Nordostfrankreich. Man findet die Europäische Wildkatze aber auch auf der Iberischen Halbinsel, in Italien, Südosteuropa, Anatolien und im Kaukasus. Außerdem hat sie sich die schottischen Highlands als Lebensraum erobert.
Die Europäische Wildkatze lebt vorwiegend in naturnahen Wäldern, weshalb sie auch Waldkatze genannt wird. Ihre erste Wahl sind intakte Laub- und Mischwälder mit altem Baumbestand, weil sie dort die idealen Voraussetzungen zum Jagen, Schlafen und zur Aufzucht ihrer Jungen vorfindet. Europäische Wildkatzen sind aber auch entlang von Küsten, am Rand von Sumpfgeländen und in Auwäldern zu finden. Im Allgemeinen meidet sie jedoch Gebiete, in denen sie vom Menschen gestört wird.
Verhalten und Wissenswertes
Europäische Wildkatzen ernähren sich hauptsächlich von den verschiedenen Mäusearten, die sich am und im Boden tummeln. Auch große Insekten, Vögel und Eidechsen können von Zeit zu Zeit auf den Speiseplan kommen. Wildkatzen sind vor allem nachtaktiv. Dabei jagen sie meist im Wald – seltener auch am Waldrand. In offenes Gelände wagen sie sich nur dann, wenn es dort schnell erreichbare Verstecke, wie Hecken oder kleine Feldgehölzen gibt. Geschlafen wird tagsüber gern in unterirdischen Dachs- und Fuchsbauten.
Ihr Leben führen Wildkatzen in der Regel als ortstreue Einzelgänger mit einem festen Streifgebiet. Dessen Größe hängt vom Nahrungsangebot ab. Kater haben ein größeres Revier als die Weibchen. Zur Paarungszeit im Januar und Februar erweitern die Kater kurzzeitig ihr Streifgebiet, um ein paarungswilliges Weibchen zu finden. Nach der erfolgreichen Paarung gehen beide wieder getrennte Wege.
Im Frühjahr bringt das Weibchen zwei bis vier Jungen zur Welt und versorgt sie allein. Nach sechs bis acht Monaten müssen die Jungtiere dann auf eigenen Füßen stehen und sich selbst ein Revier suchen. Jedoch haben es die jungen Wildkatzen dabei nicht einfach, da der Mensch den Lebensraum der Europäischen Wildkatze bereits stark eingeschränkt hat – nicht zuletzt durch die starke forstwirtschaftliche Nutzung in Deutschland. Unter optimalen Bedingungen können Wildkatzen bis zu fünfzehn Jahre alt werden.
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