Ein Brutparasit in der Klemme: Neues vom Kuckuck

Ein Brutparasit in der Klemme: Neues vom Kuckuck

Kuckucke kommen in den verschiedensten Lebensräumen vor. Trotzdem gehen die Bestände seit den 60er Jahren zurück – warum?

„Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald“ – so heißt es in einem bekannten deutschen Volkslied. Allerdings beschränkt sich der Lebensraum dieses cleveren Vogels längst nicht nur auf den Wald. Kuckucke kommen auch auf Salzwiesen, subalpinen Ebenen oder in Mooren vor. So gut wie alle Landschaften sind möglich, für die Nahrungssuche bevorzugen Kuckucke aber lichte Wälder und abwechslungsreiches Offenland. Wie die meisten anderen Vögel können sie mit der intensiv genutzten Agrarlandschaft nichts anfangen.

Weniger Raupen, weniger Kuckucke

Die Leibspeise eines Kuckucks hierzulande sind Schmetterlingsraupen. Vielleicht habt ihr schon mal eine gesehen – sie sind groß, dick und sehr haarig. Aus diesem Grund werden sie von den meisten anderen Vögeln gemieden, dem Kuckuck machen die Haare aber nichts aus. Die meisten der Raupen stammen von großen Nachtfalterarten. Früher konnten die Raupen in extrem großer Zahl auftreten und verheerende Fraßschäden in Wäldern hinterlassen (Die Geschichte von der „Raupe Nimmersatt“ gibt es nicht grundlos). Aus diesem Grund waren Kuckucke im 19. Jahrhundert gern gesehene Gäste bei deutschen Forstleuten, weil sie halfen, die Raupenplage einzudämmen.

Heute übernehmen Hubschrauber diese Aufgabe. Sie verspritzen Pestizide über den Wäldern und verhindern so, dass sich die Raupen ausbreiten. Das bedeutet aber auch, dass die Nahrung der Kuckucke vernichtet wird. Das passiert auch auf Feldern und im Grünland, so dass die Vögel ihre Leibspeise kaum noch ausreichend vorfinden. Sie müssen deshalb auf andere Insekten wie Käfer, Libellen und Heuschrecken ausweichen. Das macht das Nahrungsangebot für alle heimischen und durchziehenden Insektenfresser knapper.

Mangel an Wirtsnestern

Wie ihr sicher wisst, kümmern sich Kuckucke nicht um das Ausbrüten und Großziehen ihre Küken. Sie suchen sich dazu so genannte Wirtsvögel. Etwa 45 Vogelarten, allesamt insektenfressende Singvögel, sind als Wirtsvögel des Kuckuck bekannt. Ein Weibchen sucht sich stets Wirtsvögel der Vogelart aus, von der es selbst großgezogen wurde. Es legt meist etwa zehn Eier, alle einzeln in verschiedene Nester. Die Eier und Jungvögel der Wirtseltern schubst das Kuckucksküken nur wenige Stunden, nachdem es geschlüpft ist, aus dem Nest.

In letzter Zeit wird es für die Weibchen aber immer schwerer, genug Wirtsnester zu finden. Das liegt unter anderem am Klimawandel. Durch die höheren Temperaturen verschiebt sich der Brutbeginn vieler Wirtsvögel nach vorne. Die Kuckucke kommen allerdings nach wie vor zur selben Zeit aus ihren Wintergebieten in Afrika zurück. Der Mangel an Wirtsnestern erklärt sich auch dadurch, dass die Bestände vieler Vogelarten wegen Nahrungs- und Lebensraumschwund zurückgehen.

Wusstet ihr…

  • dass Kuckucke die Farbe ihrer Eier den Wirtsvögeln anpassen? Auf Mönchsgrasmücke geprägte Weibchen legen zum Beispiel cremefarbene Eier mit braunen Flecken. Bei auf Hausrotschwanz geprägten Weibchen sind die Eier dagegen türkis und fleckenlos.
  • dass es nahezu 150 Kuckucksarten gibt? Nur ein Drittel davon parasitieren andere Arten, der Rest baut eigene Nester.
  • dass der charakteristische Kuckucks-Ruf der Balzgesang der Männchen ist? Gelegentlich lassen sie ihn auch nachts ertönen.
  • dass der Kuckuck bereits 2008 vom NABU zum Vogel des Jahres erklärt wurde, um auf die Faktoren Wirtsvogelschwund und Klimaerwärmung aufmerksam zu machen?

Titelfoto: Imran Schah (Lizenz CC BY SA 2.0)

Diesen Artikel empfehlen

Diskutieren Sie über diesen Artikel