Aktualisierte Rote Liste – Immer mehr Vögel in Gefahr

Aktualisierte Rote Liste – Immer mehr Vögel in Gefahr

Für die Rote Liste gefährdeter Arten gibt es eine neue Aktualisierung. Schwerpunkt: über 200 Vogelarten und ihre derzeitige Situation. Die Ergebnisse zeigen einen bedrohlichen Trend, der alle Kontinente der Erde betrifft. Schneeeule, Weidenammer und Dreizehenmöwe sind nur einige von vielen Arten, die bereits in extremer Gefahr schweben.

Gute und schlechte Nachrichten

BirdLife International (der für Vögel zuständige Partner der IUCN) hat die Lebenssituation von 238 Vogelarten neu eingeschätzt. Das Ergebnis enthält sowohl gute als auch schlechte Nachrichten. Die guten zuerst: 28% der Arten konnten herabgestuft, also einer weniger bedrohten Kategorie zugeordnet werden. Grund dafür sind die oft sehr aufwändigen Maßnahmen von Naturschützern. So konnte zum Beispiel der Krauskopfpelikan von „gefährdet“ in die Vorwarnliste herabgestuft werden. Die letzten Kolonien dieser Art leben in Südosteuropa und haben sich seit den 1990er Jahren etwa vervierfacht. Doch solche Erfolge sind leider eher selten.

26% der untersuchten Arten mussten nämlich einer höheren Bedrohungsstufe zugeordnet werden. Dazu gehören unter anderem der Wellenläufer, der Italiensperling und die Waldammer. Die aktuelle Liste führt über 200 Arten als „vom Aussterben bedroht“ an, 461 Arten gelten als „stark gefährdet“ und weitere 786 als „gefährdet“. Die Arten dieser drei Gruppen gelten gemeinsam als im globalen Maßstab bedroht. Sie machen rund 13% aller Vogelarten aus. Mit anderen Worten: Etwa jede achte Vogelart ist (mehr oder weniger akut) vom Aussterben bedroht. Übrigens ist das Vogelsterben kein ausschließlich modernes Phänomen: Seit dem Jahr 1500 sind bereits 156 Vogelarten der Erde ausgestorben.

Extrem gefährdet: Weidenammer, Schneeeule und Schieferfalke

Den katastrophalsten Bestandseinbruch in der neuen Roten Liste hat die Weidenammer zu erleiden. Bis vor Kurzem gehörte sie zu den sehr häufigen Vogelarten, doch nun musst sie als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft werden. Der Hauptgrund: Weidenammern werden, vor allem in China, von Menschen gegessen. Trotz eines Fangverbots von 1997 landen sie massenweise in den Fallen von Vogelfängern, die ihre Ware dann heimlich weiterverkaufen. Gerade in den chinesischen Großstädten gelten die goldgelben Singvögel als Delikatesse. Sie ziehen zum Überwintern über China nach Südostasien – und kommen meist nie wieder zurück. Gegenüber 2002 brach der Bestand nach neuen Schätzungen um mehr als 80% ein.

Schon vor den „Harry Potter“-Filmen begeisterte die wunderschöne Schneeeule Menschen weltweit. Nun wurde bekannt, dass die Art längst nicht so großflächig in der arktischen Tundra verbreitet ist, wie bisher angenommen. Vielmehr halten sich die Eulen in verschiedenen Zentren auf, größere Lücken dazwischen sind keine Seltenheit. Der geschätzte Weltbestand wurde von rund 200.000 Vögeln auf nur noch 14.000 Paare korrigiert. Schneeeulen ernähren sich vor allem von Lemmingen. Diese kleinen Nagetiere werden jedoch immer stärker vom Klimawandel und der sich verändernden Schneeschmelze beeinflusst. So beeinflussen die steigenden Temperaturen eine ganze Nahrungskette und bringen die weißen Eulen in Gefahr.

Habt ihr schon mal vom Schieferfalken gehört? Dieser elegante Jäger lebt in den einsamen Wüsten Arabiens, Nordafrikas und des Nahen Ostens. Den Winter verbringt er hauptsächlich auf Madagaskar. Die Population galt bisher als stabil, neue Zählungen zeigen aber andere Fakten. Demnach gibt es weltweit nur noch circa 2.000 Brutpaare.

Besonders unter Druck: Meeresvögel

Vor allem Seevögel wie Papageitaucher (aktuell „gefährdet“) oder Tordalk (in die Vorwarnliste hochgestuft) leiden unter dem Einfluss des Menschen. Er überfischt die Ozeane, kurbelt die Erderwärmung an und beeinflusst damit auch das Leben in den Meeren. Auch durch Ölverschmutzung und die Fluten von Plastikmüll, die nach wie vor in den Meeren landen, sind unsere Vögel einer ständigen Gefahr ausgesetzt.

Die Rote Liste zeigt beispielsweise im Fall der Dreizehenmöwe einen dramatischen Rückgang. Ihre europäischen Bestände sind nach der neuen Schätzung seit den 1980er Jahren um über 40% geschrumpft. Deshalb lautet ihr neuer Status nun „gefährdet“. Damit hat sie gleich eine Stufe übersprungen und zeigt einmal mehr, wie schnell unser Umgang mit der Umwelt den Vögeln zum Verhängnis werden kann.

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