Ein Spielball des Klimas – Schneeeulen in Europa

Ein Spielball des Klimas – Schneeeulen in Europa

Spätestens seit Schneeeule Hedwig die treue Gefährtin des Zauberlehrlings Harry Potter wurde, erfreut sich die Art nicht nur bei Ornithologen großer Beliebtheit. Eine Forschergruppe untersucht die aktuelle Situation der majestätischen Schneeeulen in Europa.

2011 in Skandinavien: endlose Reihen schaulustiger Menschen, Absperrungen im Umkreis von 500 Metern, ein Polizeihubschrauber. Die Rede ist nicht von einem tragischen Unfall oder den Dreharbeiten zu „Game of Thrones“, sondern von einem Schneeeulen-Nest, das im Jämtland (Mittelschweden) für so viel Aufsehen sorgte. Ein Brutnachweis war öffentlich geworden und viele Menschen strömten zu der besagten Stelle, um das Paar mit seinen Jungvögeln zu sehen. Obwohl Schneeeulen sehr scheu und störungsanfällig sind, gelang es dem Paar, fünf Jungvögel flügge werden zu lassen.

Bedrohung durch Klimawandel

Die Schneeeule polarisiert, ist sie doch mit dem strahlend weißen Gefieder (Weibchen haben übrigens braune Flecken und sind auf der Brust braun gebändert) und den gelben Augen ein wundervoller Anblick. Sie kann eine Flügelspannweite von bis zu 1,80 Meter erreichen und kommt somit an die Größe eines Uhus (Bubo bubo) heran, weshalb sie vor einigen Jahren auch den neuen wissenschaftlichen Namen Bubo scandinacus erhielt.

In Europa ist die weiße Eule hauptsächlich in Grönland, Skandinavien und dem europäischen Teil Russlands zu finden. Vor allem die skandinavischen Exemplare werden seit 2005 von der „Internationalen Schneeeulen-Arbeitsgruppe“ (ISOWG) überwacht, unter anderem per Satellitenelemetrie. Dabei zeigte sich: der Bruterfolg der Schneeeulen hängt stark von der Nahrungssituation in einem Jahr ab.

In Skandinavien ernähren sie sich vor allem von Nagetieren wie Berg-Lemmingen und Nordischen Wühlmäusen. Die Lemminge profitieren von langen, kalten Wintern mit lockerer Schneedecke, während Temperaturschwankungen sich sehr negativ auf ihren Bestand auswirken können. Aufgrund des Klimawandels ist das aber in den letzten Jahren immer häufiger der Fall gewesen. Extreme Wetterlagen wirken sich auch direkt auf die Schneeeulen und ihre Jungen aus. Nicht zuletzt sorgen Menschen mit direkten Störungen sowie den Stromleitungen und Windkraftanlagen dafür, dass sich der Schneeeulenbestand weiter verringert.

Zukunft in Europa ungewiss

Die großen Schwankungen im Bruterfolg sieht man am Beispiel Schwedens besonders gut. 1978 wurden hier etwa 200 Bruten nachgewiesen, zwischen 1982 und 2001 dagegen gar keine. 2015 wurden in Nordschweden immerhin wieder 23 Bruten entdeckt.

Schneeeulen brüten in Norwegen, Schweden und Finnland am liebsten in tundraartigen, baumfreien Landschaften mit Mooren und Moränenrücken. Gibt es dort außerdem genügend Lemminge, brüten die Weibchen ihre Eier in zuvor gescharrten, flachen Bodenlöchern aus. Die Jungvögel brauchen immerhin 50 Tage, um flügge zu werden. In dieser Zeit werden sie von den Eltern gewärmt und gefüttert, wobei das Männchen hauptsächlich das Nest verteidigt.

Die ISOWG sorgt sich weiterhin um den europäischen Schneeeulenbestand und schätzt ihn auch weit niedriger ein als beispielsweise BirdLife International. In Europa dürfte der Bestand zwischen 1400 und 5500 Paaren liegen. Genauer können die Forscher derzeit nicht schätzen, weil Brutgebiete sich oft verschieben und von mehreren Populationen gleichzeitig genutzt werden.

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1 Kommentar

  1. Ulrich Thoenes 11. November 2016 um 03:00 Uhr

    In Dierdorf-Wienau (Westerwald) ist vor einigen Tagen eine gesichtet worden.

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