Flussuferläufer – Fürsorglicher Watvogel

Flussuferläufer – Fürsorglicher Watvogel

Flussuferläufer machen ihrem Namen alle Ehre, denn ihr Leben spielt sich meist am Wasser ab. Dort finden sie Nahrung und ziehen ihre Jungen groß.

Aussehen

Ein Flussuferläufer erreicht mit rund 22 Zentimetern etwa die Größe einer Amsel. Auf den ersten Blick seht ihr also einen kleinen, agilen Vogel mit weißem Bauch und brauner Oberseite. Bei genauem Hinsehen ist diese Oberseite fein gemustert und wechselt zwischen hellem und dunklem Braun sowie Grau ab. Auch Kopf, Kehle und Brust tragen dieses Muster, nur in etwas abgeschwächter Form. Zwischen Flügelansatz und Brust zieht sich auf beiden Seiten ein weißer Keil nach oben. Am Kopf fällt die helle Umrandung der Augen auf. Außerdem beginnt am Schnabelansatz ein dunkler Streifen, wird vom Auge unterbrochen und verläuft dann weiter bis in den Nacken. Der Schnabel selbst ist bräunlich grau, genau wie die langen, schlanken Beine.

Vorkommen

Flussuferläufer sind in ganz Europa heimisch, mit Ausnahme von Island. Obwohl oder gerade weil die Art so weit verbreitet ist, kommt sie nirgends besonders häufig vor. Die Flussuferläufer halten sich meistens im Landesinneren auf, manchmal aber auch an Küstengebieten.

Auch in Eurasien, Japan und auf den Inseln Südostasiens ist der Flussuferläufer zu finden. Den Winter verbringt er in verschiedenen Regionen zwischen Mittelmeer und Südafrika.

Wie sein Name schon sagt, ist unser Vogel der Woche ein Bewohner der Gewässer. Er mag vor allem Flüsse und Bäche, kann aber auch an manchen Seen beobachtet werden. Wichtig ist, dass die Pflanzen ringsum nicht zu hoch wachsen und dass es flache Kiesbänke im Wasser gibt. Auf ihnen legen die Vögel ihre Eier in flache Mulden am Boden. Außerhalb der Brutzeit sind sie flexibler und besuchen auch Küsten oder künstliche Gewässer.

Verhalten und Wissenswertes

An den feuchten Ufern der Gewässer sucht dieser Watvogel besonders gern nach Nahrung. Mit dem Schnabel pickt er kleine Krebse und Weichtiere auf. Charakteristisch dabei ist, dass er viele kleine Knickse macht und mit dem Hinterleib auf und ab wippt. Übrigens können Flussuferläufer auch schwimmen und tauchen, aber sie halten sich lieber am Ufer auf. Daher stehen auch Spinnen und Insekten auf ihrem Speiseplan.

Wenn die Flussuferläufer im April nach Europa zurückkommen, ist Paarungszeit. Auf den heiß begehrten Kiesinseln scharrt ein Paar seine Nestmulde in den Boden und kleidet sie mit Blättern und Zweigen aus. Das Weibchen legt meistens vier gesprenkelte Eier, die etwa drei Wochen lang bebrütet werden müssen. Nach dem Schlüpfen brauchen die Jungen weitere sechs Wochen Zuwendung, bis sie fliegen können und selbstständig sind. Leider ist der Bruterfolg bei Flussuferläufern eher gering, weil sie oft bei der Brut oder Aufzucht gestört werden. Außerdem sind die Nester meist so gut versteckt, dass Menschen versehentlich darauf treten oder die Eltern beim Brüten aufscheuchen. Haltet daher in der Natur immer die Augen offen, bleibt auf den offiziellen Wegen und verhaltet euch ruhig, vor allem in der Brutzeit!

Um Fressfeinde von ihrem Nest fernzuhalten, haben Flussuferläufer eine besondere Strategie: der Altvogel, der gerade nicht brütet, spielt den verletzten Vogel und bewegt sich langsam vom Nest weg. Mit klagenden Lauten gibt er dem Räuber zu verstehen, dass er leichte Beute ist. Wenn der Feind dann weit genug vom Nest entfernt ist, fliegt der Vogel flink davon und kehrt auf Umwegen zurück zu seiner Familie.

  • Der Flussuferläufer ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Bekannte Vorkommen gibt es zum Beispiel im Bayerischen Wald.
  • Auch in Österreich ist der Vogel bedroht, findet aber in Gebieten wie dem Naturpark Karwendel Schutz.

Foto: Vijay Sonar (Lizenz: CC BY 2.0)

 

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