Gänsegeier – Futtern statt Segeln

Gänsegeier – Futtern statt Segeln

Einen Gänsegeier erkennt ihr sofort an seinem auffälligen Gefieder und seiner Größe. Zwar werden die majestätischen Aasfresser wieder in Deutschland gesichtet, doch das ist leider kein gutes Zeichen.

Aussehen

Gänsegeier sind große, majestätische Greifvögel mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,70 m. Auffällig und charakteristisch ist die weiße Halskrause aus dichtem, flaumigem Gefieder. Auch der Kopf mit dem gebogenen Schnabel ist weiß. Ein weiteres wichtiges Merkmal: ausgewachsene Vögel sind deutlich zweifarbig. Rumpf, Beine und der obere Teil der Flügel sind hellbraun bis rostfarben, der größere Teil der Flügel (Schwingen und Steuerfedern) ist schwarzbraun. Diese Zweiteilung ist vor allem im Flug sehr gut zu erkennen.

Zwar gibt es keinen Geschlechtsdimorphismus, das heißt Männchen und Weibchen gleichen einander, aber die Jungvögel tragen eine hellbraune Halskrause und haben einen dunkleren Schnabel als die Altvögel.

Vorkommen

Ein großer Teil des europäischen Bestandes lebt auf der Iberischen Halbinsel, vor allem in Spanien. Kleinere Kolonien gibt es in Sardinien, Südfrankreich und auf dem Balkan. Auch auf der arabischen Halbinsel und im Nahen Osten leben Gänsegeier, doch sie finden allgemein immer weniger Nahrung und bewegen sich daher auch in Gebiete, in denen sie eigentlich gar nicht vorkommen. So wurden auch in Deutschland, wo die Art schon seit über 100 Jahren als ausgestorben gilt, in den letzten Jahren immer wieder Gänsegeier beobachtet.

Im Januar 2016 sorgte ein Gänsegeier an der Grenze zwischen Israel und Libanon für Aufsehen. Er ist Teil eines israelischen Schutzprogramms und wollte offenbar nur einen kleinen Ausflug machen, doch die Antenne auf seinem Rücken ließ libanesische Sicherheitsbehörden gleich an Spionage denken, so dass der Vogel gefangen wurde. Doch dank sozialer Netzwerke und weltweitem Engagements konnte das Missverständnis aufgeklärt und der Gänsegeier nach Israel zurückgeschickt werden. Er wurde seitdem schon als „unfreiwillige Friedenstaube“ bezeichnet, da er für seltenen friedlichen Kontakt an der Grenze gesorgt hatte.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Gänsegeier sind fantastische Segler, prahlen mit dieser Fähigkeit allerdings nicht besonders. Sie fliegen nur, wenn sie müssen und wenn Thermik und Wetter mitspielen. Da sie ihre Nester vor allem an hohen Felsabbrüchen errichten, ist zumindest die Thermik meist kein Problem. In der spanischen Provinz Segovia sind die Flugdarbietungen besonders spektakulär.

Die großen Geier ernähren sich von Aas, was ihnen die Nahrungssuche in unseren modernen Zeiten immer mehr erschwert, denn tote Nutztiere werden meist sofort weggeschafft. In Spanien werden daher bestimmte Punkte eingerichtet, an denen Landwirte die Reste von Tierkadavern für die Geier bereitlegen können. Ein Gänsegeier kann etwa 2 Kilo Fleisch auf einmal verschlingen, muss dann aber erst einmal sitzen bleiben und verdauen, denn zum Fliegen ist er dann zu schwer.

Gänsegeier brüten am liebsten in möglichst großen Kolonien und bauen ihre Nester in Nischen, Höhlen und auf Vorsprünge hoher Felsen. Das einzelne Ei wird von beiden Elternteilen etwa 50 Tage lang bebrütet.

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