Rohrschwirl – Zwischen Schilf und Sahara

Rohrschwirl – Zwischen Schilf und Sahara

Wer jedes Jahr mit eigener Flügelkraft von Mitteleuropa nach Afrika und wieder zurück fliegt, darf nicht zimperlich sein. Wir präsentieren einen Vogel, in dem mehr steckt, als man auf den ersten Blick glauben würde: den Rohrschwirl.

Aussehen

Der Rohrschwirl ist ein kleiner Singvogel aus der Familie der Grassänger. Er wird etwa 14 Zentimeter lang und ist mit maximal 24 Gramm ein flinkes Leichtgewicht. Ihr erkennt ihn an seiner dunklen, fast schon rotbraunen Oberseite. Auch Brust und Flanken sind bräunlich beige, der Bauch und die Kehle dagegen weißlich. Unter dem breiten, abgerundeten Schwanz findet sich ein weiteres wichtiges Erkennungsmerkmal. Anders als beim sehr ähnlichen Teichrohrsänger sind die Unterschwanzdecken nämlich rostbeige gefärbt. Die des Teichrohrsängers hingegen sind weiß.

Vorkommen

In Europa beginnt das Verbreitungsgebiet des Rohrschwirls auf der Iberischen Halbinsel, berührt noch den südlichsten Zipfel Großbritanniens und zieht sich als breiter Streifen bis zum Ural. In Deutschland ist er ein eher seltener Brutvogel, man kann ihn aber auch als Durchzügler beobachten. Als Langstreckenzieher machen sich die Rohrschwirle nämlich jedes Jahr auf den beschwerlichen Weg nach Afrika, um dort den Winter zu verbringen. Die meisten steuern den Bereich zwischen der Südsahara und der Nordgrenze des Regenwaldes an.

Vor allem in großen Schilfgebieten fühlt sich unser Vogel der Woche wohl. Die findet er meist in den Verlandungszonen von Seen oder Mooren. Egal ob Schilf, Seggen oder Rohrkolben, Hauptsache es gibt Röhricht, welches der kleine Vogel als Singwarte benutzen kann. Ein ganz besonders wertvolles Gebiet ist der Neuenburgersee in der Schweiz. Dort brüten etwa 90% des schweizerischen Bestandes und ein Schutzprogramm sorgt dafür, dass das Gebiet auch weiterhin so vogelfreundlich bleibt.

Verhalten und Wissenswertes

Oft verrät sich der Rohrschwirl durch seinen Gesang, der wie ein tiefes, schnelles Schwirren klingt. Oft wird er durch eher tickende Geräusche eingeleitet. Bei Störungen geben die Vögel ein kurzes „zik“ von sich, der Nestruf dagegen klingt wie ein hektisches „pit“.

Wenn eine Gefahr zu groß wird oder der Rohrschwirl sich erschreckt, hilft meist auch kein Gesang mehr. In solchen Fällen nehmen die Vögel die so genannte Pfahlstellung ein: Schwanz in den Boden gedrückt, Kopf senkrecht in die Luft gereckt. Diese Tarnmethode kennen wir auch schon von der Rohrdommel.

Im Schutz des Röhrichts können die gewandten Vögel sehr gut nach Nahrung suchen. Meist schnappen sie sich Insekten und Spinnen, die sie manchmal auch erreichen, indem sie mit den Füßen die Halme heraufklettern.

Von diesen Fähigkeiten profitieren schließlich auch die Jungen. Sie erblicken in einem napfförmigen Nest aus Pflanzenfasern das Licht der Welt, mitten im Schutz des Schilfs. Von Mai bis Juni finden normalerweise zwei Bruten statt.

 

Foto: Ron Knight (Lizenz: CC BY 2.0)

 

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