Close

Vogelwelt

Schelladler – Kastanienbrauner Jäger

Schelladler – Kastanienbrauner Jäger

Die wunderschönen Schelladler sind große Greifvögel, die vor allem Russland und die weiteren Gebiete bis zum Pazifik besiedeln. Bei uns kommen sie hingegen äußerst selten vor, denn durch den Einfluss des Menschen verschwindet Stück für Stück ihr Lebensraum.

Aussehen

Der Schelladler gehört, wie zum Beispiel auch der Mäusebussard, zur Familie der Habichtartigen. Mit einer Flügelspannweite von rund 1,70 Meter wird er allerdings ein ganzes Stück größer als sein Verwandter. Innerhalb der Art sind die Weibchen wiederum größer und schwerer als die Männchen. Beide Geschlechter haben ein fast einheitlich dunkelbraunes Gefieder. Die Schwung- und Stoßfedern sind zwar etwas heller, erzeugen aber keinen starken Kontrast. Nur den schwachen, weißen Rand der Oberschwanzdecken kann man einigermaßen erkennen, vor allem bei einem sitzenden Vogel. Die Handschwingenspitzen sind stark „gefingert“ und die Beine bis zu den gelben Zehen befiedert (das nennt man auch „Hosen“). Am Schnabel findet sich eine Farbkombination aus Gelb, Grau und Schwarz.

Der Schelladler hat eine Schwesternart, der er extrem ähnlich sieht: den Schreiadler. Letzterer ist ein wenig kleiner und trägt sein Gefieder in einem etwas helleren Braun.

Vorkommen

Unsere Vögel der Woche kommen vor allem in Russland vor, wobei sich das Verbreitungsgebiet in östliche Richtung noch bis zum Pazifik erstreckt. Richtung Westen werden sie hingegen immer seltener. In Mitteleuropa leben Schelladler nur noch in einer sehr kleinen Brutpopulation in Nordostpolen. Sie wird auf weniger als 20 Paare geschätzt. Die Greifvögel sind zwar Mittel- bis Langstreckenzieher, kommen auf ihren Reisen aber nur äußerst selten durch Mitteleuropa. Ihre Überwinterungsgebiete sind zum Beispiel der tropische Süden Europas sowie Asien und Afrika. Manche kürzen sich den Weg lieber ab und überwintern ausnahmsweise sogar in der Schweiz.

Bei der Wahl des Brutgebietes konzentrieren sich Schelladler auf feuchte Lebensräume. Das können Wälder und Waldränder mit benachbarten Sümpfen, Mooren oder anderen Feuchtflächen sein, aber auch einfach Flussauen. Die Gesellschaft von Menschen mögen die scheuen Tiere gar nicht und sie fühlen sich generell schnell gestört.

Verhalten und Wissenswertes

Auf dem Speiseplan des Schelladlers stehen vor allem kleine Säugetiere und Vögel bis zur Größe eines Reihers. Auch verschiedene Reptilien und Amphibien kommen in den Schabel, in Afrika auch immer wieder Wanderheuschrecken. Die Greifvögel jagen im niedrigen Suchflug, von einer Sitzwarte aus oder gar zu Fuß am Boden.

Geschlechtsreif werden Schelladler erst im Alter von 4 oder 5 Jahren. Sie kehren in ihre Brutgebiete zurück und beginnen die Paarungsphase, welche von Balzflügen und intensiven Rufen geprägt ist. Die Horste werden oft in mehreren Jahren hintereinander benutzt und daher immer wieder ausgebessert. Sogar während der Brutzeit (6 Wochen) und der Nestlingszeit der Jungen (etwa 65 Tage) kommen immer wieder neue Zweige hinzu. Meistens gibt es zwei Eier, wobei oft nur einer der beiden Jungvögel flügge wird – manchmal schaffen es aber auch beide.

Eine beunruhigende Entwicklung zeigt, dass Schelladler sich auch immer öfter mit den nah verwandten Schreiadlern paaren und dadurch ihr eigenes Aussterben beschleunigen. Da Schelladler so sensibel auf Lebensraumveränderungen reagieren, haben die männlichen Schreiadler oft einen Vorteil. Sie kommen in den vom Menschen entwässerten oder anders veränderten Gebieten besser zurecht. Das imponiert den Schelladlerweibchen wahrscheinlich, so dass sie sich eher ein solches Männchen als Partner aussuchen.

Foto: SreejithJS (Lizenz: CC BY-SA 4.0), from Wikimedia Commons

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert