Schilfrohrsänger – kletternder Schmetterlingsflieger

Schilfrohrsänger – kletternder Schmetterlingsflieger

Der Schilfrohrsänger ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein Vogel der Schilfgebiete und Gewässer. Dort brütet er und trägt seinen lebhaften Gesang vor.

Aussehen

Englische Ornithologen nennen Rohrsänger auch liebevoll „LBJs“ (Little Brown Jobs), weil sie alle relativ helle Unter- und braun gezeichnete Oberseiten haben. Auch der Schilfrohrsänger ist da keine Ausnahme und sieht seinen Verwandten recht ähnlich. Ein guter Orientierungspunkt ist das Gesicht: Dort fallen die bräunlich olivfarbenen Wangen und der schmutzig weiße Überaugenstreif auf. Der beigebraune Rücken ist durch verwaschene, schwarze Streifen gezeichnet. Über dem rotbraunen Bürzel zeigt sich eine lange Handschwingenprojektion (Teil der Flügelspitze, der im angelegten Zustand über die längste Schirmfeder hinausragt). Die Beine sind dunkel, allerdings oft etwas heller als die des Mariskensängers und immer dunkler als die Beine des Seggenrohrsängers.

Vorkommen

In Europa kommen Schilfrohrsänger weitläufig, aber mit größeren Lücken vor. Schwerpunkte sind zum Beispiel Osteuropa, Finnland sowie Großbritannien. In Richtung Süden löst sich das Verbreitungsgebiet in immer kleinere Bereiche auf. In Deutschland lebt der Schilfrohrsänger vor allem im Tiefland des Nordens und Ostens. Auch in den größeren Auengebieten und Seenlandschaften brütet er in größerer Zahl. Den Winter verbringen die kleinen Vögel im Süden Europas sowie in Kleinasien, Nordafrika oder gar südlich der Sahara. Dort halten sie sich in Feuchtgebieten auf.

Der Schilfrohrsänger mag seinen Lebensraum zwar eher trocken, ein Gewässer sollte aber auf jeden Fall in der Nähe sein. Dichtes Schilfrohr, hohe Gräser und Gebüsche als Singwarten machen ein Gebiet für ihn attraktiv. Er ist demnach an den Ufern von Seen und Teichen, aber auch im Randbereich von Sümpfen und Mooren sowie in lichten Auwäldern zu finden. Solche Lebensräume verkleinert der Mensch allerdings immer mehr, so dass der Schilfrohrsänger mittlerweile auf der „Roten Liste“ der Brutvögel steht.

Verhalten und Wissenswertes

Unsere Vögel der Woche sind sehr lebhaft und hüpfen emsig in der Vegetation umher, um Nahrung zu suchen. Die besteht überwiegend aus Insekten, Spinnen und kleinen Schnecken. Besonders gern sammelt der Schilfrohrsänger Blattläuse von den Stängeln und Blättern. Gerade vor dem anstrengenden Zug in die Winterquartiere frisst er sich Fettreserven aus Blattläusen und anderen Insekten an.

Ein typisches Merkmal des Schilfrohrsängers ist der wohlklingende und variantenreiche Gesang. Dieser ertönt meist tagsüber von der Singwarte, manchmal aber auch nachts oder im Flug. Gerade die Männchen zeigen einen auffälligen, schmetterlingsartigen Singflug. Sie verharren einige Sekunden mit ausgebreiteten Flügeln in der Luft und gleiten dann wieder abwärts.

Ab Ende April treffen die Männchen wieder im Brutgebiet ein. Oft machen sie auf dem Rückzug lange Pausen und erwecken mit ihrem ausdauernden Gesang den Verdacht einer Brut. Doch nur, wenn sie auch im Juni noch zu hören sind, kann man von einer Brut ausgehen. Der intensive Balzgesang erreicht in der Morgen- und Abenddämmerung seine Höhepunkte. Den Nestbau übernimmt das Weibchen allein. Es befindet sich meist auf dem Boden oder etwas erhöht im Dickicht und besteht aus Riedgras, Blättern und Moosen. Im Mai und Juni legen die Weibchen ihre Eier und bebrüten sie etwa 12 bis 15 Tage lang. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungen noch knapp zwei Wochen im Nest und fangen dann an, munter im Dickicht herumzuklettern. Zu diesem Zeitpunkt trennen sich auch die Eltern. Jeder Altvogel übernimmt einen Teil des Nachwuchses und betreut ihn unabhängig vom Partner.

Bild: M.Eekhoff (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

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